World Wrestling Entertainment :
Wie Tim Wieses Debüt das Wrestling voranbringen soll

Am 3. November wird Tim Wiese erstmals in den Ring steigen. Der Ex-Nationalspieler ist das neue Zugpferd von World Wrestling Entertainment (WWE) in Deutschland. W&V sprach im Vorfeld von Wieses Premierenkampf mit den WWE-Managern Stefan Kastenmüller und Ed Wells.

Text: Leif Pellikan

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Ex-Torhüter Tim Wiese startet als Wrestler eine zweite Sportkarriere.
Ex-Torhüter Tim Wiese startet als Wrestler eine zweite Sportkarriere.

Am 3. November wird Tim Wiese erstmals in den Ring steigen. Der Ex-Nationalspieler, der bei Hoffenheim und Werder Bremen im Tor stand, ist damit auch das neue Zugpferd von World Wrestling Entertainment (WWE) in Deutschland. Der 34-Jährige Muskelberg kämpft an der Seite der Star-Wrestler Cesaro und Sheamus gegen das WWE-Tag-Team "The Shining Stars". Damit hat der deutsche WWE-Chef Stefan Kastenmüller nun endlich auch einen Star aus dem eigenen Land.

Aber auch ohne einen Lokalhelden hat die WWE viele deutsche Fans, das Publikum auf ProSieben Maxx und Tele 5 ist stetig gewachsen. "Allein auf ProSieben Maxx verfolgen die Shows inzwischen regelmäßig um die 400.000 Zuschauer", sagt Kastenmüller. Hinzu kommen vier Live-Events in Deutschland. Insofern kann Ed Wells, der das internationale Business der WWE verantwortet, nicht klagen. W&V sprach im Vorfeld von Wieses Premierenkampf in München mit den WWE-Managern Kastenmüller und Ed Wells.

Ed Wells vom WWE.

Ed Wells vom WWE.

Herr Wells, Tim Wiese ist nun endlich im Ring zu sehen. Wird das der WWE in Deutschland einen richtigen Schub geben?

Wells: Sicher gibt es einen großen Hype um Tim Wieses Debüt in München. Er hat schon in den letzten Monaten viel für die Marke WWE getan. Aber die Entwicklungen um ihn herum sind relativ neu. Die Marke WWE bauen wir ja bereits seit drei Jahren gezielt auf, seit wir hier Stefan Kastenmüller und sein Team haben. Wir rechnen damit, dass sich Wieses Debut vor allem auf Menschen auswirkt, die WWE eher beiläufig oder noch gar nicht verfolgt haben.

Herr, Kastenmüller, Wrestling spricht ein spezielles Publikum an - das gilt auch für Werbepartner.

Kastenmüller: Wir gehen in eine neue Partnerschaft mit ProSieben, wonach unsere beiden Shows "Raw" und "Smackdown" ab April auf ProSieben Maxx gezeigt werden. Das eröffnet sicher neue Chancen, zumal die Werbepausen schon jetzt fast immer ausverkauft sind. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die Zuschauerzahlen konstant sind. Wir konnten nicht einmal unsere eigenen Promotion-Spots rund um die Show platzieren. Der neue TV-Deal wird uns also sicher helfen, Werbepartner für die Shows und für die vier Live-Events in Deutschland zu finden.

WWE setzt auf eine Multiplattform-Strategie - aber wie monetarisieren Clips auf Facebook oder Youtube?

Wells: Online skaliert über die Reichweite und über das Engagement der Fans. Nicht zuletzt dank der Social-Media-Mechaniken stiegen die Onlineabrufe der WWE-Videos in den ersten neuen Monaten dieses Jahres um 71 Prozent auf 11,5 Milliarden Abrufe. Wir sind der größte Sportkanal auf Youtube, der WWE-Star John Cena hat mehr Facebook-Fans als jeder andere US-Sportstar. Insgesamt addieren sich die Fanzahlen auf rund 700 Millionen Anhänger, die monatlich mehr als 100 Millionen Beiträge teilen oder liken. Diese Reichweiten können wir über Werbung auf unseren eigenen Angeboten monetarisieren. Aber wir haben auch Vereinbarungen für Sites, bei den wir und unsere Partner Werbung verkaufen. Wie gesagt, am Ende zählt im Web nur die Reichweite.

Die WWE setzt auch auf Pay-TV - in Deutschland ein schwieriges Geschäft.

Stefan Kastenmüller, WWE.

Stefan Kastenmüller, WWE.

Kastenmüller: Was Abos für das WWE-Network betrifft, ist Deutschland für uns einer der wichtigsten Märkte. Aber die Branche ist ganz offensichtlich in einer Übergangsphase, Verbraucher können aus einem bunten Strauß an Plattformen auswählen - von klassischen TV-Kanälen bis hin zu einem A-la-carte-Service. Unsere Strategie ist einfach: Wo immer Verbraucher Inhalte konsumieren, da wollen wir dabei sein. Wir müssen jedoch ständig neu bewerten, wo wir unsere Inhalte platzieren. Dazu gehören sämtliche Plattformen, von TV über Youtube und auch unser WWE Network. Und wir müssen Pay-per-View-Modelle genau so wie die kostenlose Distribution betrachten. Deshalb haben wir stark in das Thema Daten investiert, um alle Kanäle weltweit überwachen zu können. Das zahlt sich aus: Letztes Jahr schrieb die WWE Rekordumsätze, und wie es aussieht, liefen die vergangenen Monate noch besser.

Die Wrestling-Kämpfe folgen einem Drehbuch. Also müssen wir noch die Spoiler-Frage stellen: Verlässt Tim Wiese am Donnerstag den Ring als Sieger?

Kastenmüller: Glauben Sie mir: Ich weiß es nicht. Mit Shamus und dem Schweizer Cesaro ist Tim Teil eines guten Teams. Daher bin ich sicher, es wird eine großartige Show.

Die börsennotierte WWE kam in den erste neun Monaten dieses Jahres auf 534 Millionen Dollar Umsatz – ein Plus von acht Prozent. Vor allem der internationale Markt legte zu – in die Kassen kamen 14 Prozent mehr, in Summe 89 Millionen Dollar. In Deutschland zeigen ProSieben Maxx und Tele 5 die wöchentlichen Events der Raw- und die Smackdown-Serie. Ab April läuft die komplette WWE nur noch auf dem Sender von ProSiebenSat.1. Aber die Digitalisierung geht auch an der WWE nicht vorbei, die TV-Umsätze sinken. Dafür steigen die Einnahmen aus dem kostenpflichtigen Onlineservice deutlich. Das WWE Network liegt mit 137 Mio. Dollar Umsatz inzwischen fast schon auf Augenhöhe mit TV (173 Millionen).


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach. 



2 Kommentare

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Anonymous User 5. November 2016

Das Problem das die WWE hat ist das sie die Leute nicht halten können wird. Sicher gibt es immer Fans die gekommen sind um zu bleiben, aber unterm strich ist die inhaltliche qualität des Programmes zu schwach als das ein normaler Mensch 5 (RAW 3 Stunden, Smackdown 2 Stunden) bis 8 Stunden (3 Stunden PPV am Sontag) Stunden pro Woche investieren würde. So viel
Zeit wäre für mich selbst bei gutem Program schwierig. Aber wann immer ich mal wieder reinschaue merke ich schnell wieder warum ich aufgehört habe zuzuschauen... beeindruckend das die, mit fast 30 (kein scherz) Drehbuchautoren nichts sinnvolleres aufs Papier bringen.

Anonymous User 1. November 2016

Damit sind die 90er endgültig zurück. Mich freut es. ;)

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