SWR-Indendant Boudgoust: „Keine Erklärung übers Knie brechen“

In den Streit um die Tagesschau-App meldet sich Peter Boudgoust zu Wort. Der Intendant des SWR gibt sich als Kritiker der gescheiterten gemeinsamen Erklärung zwischen öffentlich-rechtlichen Sendern und Zeitungsverlegern zu erkennen.

Text: Thomas Nötting

In den Streit um die Tagesschau-App meldet sich Peter Boudgoust zu Wort. Der Intendant des SWR gibt sich als Kritiker der gescheiterten gemeinsamen Erklärung zwischen öffentlich-rechtlichen Sendern und Zeitungsverlegern zu erkennen. Es wäre „falsch, eine Erklärung übers Knie zu brechen, die sich nachher als brüchig erweist“, sagt der Senderchef auf Anfrage von Werben & Verkaufen. „Dann wäre die spätere Enttäuschung programmiert“.

Die Wortmeldung von Boudgoust ist bemerkenswert. Denn der 58-Jährige gilt seit Monaten als einer der Hauptkritiker der geplanten gemeinsamen Erklärung. Um deren Wortlaut haben in den letzten Monaten Spitzen-Delegationen aus der Zeitungsbranche und der öffentlich-rechtlichen Anstalten gerungen. Ausgelöst hatte den Streit die Veröffentlichung der Tagesschau-App der ARD. Die Verleger sehen das Angebot aufgrund seiner Textlastigkeit als gebührenfinanzierte und kostenlose Konkurrenz ihrer eigenen Bezahl-Angebote. Folge: acht große Tageszeitungsverlage klagten gegen die ARD-App.

Dennoch schienen die folgenden Krisengespräche gefruchtet zu haben. Ende Februar einigten sich beide Seiten auf den Wortlaut einer gemeinsamen Erklärung. Der eigentlich von der ARD-Vorsitzenden und WDR-Chefin Monika Piel, BR-Intendant Ulrich Wilhelm und NDR-Chef Lutz Marmor abgesegnete Text scheiterte jedoch in dieser Form am Widerstand der ARD-Gremien. SWR-Boss Boudgoust setzte sich mit einem Brief an Piel an die Spitze der Opposition. Er ist innerhalb der ARD zwar für den Bereich Online zuständig, war an den Gesprächen jedoch nicht beteiligt. Die Verleger erklärten daraufhin Ende April die Gespräche für gescheitert und setzen nun ihre Klage gegen die Tagesschau-App fort.

Seitdem bemühen sich Piel, Wilhelm und Marmor um politische Schadensbegrenzung. „Die ARD ist nach wie vor bereit, weiter zu verhandeln und wird dazu das Gespräch suchen“, erklärt eine Sprecherin von ARD-Intendantin Piel. Auch BR-Chef Wilhelm und ZDF-Intendant Thomas Bellut erklärten öffentlich, die Hoffnung auf eine Einigung mit den Verlegern noch nicht aufgegeben zu haben.

Boudgoust betont in seinem Statement gegenüber W&V zwar die Einigkeit der ARD-Intendanten. Dennoch ist seine Wortmeldung ein entschiedenes „Ja, aber“.  Dem SWR-Chef ist „wichtig, für begriffliche Klarheit zu sorgen“. Er nennt in diesem Zusammenhang  Knackpunkte, die wohl zur Ablehnung des vorliegenden Text-Entwurfs geführt haben: „ Unsere Internetangebote sind juristisch legitimiert durch die Telemedienkonzepte, die von unseren Gremien einem umfangreichen Dreistufentest unterzogen worden sind. Deshalb kann eine Vereinbarung mit den Verlegern keinen rechtsverbindlichen Charakter haben, wohl aber kann sie medienpolitisch wirken. Auch das ist Konsens in der Runde der Intendanten“, so Boudgoust. „Und dass das ZDF schließlich mit von der Partie sein muss, dass es wenig Sinn macht, eine isolierte Vereinbarung nur auf ARD-Ebene zu treffen, – auch darüber herrscht zwischen uns Einigkeit."


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.