Doch zeigt sich jetzt eine ähnliche Entwicklung in beiden Lagern: Während bei den Anhängern der Demokraten 2015 noch 74 Prozent der Befragten angaben, sie beurteilten die Tech-Unternehmen positiv, waren es nun nur noch 54 Prozent. Bei den Anhängern der Republikaner sank der Wert von 72 auf jetzt 44 Prozent.

Zu viel Macht und Einfluss

Eine Studie des Pew Research Center aus dem vergangenen Jahr offenbart auch, was dieser Trendwende in der Einschätzung der Tech-Konzerne zugrunde liegt. Damals hatten 55 Prozent der Befragten angegeben, dass die Technologie-Unternehmen zu viel Macht und Einfluss hätten. 72 Prozent waren zudem der Meinung, dass Social-Media-Sites bewusst eine politische Zensur ausübten.

Eine weitere Pew-Studie von Anfang dieses Jahres hatte ergeben, dass zwar die Mehrheit der Amerikaner der Meinung ist, dass Social-Media-Sites anstößige Inhalte ("offensive content") von ihren Plattformen entfernen sollten. Gleichzeitig haben sie jedoch wenig Vertrauen, dass die Sites richtig einschätzen können, was tatsächlich anstößig ist.

Nationale Medien als Schlusslicht

Im Vergleich zu anderen Branchen schneiden die Tech-Konzerne aber immer noch gut ab. Denn gegenüber den "Large Corporations" allgemein haben 53 Prozent der Befragten eine negative Einstellung und nur 32 Prozent eine positive. Bei den Banken ist die Einstellung der US-Bürger gesplittet: 39 Prozent sehen sie positiv, ebenfalls 39 Prozent negativ – immerhin eine gewaltige Verschiebung gegenüber 2010, als in der Folge der Finanzkrise noch 69 Prozent der Amerikaner die Banken negativ beurteilten.

Ganz am Schluss rangieren inzwischen die überregionalen Medien. 64 Prozent der US-Bürger sind der Meinung, dass sie einen negativen Effekt auf das Land haben. Lediglich 25 Prozent können bei ihnen einen positiven Effekt erkennen – bei den Anhängern der Demokraten sind es immerhin 38 Prozent, bei den Anhängern der Republikaner aber nur 10 Prozent.



Franz Scheele
Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.