Talkshow-Flut in der ARD: Jetzt machen die Gremlins Dampf

Ein weiterer Rundfunkrat sorgt sich um die Qualität des Ersten - und über die Talks von Frank Plasberg, Sandra Maischberger, Günther Jauch, Anne Will und Frank Beckmann. Auch den "Gremlins" vom NDR gefällt vieles nicht - und "Bild" enthüllt einmal mehr die Kritik am Programm...

Text: Petra Schwegler

12. Jun. 2012

Schon länger reiben sich Experten und Teile der ARD an der Flut der Talkshows, die seit dem Einstieg von Günther Jauch im vergangenen Herbst im Ersten herrscht. Jetzt schaltet sich ein weiterer Programmausschuss der ARD ein: Nach dem WDR-Rundfunkrat, der im
April weniger Talks forderte, hat der Programmausschuss des NDR-Rundfunkrats die Sendungen von Frank Plasberg, Sandra Maischberger, Günther Jauch, Anne Will und Frank Beckmann genau unter die Lupe genommen und übt harte Kritik.

In einem vertraulichen Papier, das an die Gremien der Sender gerichtet ist und wenig überraschend von der ARD-kritischen "Bild“-Zeitung aufgepickt wird, beklagt der Ausschuss „Defizite“ – und zwar bei allen fünf TV-Gastgebern. Die seit einigen Jahren als "Gremlins“ bezeichneten Wächter über die Arbeit der Landesrundfunkanstalten reiben sich vor allem an der Themen- und Gästeauswahl bei "allen ARD-Talkformaten“. Auch die Nachrichtenagentur "dpa" zitiert aus der Tischvorlage für die NDR-Rundfunkratssitzung vom 25. Mai. Der Hamburger ARD-Sender verantwortet die Talks "Günther Jauch", "Anne Will" sowie "Beckmann".

Auffallend: Dem Programmausschuss stößt das Produktionsgebahren auf. Die fünf Talkmaster verdienen zusätzlich mit ihren eigenen Firmen an der Produktion der Sendung. Das Papier, das "Bild“ auch abdruckt, schlägt nun vor, man müsse "kritisch danach fragen, ob es sinnvoll ist, die Produktion von Talksendungen externen Gesellschaften zu überlassen, statt sie ARD-intern zu produzieren und damit auf die eigenen Kompetenzen und Fachredaktionen zurückzugreifen“.

Dem voraus geht ein Liste an Vorschlägen, wie die Talks besser werden könnten (an Quotenmangel leiden sie indes nicht). So schlägt der Ausschuss vor, nicht nur prominente Gäste einzuladen, "sondern auch Gäste, die über Fachwissen verfügen“. Das Gremium ermahnt die Talkmaster, "auf bloße Effekthascherei“ zu verzichten. Außerdem müssten die Stärken der Moderatoren "deutlicher zur Geltung“ kommen. Der Programmausschuss ist für die Qualitätsbeobachtung zuständig.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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