Was können die Medien besser machen?

"Es geht darum, dass alle verstehen, dass Pressefreiheit mühevoll und auch nicht wertlos ist im Hinblick auf den Beitrag zur Demokratie. Wir müssen viel mehr erklären - auch die EU. Vor allem müssen die Zeitungen aber nah am Menschen sein. Egal, welchen Hintergrund ein Journalist hat, er muss in die verschiedenen Milieus eintauchen. Er muss stärker rausgehen - auch mental aus dem eigenen Umfeld, nicht nur körperlich. Ganz schwierig sind für mich etwa diese Talkrunden bei ARD und ZDF, wo immer dieselben Leute auftreten."

Auf EU- und Bundesebene beklagen Sie seit langem jede Menge Hindernisse für die Zeitungsverlage. Sind Erleichterungen in Sicht?

"Wir kämpfen noch immer darum, dass für über das Internet vertriebene Zeitungsinhalte derselbe reduzierte Mehrwertsteuersatz zu zahlen ist wie für das gedruckte Exemplar - und zwar sieben statt 19 Prozent. Der Gesetzgeber ist auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel. Es ist unverändert eine Blockade in der digitalen Entwicklung der Verlagsunternehmen. Es wird wohl aber immer noch zwei Jahre dauern. Es gibt aber Hoffnungen, dass uns das hilft, Produkte leichter auf den Markt zu bringen. Wir verlieren nur wahnsinnig viel Zeit. Die Märkte und die Digitalisierung nehmen auf uns keine Rücksicht."

Welche Hoffnungen setzen Sie noch auf das Kartellverfahren der EU gegen den Internetkonzern Google und auf ein mögliches Leistungsschutzrecht für die Verlage?

"In dem Verfahren scheint momentan etwas Ruhe eingekehrt zu sein. Hinter den Kulissen betreibt Google eine intensive Lobbyarbeit. Dabei wird auch versucht, die Verlage zu spalten. Wir erwarten von der EU-Kommission, das Kartellverfahren stärker voranzutreiben. Die Verlage brauchen ein eigenes Urheberrecht an den Inhalten ihrer digitalen Ausgaben, um sich gegen die Marktmacht von Google wehren zu können. Für die kommerzielle Nutzung von Musik und Filmen gibt es diese Rechte schon, aber noch nicht für uns Verleger. Für die kommerzielle Nutzung von Zeitungsinhalten im Internet haben wir von dem Suchmaschinen-Monopolisten Google noch keinen einzigen Cent erhalten. Das darf kein Zukunftsmodell sein."

Interview: Ulf Mauder, dpa


Autor:

W&V Redaktion
W&V Redaktion

Nicht alle W&V-Artikel erscheinen unter dem Namen eines einzelnen Autors. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Artikel mit „W&V-Redaktion“ gekennzeichnet sind. Zum Beispiel, wenn mehrere Autoren daran mitgearbeitet haben oder wenn es sich um einen rein nachrichtlichen Text ohne zusätzliche Informationen handelt. Wie auch immer: Die redaktionellen Standards von W&V gelten für jeden einzelnen Artikel.