Wo BDZV-Präsident Heinen die Aufgaben der Zeitungsmacher sieht

"Im Sinne unserer Leser müssen wir weiblicher, jünger und verständlicher werden", appelliert BDZV-Mann und Verleger Helmut Heinen an seine Kollegen - und blickt auf düstere Zahlen.

Text: Petra Schwegler

Auch wenn die Vorzeichen  nicht die besten sind: Der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen hebt weiter den Daumen für die Zeitungsbranche. Schon in den vergangenen zehn oder 20 Jahren hätten sich die gedruckten Tagesblätter gewandelt, sagt der 56-jährige der Verleger der "Kölnischen Rundschau" im "FAZ"-Interview: Sie seien bunter, leserfreundlicher und lokaler geworden. Um weiter Leser binden und finden zu können, mahnt Heinen: "Im Sinne unserer Leser müssen wir weiblicher, jünger und verständlicher werden."

Aber erst einmal zurück zu den negativen Vorzeichen. Heinen zählt die Überalterung des Mediums Tageszeitung auf:  "Es wird schwerer, jüngere Menschen als Käufer zu finden", räumt er im Interview ein. Bitter ist für die Branche, dass die Zeitungen "schmerzliche Einbußen" im Anzeigengeschäft hinnehmen müssten, "vor allem bei Großkunden". Das erste Halbjahr 2012 habe "unter ungünstigen Vorzeichen" gestanden. Dass die Branche der Baisse mit Servicethemen und Regionalbezug entgegenzuwirken versuche, reiche allein ni8cht aus, bedauert der Zeitungsmacher im Gespräch mit „FAZ“. Aber für das zweite Halbjahr sieht Heinen gar nicht mehr so Schwarz.

Obwohl Helmut Heinen kostenlosen Angeboten im Netz nicht die beste Perspektive einräumt, lässt sich der BDZV-Mann hier nicht entmutigen: "Es wird weiter in Richtung Bezahlinhalte gehen." Sein eigenes Beispiel: Die vor drei Monate gestartete Tablet-Ausgabe der "Kölnischen Rundschau" habe nur "einige Hundert digitale Abonnenten" gefunden. Dennoch gibt er sich optimistisch, weil es zumindest Geld für Online-Abos gebe.

Nach konkreten wirtschaftlichen Problemen bei "Frankfurter Rundschau", "Westfälischer Rundschau" und "Financial Times Deutschland" gefragt – letzterer gibt Blogger Thomas Knüwer nur noch bis Jahresende -, antwortet Heinen mit dem Blick auf "besondere Marktkonstellationen". Sie würden so manche Zeitung dauerhaft wirtschaftlich schlecht dastehen lassen. Aber: "Bislang haben sich aber immer Verlage gefunden, die hofften, das Blatt zum Besseren zu wenden, und die Zeitung gekauft haben", so Heinen. Eine wesentliche Rolle spiele bei Zeitungskäufen und Zusammenschlüssen die Möglichkeit, Synergien heben zu können.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.