Außenwerbung :
Ströer wirbt in Frankfurt zum Schnäppchenpreis

Weil die Stadt Frankfurt einen Außenwerbevertrag mit Ströer offenbar nicht rechtswirksam gekündigt hatte, sind ihr Millionen durch die Lappen gegangen. Zum 1. Januar 2018 soll sich das ändern.

Text: W&V Redaktion

Außenwerbung ist gefragt: Diese Haltestelle war schon Wochen, bevor sie fertig war, ausgebucht (Standort: SZ-Hochhaus in München/Berg am Laim).
Außenwerbung ist gefragt: Diese Haltestelle war schon Wochen, bevor sie fertig war, ausgebucht (Standort: SZ-Hochhaus in München/Berg am Laim).

Weil die Stadt Frankfurt einen Außenwerbevertrag mit Ströer offenbar nicht rechtswirksam gekündigt hatte, sind ihr Millionen durch die Lappen gegangen. Zum 1. Januar 2018 soll sich das ändern, erklärt Planungsdezernent Mike Josef im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen" (FAZ).

Hintergrund

Bereits seit 1970 hat die Stadt Frankfurt einen Vermarktervertrag mit Ströers Vorgängerunternehmen Deutsche Städte Reklame (DSR) geschlossen. Ende 2008 hatte ihn die Stadt beim Vertragsnachfolger Ströer Deutsche Städte Medien (DSM) zum Ablauf des Jahres 2009 gekündigt. Die geplante Neuausschreibung hab es jedoch nicht. Wie die "Frankfurter Rundschau" (FR) im August berichtete, hatte Ströer die Kündigung nicht akzeptiert, seither gingen eine Menge Gutachten hin und her.

Und das kostete: Die "FR" schreibt, die Fixpacht, die Ströer DSM bezahle, betrage 409.000 Euro im Jahr, zuzüglich der Umsatzbeteiligungen kämen so etwa 2,6 Millionen jährlich in die Stadtkassen. Das könnte deutlich mehr sein: So habe etwa Hamburg seine Außenwerbung schon 2007 für 34 Millionen Euro pro Jahr neu ausgeschrieben. Geld, das Frankfurt nun fehlt.

Wie geht es weiter?

Laut Koalitionsvertrag muss die Stadt die Außenwerbevermarktung zum 1. Januar 2108 neu ausschreiben. Die Voraussetzungen dafür, so Josef im "FAZ"-Interview, seien nun geschaffen. Ende 2016 habe Frankfurt die laufenden Verträge wirksam gekündigt, sie laufen nun 2017 aus. Spätestens bis Mai sollen die Grundlagen für die Ausschreibung feststehen.

Damit einher geht auch die Entrümpelung: Josef will "Klasse statt Masse", keine ungeordneten Werbeflächen und "Wild-West-Beschilderung" mehr, illegale Großflächen seien entfernt worden.

Es ist ein attraktives Werbeumfeld, das hier neu auf den Markt kommt - darum werden sich vermutlich viele mittelgroße Vermarkter ebenso bewerben wie Ströers größter Konkurrent Wall.

Außenwerbung lohnt sich

Zumal die Außenwerbung ein lukratives Feld ist: Noch ist damit brutto so viel umgesetzt worden wie 2016. Laut Marktforscher Nielsen sind im vergangenen Jahr die Bruttoaufwendungen für Außenwerbung um 8 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro gestiegen. Der Fachverband FAW hofft auf 2 Milliarden bis Ende 2017. Zum Vergleich: Mit der größten Gattung - Fernsehen - wurden 2016 rund 15 Milliarden umgesetzt (plus 7%), Print kam auf 8,7 Mrd. (+1,5%), Online auf 3,45 Mrd. Euro brutto (+2,7%). Noch stärker als Außenwerbung auf Platz vier nach Umsätzen wuchs nur Radio (Platz 5) mit einem Plus von knapp 9 Prozent auf 1,83 Mrd. Euro Bruttowerbeertrag.


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