ProSiebenSat.1 :
Unterbrecherfußball von Sky bewegt die Werbeblöcke nicht

Keine Ausschläge bei den Werbeinselreichweiten außer bei Sport1 - trotz Live-Champions-League-Spot von Sky. Indes kloppen sich Kreative um die Idee...

Text: Petra Schwegler

- 8 Kommentare

Lieber wie gewohnt Chips und ein kaltes Bier holen als Werbung im TV gucken: Wer denkt, der erste Live-Fußball-Spot von Sky in den Werbeblöcken von ProSieben, Kabel eins, Sat.1 und Sport1 hätte die Werbeinselreichweiten vor allem der großen Sender beflügelt, der täuscht sich. Der erste "Unterbrecherfußball" lässt Zuschauer und Werbeblöcke bei reichweitenstraken Privaten kalt. Nichts Nennenswertes im Vergleich zu den Vorwochen habe sich geändert, heißt es bei einer Anfrage beim ProSiebenSat.1-Vermarkter SevenOne Media, der für die drei erstgenannten Privatsender steht. Das Thema hat vielmehr im Social Web die Gemüter bewegt. Anders bei Sport1: Inzwischen liegt eine Sonderauswertung von Sky vor, wonach den "Mobilat Fantalk" beim Sportsender im Durchschnitt 0,37 Millionen Zuschauer ab drei Jahren verfolgt haben, währen die beiden Live-Spots um 21.15 und 22.15 sahen 0,50 beziehungsweise 0,45 Millionen Zuschauer zählten.

Alles in allem verbucht Sky die Spot-Idee als Erfolg; das eigentliche Ziel, mit dieser innovativen Werbung die Exklusivität von Sky deutlich zu machen, sei gemessen an der positiven Resonanz und der Anzahl der erreichten Menschen erreicht. Insgesamt sechs Mal während des Champions-League-Spiels FC Arsenal gegen den FC Bayern München hat Sky jeweils 40 Sekunden Live-Content im Free-TV ausgestrahlt. Bei ProSieben zeige der Ausschnitt eine der spannendsten Szenen des Spiels, so Sky. Denn: In genau diesen 40 Sekunden erzielte Lukas Podolski für den FC Arsenal den Anschlusstreffer zum zwischenzeitlichen 1:2. Diesen Werbeblock sahen im Schnitt 1,42 Millionen Zuschauer ab drei Jahren. Laut Ivo Hoevel, Senior Vice President Marketing bei Sky, hätte die Aktion "nicht besser laufen können, wir sind von der Aufmerksamkeit und der positiven Resonanz begeistert und konnten mit dieser innovativen Werbung die Exklusivität von Sky deutlich machen". Dass Sky ein Tor in einem der Live-Werbespots zeigen konnte, sei für das Unternehmen "die Krönung". Hinzu kommt: Sky feiert mit insgesamt 1,17 Millionen Zuschauern beim Sieg der Bayern gegen Arsenal einen neuen Reichweitenrekord.

Auch wenn der Live-Fußball in den Werbepausen die Zuschauer eher kalt lässt – die Diskussion um den Spot verläuft eher hitzig. Beim Branchenblatt "Horizont" hatten sich nach der Ankündigung der Werbeaktion offenbar die früheren Sky-Agenturen DDB und VCCP gemeldet und den Vorwurf in den Raum gestellt, bei der von Serviceplan entwickelten Spot-Neuheit handele es sich um einen Ideenklau; mitnichten sei von einer "Weltpremiere" zu sprechen, die Sky ausgerufen hat. Darauf reagiert am Mittwoch Mathias Harbeck vehement, Geschäftsführer Serviceplan Campaign: "Wir haben die Idee für den ersten Live-Fußball-TV-Spot selbst ausgedacht, ohne jegliche Kenntnis davon, dass irgendjemand anderes sie schon gehabt haben könnte. Diese Idee haben wir dem Kunden Ende letzten Jahres präsentiert. Laut Marketingteam von Sky hatte man von dieser Idee noch nie gehört und war davon sofort begeistert." Übrigens: DDB rudert indes bei "Horizont" zurück. Und seit 2008, als diese Idee erstmals präsentiert worden sein soll, hat das Marketing bei Sky einen massiven Personalwechsel durchlebt...


