Neuaufstellung ohne Neugründung :
Springer und Funke geben Pläne für gemeinsamen Vertrieb auf

Der Funke-Springer-Deal hat mit Media Impact nur im Sales-Bereich ein Joint-Venture zur Folge. Im Vertrieb haben es sich die Partner anders überlegt. 

Text: Petra Schwegler

Springer-Vertriebschef Christian Nienhaus.
Springer-Vertriebschef Christian Nienhaus.

Axel Springer und die Funke Mediengruppe legen nach dem großen Print-Deal ihre Pläne für eine gemeinsame Vertriebsfirma auf Eis. Ähnlich wie im Sales-Bereich mit Media Impact sollte ein weiteres Gemeinschaftsunternehmen die Printprodukte in den Markt bringen. Nun heißt es am Donnerstag in einer gemeinsamem Mitteilung:

"Beide Partner hatten aus verschiedenen Gesprächen mit dem Kartellamt den Eindruck gewonnen, dass die Umsetzung einer vertrieblichen Zusammenarbeit ohne eine gesellschaftsrechtliche Verbindung einfacher zu gestalten ist."

Alternativ wird nun die Zusammenarbeit der beiden Häuser im Print-Vertrieb neu aufgestellt: Ab dem 1. Januar 2017 übernimmt Springers Dienstleistungstochter Newspaper Impact zusätzlich den Einzelhandelsvertrieb des gesamten Funke-Zeitungsportfolios. Dazu gehören – neben den bislang schon von Sales Impact, der zentralen Vertriebsorganisation von Axel Springer, betreuten Titeln "Berliner Morgenpost", "Hamburger Abendblatt" und "Bergedorfer Zeitung" – auch die nordrhein-westfälischen ("WAZ", "Neue Ruhr / Neue Rhein Zeitung", "Westfalenpost", "Westfälische Rundschau"), niedersächsischen ("Braunschweiger Zeitung", "Harz Kurier") und thüringischen Funke-Titel ("Thüringer Allgemeine", "Ostthüringer Zeitung", "Thüringische Landeszeitung").

Bei den Zeitschriften "Hörzu", "Bild der Frau", "Frau von heute" und "TV Digital", die Funke zum 1. Mai 2014 von Springer übernommen hatte, wird Sales Impact wiederum die vertriebliche Betreuung mit Wirkung zum 1. Juli abgeben. Funke überträgt das Vertriebsgeschäft für diese Zeitschriften dann dem eigenen Tochterunternehmen Moderner Zeitschriften Vertrieb (MZV), wo bereits alle weiteren Funke-Magazine wie "Frau im Spiegel", "Landidee" oder auch "Gong" betreut werden.

Funke-Chef Manfred Braun spricht von einer "optimalen Lösung". Er zeigt sich "überzeugt, dass unser Zeitungsportfolio bei Axel Springer bestens aufgehoben ist und von der Kernkompetenz von Axel Springer im Zeitungsvertrieb profitieren wird". Springers Vertriebschef Christian Nienhaus wird in der Mitteilung so zitiert:

"Wir erreichen damit auch ohne ein Joint-Venture unser Ziel, den Print-Vertrieb fit für die Zukunft zu machen."

Für Springer und Funke scheinen die Vertriebspläne weniger schwer zu wiegen als die gemeinsame Vermarktung, die die Partner im Frühsommer 2015 nach zwei Jahren Ringen mit dem Kartellamt durchgebracht und als Media Impact installiert hatten. Das grüne Licht der Bonner Behörde erwirkten Springer und Funke damals mit der strikten Trennung von regionaler und nationaler Vermarktung. Einen Zusammenschluss auch beim regionalen Anzeigenverkauf hätte das Kartellamt nicht durchgewunken. 

Springer hatte im Juli 2013 für 920 Millionen Euro mehrere Tageszeitungen ("Berliner Morgenpost", "Hamburger Abendblatt"), Frauenzeitschriften ("Bild der Frau") und TV-Zeitschriften ("Hörzu", "TV Digital") an die Essener Funke-Gruppe ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung", "Gong") verkauft. Allein der Transfer der Titel wurde nur unter Auflagen gewährt, ein weiteres Kapitel war die gemeinsame Vermarktung, für die - ebenso wie ursprünglich für den Vertrieb - ein Joint-Venture gegründet werden sollte. 


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.