ProSiebenSat.1 Bilanz :
TV-Geschäft deutlich weniger stark als Digitales

Beim Medienkonzern ProSiebenSat.1 steigt der Umsatz im dritten Quartal - aber das Fernsehgeschäft läuft eher durchwachsen.

Text: W&V Redaktion

E-Commerce geht gut - der Werbemarkt aber entwickelt sich nicht so gut, wie ProSiebenSat.1 es sich wünscht.
E-Commerce geht gut - der Werbemarkt aber entwickelt sich nicht so gut, wie ProSiebenSat.1 es sich wünscht.

Beim Medienkonzern ProSiebenSat.1 steigt der Umsatz im dritten Quartal - aber das Fernsehgeschäft läuft eher durchwachsen. Im vergangenen Quartal profitierte der Konzern vor allem von einem starken Wachstum im Internet, während der Kernbereich Fernsehen nur leicht zulegte. Konzernweit stiegen die Erlöse aber um solide 15 Prozent auf 857 Millionen Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebidta) legte um 13 Prozent auf 202 Millionen Euro zu.

Das Geschäft mit Werbeeinnahmen im TV-Bereich war im dritten Quartal nicht so gut gelaufen wie erhofft. Trotzdem erhöhte der Münchner Fernsehriese seine Umsatzprognose für das laufende Jahr. Die Lage habe sich auch ohne die Großereignisse wie Fußball-EM und Olympische Spiele zuletzt kaum gebessert, verkündete Konzernchef Thomas Ebeling. Das vierte Quartal sei mit Blick auf die TV-Werbung bisher eher durchwachsen gestartet, hatte er bereits Mitte Oktober gesagt. 

Für den deutschen Netto-TV-Werbemarkt rechnet der Konzern im Gesamtjahr mit einem Wachstum von etwas über zwei Prozent (zu Jahresbeginn 2016: zwei bis drei Prozent). Das Wachstum der TV-Werbeerlöse von ProSiebenSat.1 wird voraussichtlich leicht unter dem Marktwachstum liegen. Von der Fernsehwerbung hängt trotz aller Akquisitionen im Digitalbereich und dem Ausbau der Sparten außerhalb des klassischen TV-Geschäfts immer noch viel ab.

Fast die Hälfte der Umsätze nicht aus der Fernsehwerbung

Der Konzern meldet das E-Commerce-Portfolio aber als wichtigsten Wachstumstreiber. Dynamisch habe sich auch das Produktionsnetzwerk Red Arrow Entertainment entwickelt. In beiden Geschäftsbereichen beschleunigten erfolgreiche Akquisitionen das Wachstum.

Vorstandschef Ebeling: "Wir machen mit der Transformation unseres Unternehmens von einem TV-Haus zu einem digitalen Player sehr gute Fortschritte. In den ersten neun Monaten haben wir bereits 46 Prozent unserer Erlöse außerhalb des klassischen TV-Werbegeschäfts realisiert. Diese Entwicklung treiben wir konsequent voran. Mit dem starken TV-Geschäft als Basis und den digitalen Entertainment-, Commerce- und Produktionsaktivitäten als Wachstumstreibern, sind wir gut aufgestellt, um unsere Ziele zu erreichen. 2018 wollen wir mit unserem Digitalgeschäft bereits 1,7 Mrd Euro Umsatz erzielen." 2015 hatte das Unternehmen operativ 925,5 Millionen Euro verdient.

Online-Unterhaltung: läuft

Zum Digitalgeschäft von ProSiebenSat.1 gehören unter anderem die Reiseplattform Etraveli, der Youtube-Vermarkter CDS, die Online-Partnervermittlung Parship und das Verbraucherportal Verivox. Im laufenden Jahr soll der Erlös um mindestens 15 Prozent zulegen. Bislang hatte das Unternehmen mit einem Plus von mindestens zehn Prozent gerechnet. Laut der erhöhten Wachstumsprognose dürfte der Umsatz im laufenden Jahr auf rund 3,8 Milliarden Euro steigen. Dank der Zukäufe im Digitalbereich geht Ebeling bis 2018 von weiteren kräftigen Zuwächsen aus. Er kalkuliert jetzt mit einem Umsatz von 4,5 Milliarden Euro und damit 300 Millionen Euro mehr als bisher. Experten hatten mit einer Anhebung in dieser Größenordnung gerechnet.

Einen Schub gibt auch das Multi-Channel-Network Studio 71 als stärkster Umsatzwachstumstreiber im Segment Digital Entertainment. Insbesondere das Ad-Video-on-Demand-Geschäft mit Studio 71 und dem Ad-Tech-Bereich trieben das Wachstum. Das Online-Video-Portal Maxdome, für das der Konzern heute eine mehrjährige Vertragsverlängerung mit Unitymedia bekannt gibt, entwickelt sich weiter positiv.  (sh/mit dpa)


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