Wie dapd der dpa die Stirn bietet

Im Streit um einen Auftrag des Auswärtigen Amts hat die dpa die internationale Berichterstattung des Konkurrenten dapd öffentlich angezweifelt. Jetzt will dapd das internationale Engagement ausbauen - und installiert einen eigenen Korrespondent in Washington.

Text: Julia Kloft

27. Mar. 2012

Die Nachrichtenagentur dapd rüstet weiter auf. Während Konkurrent dpa sich an der Ähnlichkeit des Namens stört und angeblich mit rechtlichen Schritten droht, prescht dapd mit einer neuen prominenten Personalie vor: Johann Legner, früherer Pressesprecher von Joachim Gauck, berichtet von Mai an als Nordamerika-Korrespondent aus Washington für die Berliner.

Derzeit ist Legner Chefkorrespondent der "Lausitzer Rundschau", für die er seit zwölf Jahren tätig ist - anfangs als stellvertretender Chefredakteur. Von 1996 bis 2000 war der 57-Jährige Pressesprecher des heutigen Bundespräsident Gauck, als dieser Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen war. Auch als Gauck 2010 das erste Mal als Bundespräsident kandidierte, sprach Legner für ihn.

dapd-Geschäftsführer und Chefredakteur Cord Dreyer lobt Legner, der zudem für den US-Fernsehsender CNN in Atlanta gearbeitet hat, als "ausgewiesenen Kenner der amerikanischen Politik und Gesellschaft". Für verschiedene Zeitungen hat er außerdem von den Präsidentschaftswahlkämpfen 2004 und 2008 berichtet und für die Johns Hopkins University in Baltimore wissenschaftliche Publikationen herausgegeben.

Bislang bezieht dapd die internationale Berichterstattung von der US-Agentur Associated Press (AP). Aus der deutschen AP-Tochter und dem Deutschen Depenschen-Dienst (ddp) ist dapd 2010 hervorgegangen. Die dpa hatte zuletzt die Qualität der internationalen Berichterstattung von dapd angezweifelt und darauf verwiesen, diese erfolge größtenteils durch das Übersetzen von AP-Texten. Mit einem eigenen Korrespondenten in der US-Hauptstadt will dapd nun ihr "wachsendes internationales Engagement" unterstreichen. "Unsere dapd-Korrespondenten werden weltweit das AP-Angebot gezielt ergänzen", sagt Cord Dreyer, der das Angebot für seine Kunden "stetig ausbauen und verbessern" will.


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