Analyse nach den Bilanzzahlen :
Was wirklich hinter dem Rutsch der ProSiebenSat.1-Aktie steckt

Schuld ist das TV-Geschäft: Die ProSiebenSat.1 Aktie rutscht, doch die Analysten bleiben gelassen. Sie setzen die Aktie weiter auf Buy.

Text: Lisa Priller-Gebhardt

ProSiebenSat.1-Konzernchef Thomas Ebeling hat die Prognose fürs TV-Geschäft korrigiert.
ProSiebenSat.1-Konzernchef Thomas Ebeling hat die Prognose fürs TV-Geschäft korrigiert.

Die Wirtschaftspresse geht mit dem Konzern ProSiebenSat.1 hart ins Gericht. Die "SZ" beispielsweise findet für den Rutsch der Aktie harte Worte: "Nach einem trüben Ausblick für den Werbemarkt in Deutschland warfen die Anleger die Aktien von ProSiebenSat.1 in hohem Bogen aus ihren Depots", so die Tageszeitung in einer Bewertung am Freitag. Die Titel brachen in der vergangenen Woche in der Spitze um 7,1 Prozent ein und waren laut SZ "damit die größten Verlierer" im Dax.

Wofür der Konzern abgestraft wurde, ist die Entwicklung im TV-Geschäft. Dort machen die Werbeumsätze den Anlegern Sorge. Nachdem das erste Halbjahr wahrscheinlich schwächer ausfallen wird als erwartet, rechnet ProSiebenSat.1 mit einem niedrigen Wachstum von 1,5 bis 2,5 Prozent. Erwartet waren zunächst 2 bis 3 Prozent.

Diese Kurskorrektur sorgte in dieser Woche für Wirbel - und ProSiebenSat.1 bekam den Fluch der Börse zu spüren. Alleine die Annahme, dass es nicht ganz so gut läuft, wie erwartet, schreckt die Anleger ab.

Es liegt nicht allein am Werbemarkt

Diese Entwicklung hat jedoch einen Hintergrund. Sonia Rabussier, Analystin bei der Commerzbank in Frankfurt sieht den Kursfall in einem größeren Zusammenhang: "„Die Börse ist ein wenig verunsichert, das hat mehrere Gründe. Zum einen hat Thomas Ebeling die Aussichten leicht heruntergefahren. Dazu kamen in letzter Zeit große Managementwechsel. Außerdem hat Ebeling mit der halbe Milliarde Euro, die er im vergangenen Jahr eingesammelt hat, noch keine Käufe getätigt. Das alles sorgt für eine gewisse Nervosität", sagt die Commerzbank-Analystin auf Anfrage von W&V online.

Aktuell fehle ein echter Katalysator. "Möglicherweise wird sich der Kurs erst dann wieder richtig erholen, wenn ein Käufer für die Reiseaktivitäten gefunden ist, der genügend Geld auf den Tisch legt." Ihre Empfehlung ist unterdessen weiterhin "Buy" für ProSiebenSat.1-Aktie.

Entspannte Analysten

Auch andere Analysten sehen den aktuellen Kursrutsch offenbar gelassen. Der Experte Pierre Gröning von Hauck & Aufhäuser setzt laut dpa das Kursziel bei 45 Euro - und rät weiter zum Kauf der Papiere. Seiner Einschätzung nach sind die veröffentlichten Zahlen zum ersten Quartal solide. Auch er bewertete den moderaten Start ins Jahr in Bezug auf die TV-Werbung nicht als übermäßig negativ.

Sogar Konzernchef Ebeling, der seinen bis 2019 laufenden Vertrag, nicht verlängern will, dürfte die Entwicklung gelassen sehen. In seiner Amtszeit hat sich die Aktie vom Pennystock zu einem wichtigen Papier entwickelt. Der Börsenwert liegt bei rund neun Milliarden Euro.

Immerhin läuft das Digitalgeschäft richtig gut. Der Konzernchef hat früh Maßnahmen ergriffen, sich vom klassischen Fernsehgeschäft ein Stück weit unabhängig zu machen. Er erweiterte beispielsweise das Angebot des TV-Riesen erfolgreich um eine ganze Reihe von E-Commerce-Angeboten. Er führte das Modell Media-for-Equity ein. Der Konzern beteiligte sich an einer Reihe jungen Web-Unternehmen. Im Gegenzug gab es Medienleistungen aus dem Senderportfolio. Zudem kaufte P7S1 auch diverse größere Internet-Unternehmen zu.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass ProSiebenSat.1 gerade im Bereich Digital Ventures & Commerce gut abschneidet. Es stand ein Erlösplus von 53 Prozent zu Buche. Alleine der Bereich Content Production und Global Sales steigerte die Erlöse um 24 Prozent.

Immerhin: Die Aktionäre der Münchner AG haben am Freitag die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 1,90 Euro je dividendenberechtigter Aktie für das Geschäftsjahr 2016 beschlossen. Das sind 10 Cent mehr als im Vorjahr.


Autor:

Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

schreibt als Autorin überwiegend für W&V. Im Zentrum ihrer Berichterstattung steht die geschwätzigste aller Branchen, die der Medien. Nach der Ausbildung an der Burda Journalistenschule schrieb sie zunächst für Bunte und das Jugendmagazin der SZ, Jetzt. Am liebsten sind ihr Geschichten der Marke „heiß und fettig“.