Mediengruppe Straubinger Tagblatt :
Sparkonzept geht auf: Neue Abendzeitung liefert Gewinn ab

Knapp drei Monate nach Erwerb des Traditionsblattes "Abendzeitung" melden Balle und von Boetticher das Erreichen der Gewinnzone - dank massivem Personalabbau und Zulierferungen. Nun soll wieder aufgestockt werden.

Text: Petra Schwegler

"Neustart gelungen: Münchner ‚Abendzeitung‘ schreibt schwarze Zahlen": Das verkünden die Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung sowie der Münchner Rechtsanwalt und Unternehmer Dietrich von Boetticher knapp drei Monate nach dem Erwerb des Traditionsblattes. Die verkaufte Auflage habe sich bei gut 40.000 Exemplaren pro Tag stabilisiert und liege damit klar über der Marke von rund 30.000 Exemplaren, die für das Erreichen der Gewinnschwelle erforderlich sei, heißt es in einer Mitteilung vom Mittwoch. Die Auflage entfällt demnach je zur Hälfte auf Abonnements und den Einzelverkauf. Die von der "AZ" früher kommunizierte Auflage von gut 100.000 Exemplaren sei dagegen in erheblichem Umfang durch Sonderverkäufe geprägt gewesen.

Den Preis für den Erfolg zahlen die geschassten Mitarbeiter. Im Konzern-Sprech klingt das so: "Ermöglicht wurde die erfreuliche Ertragsentwicklung durch eine erheblich verringerte Kostenbasis. So wird die AZ nicht mehr in München, sondern in Straubing und seit dieser Woche teilweise auch in Traunstein gedruckt, wobei die Zeitung bis 23.00 Uhr flexibel auf aktuelle Ereignisse reagieren kann. Die Sachkosten konnten erheblich reduziert werden, zum Beispiel durch den Umzug der Redaktion von Büros nahe dem Hauptbahnhof in das Münchner Westend (Garmischer Str. 35)." Auf der Erlösseite profitiert die "AZ" von der Preiserhöhung im Einzelverkauf, die Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Axel W. Bierbach bereits Ende April durchgesetzt hatte. Der AZ-Verlag, in dem die "Abendzeitung" zuvor erschienen war, hatte am 5. März Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt.

Seit 1. Juli – mit Start unter neuer Herrschaft – arbeitet nur mehr eine kleine Rumpfmannschaft der ehemals 102 Mitarbeiter unter dem neuen Chefredakteur Michael Schilling für die "Abendzeitung". Hier haben Verleger Martin Balle und Mitherausgeber Dietrich von Boetticher offenbar ein wenig aufgestockt, zumal anfangs maximal 25 Kollegen vorgesehen waren: Für die "AZ" würden derzeit mehr als 30 Mitarbeiter wirken und "damit bereits mehr als zunächst vorgesehen". Eine weitere Aufstockung der Redaktion sei geplant, insbesondere für die Lokalberichterstattung. Doch stets wird nach "Synergien" gesucht: "Die ebenfalls personell gestärkte Feuilletonredaktion - ein weiteres Herzstück der Zeitung - beliefert nicht nur das eigene Blatt, sondern auch die anderen Zeitungen der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung", heißt es. Der Politik- und Wirtschaftsteil sei ausgeweitet worden, unter anderem durch die Nutzung des Korrespondentennetzes des Verlags.

Überdies steigere die "AZ" ihre Attraktivität durch zusätzliche redaktionelle Angebote. Seit August etwa erscheint eine achtseitige Wochenendbeilage mit feuilletonistischen und serviceorientierten Themen. Neu: Pünktlich zum Schulbeginn in Bayern wird an diesem Freitag erstmals eine Kinderzeitung der "AZ" beigefügt – für die Kleinsten im Grundschulalter. Ungebrochen sei auch das Wachstum der "AZ" im Internet: 17 Millionen Visits und 90 Millionen Page Impressions für AZ-muenchen.de inklusive der mobilen Angebote in den Monaten Juli und August entspreche einem Zuwachs von 78 Prozent beziehungsweise 43 Prozent gegenüber Vorjahr. Balle bilanziert: "Die ersten drei Monate nach dem Neustart bestätigen die Einschätzung von Dietrich von Boetticher und mir, dass die Münchnerinnen und Münchner die Abendzeitung schätzen und ihr treu bleiben. Und sie widerlegen jene, die bezweifelt haben, dass die AZ als Tageszeitung profitabel geführt werden kann. Wir haben das Blatt vorsichtig und an den richtigen Stellen reformiert, ohne seinen Charakter als wichtige journalistische Stimme für München zu verändern."


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.