Digitalkenner :
So sieht der Wandel in Verlagen aus

Daten- und Digitalspezialisten kommen bei Verlagen oft aus den eigenen Reihen. Sie machen Print unabhängiger vom klassischen Anzeigengeschäft.

Text: Manuela Pauker

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Daten- und Digitalspezialisten kommen bei Verlagen oft aus den eigenen Reihen.
Daten- und Digitalspezialisten kommen bei Verlagen oft aus den eigenen Reihen.

Für den Großteil der Verlage lief der Einstieg in die digitale Welt etwas holpriger als beispielsweise für die TV-Sender, die in Sachen Bewegtbild naturgemäß einen Wissensvorsprung mitbrachten. Inzwischen haben die meisten Publisher aber ihren Weg gefunden – und dabei auch festgestellt, dass es keine allgemein gültige Methode gibt, wie unser Dossier "So sieht der Wandel in Verlagen aus" belegt.

Jeder muss seine individuellen Prioritäten setzen. Das geschieht meist in eigens gegründeten Laboren zum Entwickeln neuer Ideen - einen Chief Digital Officer (CDO), der das Ganze vorantreibt, gibt es mittlerweile ohnehin fast überall.

Was sind die dringlichsten Themen für Publisher?

Im Wesentlichen sind es drei Bereiche, die als strategisch wichtig gekennzeichnet werden:

- Audience Development

- Multichannel Distribution

- Transaktionelle Geschäftsmodelle.

Audience-Data-Teams wurden in einer Vielzahl von Häusern installiert, sowohl bei Fachverlagen wie Vogel Business Media bis hin zu den großen Häusern wie Gruner + Jahr und Bauer Media Group.

Ein weiteres Thema, das die Häuser in digitaler Hinsicht umtreibt, ist der Vertrieb. Viele neue Kanäle, über die Content verteilt werden kann, erfordern jede Menge Wissen über diese Wege. Die neu organisierte Distribution, die oft auch über E-Commerce-Plattformen stattfindet, ist häufig Chefsache.

So kümmert sich beispielsweise bei der Verlagsgruppe Handelsblatt Gerrit Schumann schwerpunktmäßig um diese Themen: Der Digitalexperte, der vor seinem Einstieg ins Verlagshaus in der Musikindustrie und im E-Commerce tätig war, hat die neu geschaffene Position des Chief Digital Officers übernommen. Wie wichtig das Thema für das Wirtschaftsblatt ist, sieht man unter anderem daran, dass die Position innerhalb der Geschäftsführung angesiedelt ist.

Warum Verlage oft gar kein Personal suchen müssen

Viele Verlage haben festgestellt, dass die passenden Mitarbeiter für die Transformation gar nicht erst von außen geholt werden müssen, sondern schon im Haus sind. Ihr grundlegendes Knowhow über Strukturen und Abläufe im Haus erleichtert die Vernetzung der neuen mit den bestehenden Abteilungen.

Unternehmen wie der Zeit Verlag oder der "Spiegel" vertrauen auf langjährige Mitarbeiter. Christian Goedecke, beim "Spiegel" seit Anfang 2017 Leiter des neuen integrierten Produktmanagements, kam bereits 2006 ins Haus. Beim Zeit Verlag arbeiteten Chris Höfner, Vize-Chefin der Tochter Tempus Corporate, und Martin Kotynek, als Stellvertretender Chefredakteur Zeit Online auch für "Editorial Product & Innovation" zuständig, schon zuvor für das Unternehmen.

Die langjährigen Mitarbeiter eines Hauses bringen ein weiteres Talent mit, das die Publisher auch in Zukunft brauchen werden: Wissen, wo und wie die Vernetzung weiter vorangetrieben werden kann. Ziele, die viele Häuser verfolgen – und die zum Teil auch über die Landesgrenzen hinausgehen: So arbeitet etwa die Bauer Media Group, die global mittlerweile breit in mehreren Gattungen aufgestellt ist, an der Verknüpfung des internationalen Knowhows.

Wo die Reise hingeht ...

Ein Ende des Umbaus der gesamten Medienbranche ist ohnehin nicht abzusehen, sagt Markus Hüßmann, Managing Director der Bauer Xcel Media Deutschland. Das alles ist eigentlich erst der Anfang: "Transformation ist nicht so zu verstehen, dass es ein Prozess ist, der irgendwann endet. Man darf nie aufhören, sich zu optimieren."

W&V zeigt im Dossier auf, wie sich die Printbranche für die neuen Herausforderungen personell aufgestellt habt. Den Wandel bei Vermarktern finden Sie hier, wie sich die TV-Branche aufgestellt hat erfahren Sie in diesem Dossier.

In einem großen Überblick über die gesamte Medienbranche widmet sich auch die aktuelle Printausgabe der W&V (EVT: 03.04.) den Gesichtern des Wandels. 

Übrigens: Hinter "Dossier" steckt ein neues Format zum Relaunch von W&V Online. Wir gehen damit regelmäßig bei wichtigen Themen in die Tiefe und freuen uns über Ihr Feedback. Mehr über den neuen Digitalauftritt von W&V auf Facebook und Twitter unter #rethought.


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde



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