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



8 Kommentare

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Anonymous User 21. Februar 2013

@Thomas Funk Danke für den Hinweis. Leider kamen hier gestern diverse Hinweise von Lesern via Mail, dass wir die Debatte aufgreifen sollten - samt Link zu Horizont.
@ Elke S. Diese Idee, nach den Werbeinselreichweiten zu fragen, fußt auf wiederholten Anfragen von Lesern aus den vergangenen Jahren, ob denn besondere Spots auch Auswirkungen auf Marktanteile im Werbeblock haben könnten.

Anonymous User 20. Februar 2013

Den Kommentaren von Adrian von Flo kann man nur zustimmen - die Erwartung/Annahme, dass die Spots die Werbeinselreichweite erhöhen würden, ist jenseits von Gut und Böse.

Dazu kommt noch: die Reichweite des Werbeblocks ist doch ganz und gar nicht Gradmesser für die Zielerreichung der Aktion - es war absolut nicht Aufgabe der Spots, die Werbeblockreichweite zu steigern. Passenderer KPI dürfte hier wohl eher die Abschlussrate für das entsprechende Sky-Paket sein oder zumndest Infozugriffe zum Paket auf sky.de.

Wäre die Werbeinselreichweite gestiegen, aber der Sales-Effekt gleich Null, wäre die Aktion hier dann als mega-erfolgreiche Idee gefeiert worden?

Anonymous User 20. Februar 2013

Wie soll den ein Spot die Reichweite der Insel erhöhen? Dafür hätte der Zuschauer ja wissen müssen, dass der Spot kommt bevor er aufs Klo geht - ergo hätten Spots für den Spot geschaltet werden müssen.

Die W&V mag zwar ein wahnsinnig wichtiges Mitteilungsmagazin einer Branche sein, die zusammen genommen mindestens so groß ist wie ein kleiner Bruchteil des Bäckerhandwerks - aber trotzdem würde ich nicht damit rechnen dass die Dreiunddrölfzig Leser die es mitbekommen haben sich auf die Reichweite von Werbeinseln auswirken.

Anonymous User 20. Februar 2013

Frau Schwegler,
DDB Tribal ist entgegen ihrer Behauptung überhaupt nicht zurückgerudert, denn es gab nichts zu rudern. Niemand von DDB Tribal hatte sich je über angeblichen Ideenklau beschwert. Das haben auch die Kollegen von Horizont eingestehen müssen. Und so kam es zu deren Berichtigung.
Umso überflüssiger, dass Sie einfach auf einen fremden Zug aufspringen.

Anonymous User 20. Februar 2013

Und wie zur Hölle hätts bitte die Reichweite erhöhen sollen? Wurds angekündigt? Wenn ja: Wo?
Und, verzeihung, mit welcher Über- Erwartung gehen manche da dran? Denken die Strategen der Konsument tickt so "Hey, geil 30 Sekunden CL, lasst uns vorm TV Versammeln und auf die Schnippsel warten, während wir auf andren Sendern zu der Zeit keinen Werbemüll haben oder zusammen in ner Kneipe uns das Spiel anschauen"
Sorry, aber wer am Spiel interessiert ist schauts schon selbst, bei Freunden oder in der Kneipe auf Sky, die dies nicht interessiert schauen ihre Serien - und muten beizeiten die Werbung.

Anonymous User 20. Februar 2013

Meinung zur "Ideenklau"-Diskussion:
die Idee ist rein technisch als kreativ.
Ich dachte auch schon vor 10 Jahren, dass ein "Online-Video-On-Demand-Service" praktisch wäre und unterstelle Apple nicht, meine Idee "gekupfert" zu haben. Hat Richard Brandson die Inspiration zum Weltraum-Tourismus von Stanley Kubrick geklaut? Die überhitzte Debatte kann ich daher nicht nachvollziehen und nur mit "Ts-ts" beantworten.

Anonymous User 20. Februar 2013

Danke für den Hinweis. Bei Twitter und im Social Web hat das Thema durchaus bewegt, nur leider an den REICHWEITEN der Werbeinseln nicht gedreht - ergo nicht mehr ZUSCHAUER im Werbeblock generiert.

Anonymous User 20. Februar 2013

"Der erste "Unterbrecherfußball" lässt Zuschauer und Werbeblöcke kalt."

Ich empfehle dem Verfasser eine kurze Twitter-Recherche zum Thema (kann man das von einem Journalisten erwarten?). Er wird den ersten Teil seiner Aussage revidieren müssen.

Diese einseitige Berichterstattung nervt...

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