Wie 30.000 Mails den "Akte"-Macher Ulrich Meyer inspirieren

Seit 20 Jahren produziert und moderiert Ulrich Meyer für Sat.1 - und ist damit eine der wenigen Konstanten im Programm. W&V-Online-Redakteurin Petra Schwegler hat beim Mann hinter "Akte" nach weiteren Plänen gefragt. Fest steht: Meyer wird nicht singen!

Text: Petra Schwegler

24. Apr. 2012

Seit 20 Jahren produziert und moderiert Ulrich Meyer für Sat.1 - und ist damit eine der wenigen Konstanten im Programm. W&V Online will im Interview mit dem 56-jährigen Macher des wöchentlichen Magazins "Akte" wissen, welche Pläne Meyer als Produzent hat. Klar wird auch: Ulrich Meyer lässt sich von E-Mail-Fluten nicht erschüttern, sondern inspirieren...

Herr Meyer, seit 1992 wirken Sie im Programm von Sat.1 – und haben seither viele Senderchefs kommen und gehen sehen. An Sie als nahezu einzige "Konstante" die Frage: Welche Zeit war die beste?

Die vergleichsweise einfachste war sicher die ganz am Anfang: Da war scheinbar die Welt noch sortiert, in öffentlich-rechtliche und private, in RTL und Sat.1. Und es gab einen einzigen Branchen-erfahrenen Geldgeber. Da hat sich sehr viel verändert. Vor allem gibt es sehr viel mehr Attraktionen und Ablenkungen für den Zuschauer. Und unter den Senderchefs ist immer der der bestgelittene, der für seine Zuschauer dauerhaft auch journalistische Arbeit haben will.

Die "Akte" ist seit 17 Jahren im Programm von Sat.1, das sich derzeit einmal mehr im Umbau befindet. Wie sicher ist diese Meta-Produktion?

Das Wort "sicher" streichen Sie an Ihrem ersten Arbeitstag als Fernsehproduzent aus Ihrem Wortschatz. Wir haben in all den Jahren immer nur Jahresverträge bekommen – aber immerhin! Und wir empfinden uns mit der "Akte" als so dicht dran am Zuschauer wie keine andere Sat.1-Sendung. Daraus dürfen Sie dann schon wieder so etwas wie "Sicherheit" für sich und Ihre Zuschauer ableiten.

Sie haben sich um die Drittsendezeiten bei Sat.1 beworben – bisher ohne Erfolg. Welche Formate hätten Sie denn generell noch im Köcher?

Bei den Drittsendelizenzen werden die Karten der Genehmigungsbehörden ja gerade noch einmal ganz neu gemischt. Ich bin da nach wie vor sehr guter Dinge. Wir stecken schon so lange im Bewährungsaufstieg, dass Meta eines baldigen Tages einfach dran sein muss! Ansonsten: Allein von der "Akte" haben wir im Lauf der Jahre ein halbes Dutzend brand extensions entwickelt und bei Sat.1 auf die Antenne gebracht. Nur so viel zu unserer Kreativität und zum Wagemut des Senders!

Die Sat.1-Mutter ProSiebenSat.1 macht inzwischen viel mehr als TV – wo findet sich der Produzent Ulrich Meyer wieder?

Sie wollen mich doch nicht singen hören, hoffe ich?! Im Ernst: Wir arbeiten gerade heftig und mit Unterstützung unseres Senders an der Weiterentwicklung unserer Internetseite akte.net zum Internetportal. Schließlich bekommen wir pro Jahr etwa 30.000 Mails von Zuschauern, die uns um Rat und Hilfe angehen. Daraus müssen und können wir einfach noch viel mehr machen, weil wir allein im Fernsehen stets nur einer überschaubaren Zahl an Schutzbefohlenen konkret helfen können.

Mit Ihrer Meta productions und dem 90-Prozent-Gesellschafter Endemol fahren Sie mehrgleisig. Wo geht die Fahrt hin?

Wir bleiben sicher die Infotainment-Guys der deutschen Endemol. Aber das lässt sich noch viel weiter ausbauen! Wir tragen gerade unsere Reportagekompetenz bis hinein ins Herz der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Und wir gehen deutlich mehr und andere Genres an - die darf man aber immer noch zur journalistischen Art der Gegenwartsbetrachtung zählen …

Sie haben seit knapp zwei Jahren Ollie Weiberg als Co-Geschäftsführer an Ihrer Seite. Was hat sich seither an Ihrem Job geändert?

Seit Anfang dieses Jahres muss er den Geschäftsführer-Job sogar ganz alleine machen! Und damit auch die ganze interne Organisations- und Finanz-Arbeit, die meinem Journalistenherzen nie so ganz nah gelegen hat. Ich konzentriere mich auf das, was mir immer noch am meisten Spaß macht: auf die journalistische Arbeit, insbesondere den Feinschliff vor der Ausstrahlung.

Ulrich Meyer im Spiegel der Zeit - lassen Sie 20 Jahre Revue passieren mit der Bildergalerie...


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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