Wo "Star-Wars"-Macher George Lucas über neue Jedis nachdenkt...

20 Quadratkilometer umfasst George Lucas' Terrain von Lucas Film - dort, wo "Star Wars" erschaffen wurden, "Star Wars: The Clone Wars" produziert werden, aber Fans keinen Zutritt haben. W&V-Kollege Sebastian Feuß durfte passieren. Ein Report vor Ort.

Eine kleine Einfahrt soll es sein. Mit einem Holztor und einer vierstelligen Hausnummer. Irgendwo im Nirgendwo in den Bergen nördlich von San Francisco. Nicasio soll ein Ort heißen, der in der Nähe liegt.

Bis jetzt aber nur: Berge, verbranntes Gras, ein paar Bäume und eine Straße, die an amerikanischen Verhältnissen gemessen, ihren Namen eigentlich gar nicht verdient, so eng sind die Kurven. Dann plötzlich: eine Einfahrt, ein Holztor, eine vierstellige Hausnummer. Der Name George Lucas steht nicht am Tor. Doch man ist richtig, es ist das Refugium des "Star-Wars"-Schöpfers, das sich hinter dem Tor auf einer Fläche von fast 20 Quadratkilometern erstreckt. Angeblich sind einige der Berge hier künstlich angelegt, um die für Normalsterbliche eigentlich unerreichbaren Sehnsuchtsorte aller Fans, die Big Rock Ranch und die sagenumwobene Skywalker Ranch mitsamt des Büros, der Bibliothek und der Sternwarte von George Lucas von der Außenwelt soweit abzuschirmen wie nur irgendwie möglich. Figuren und Charaktere wie der grüne Yoda wurden dort erschaffen, Drehbücher geschrieben. Auch die junge Computeranimationsserie "Star Wars: The Clone Wars" wird hier produziert.

"Für George ist 'Clone Wars' kein Nebenprodukt - für George ist es ein wichtiger Teil von 'Star Wars'“, erklärt der Produzent der Serie, Cary Silver, der einen hier auf der Big Rock Ranch in asiatischem Interieur empfängt. Die Serie bewegt sich inhaltlich zwischen den Kinofilmen "Star Wars: Episode II“ und "Episode III“. Erzählt wird der Verlauf der Klonkriege aus Sicht des Jedi-Ordens. Für Lucas Film beziehungsweise Lucasfilm Animation dürfte "Clone Wars" allein schon deshalb kein Nebenprodukt sein, da es dem Konzern auch darum gehen muss, wieder mehr junge Zuschauer für seine Geschichten zu begeistern. Auch Produzent Silver sieht das so - wenngleich er nicht lange braucht, um anzufügen, dass es natürlich genauso wichtig sei, die alten Fans zu begeistern.

Hierzulande zeigt Super RTL die vierte "Clone-Wars"-Staffel mit 22 Folgen ab Herbst in deutscher Erstausstrahlung. Mit den 66 Folgen der ersten drei Staffeln kam der Kölner Familiensender nach eigenen Angaben bereits auf durchschnittlich 3,3 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen – in der hartumkämpften Samstagabend-Primetime ein großer Erfolg für Super RTL. Die exklusive Kooperation mit Lucas Film ist jetzt ein wichtiger Deal für den Kindersender, der sich mehr und mehr zum Familiensender wandeln will.

Der Deal beinhaltet auch eine Option auf die fünfte Staffel, die gerade auf der Big Rock Ranch produziert wird. "Vom ersten Script bis zur Ausstrahlung dauert es ungefähr ein Jahr“, sagt Dave Filoni, Supervising Director der Serie. Filoni gilt als enger Vertrauter und rechte Hand von Lucas. Insgesamt arbeiten 96 Leute an den 22-minütigen Folgen. "George ist von Anfang an involviert, mischt sich aber nicht ständig ein“, erzählt Filoni. Er grinst ein breites Amerikaner-Grinsen unter seinem schwarzen Cowboy-Hut wie es amerikanischer nicht sein könnte: "Wenn ich George dann die fertigen Folgen zeige, wird es aber ernst für mich.“ Den Rest kann man sich dazudenken.

George, George, George. Sowohl Cary Silver als auch Dave Filoni können den Namen des Meisters, so scheint es, offenbar gar nicht oft genug in den Mund nehmen. So überschwänglich begeistert erzählen sie von der Zusammenarbeit mit Lucas, wie außergewöhnlich es ist, auf der Big Rock Ranch zu arbeiten. Wie privilegiert sie sind, dies tun zu dürfen. Wie sie selbst Fans waren. Wie wenig sie damit gerechnet haben, nach den Vorstellungsgesprächen George noch mal die Hand geben zu dürfen.

Der fast sektengleiche Personenkult ist auch spürbar, wenn einen Pressefrau Tracy über das Gelände fährt. Von der Big Rock Ranch hin zur weißen Skywalker Ranch an einem großen See, zum Tech Building, wo im Vorgarten Wein angebaut wird und Skywalker Sound Filme vertont, bis hin zum Gästehauskomplex, in dem die Zimmer nach Menschen benannt sind, die George inspiriert haben. Schätzungen zufolge hat das Anwesen mehr als 100 Millionen Dollar gekostet.

George Lucas selbst wohnt nicht auf der Skywalker Ranch, sagt Tracy. Sie selbst habe auch kaum mit ihm zu tun. Das ist auch deutlich zu spüren. Denn: Ja, der als so scheu geltende George Lucas ist tatsächlich an einem vorbei geschritten auf den Fluren der Big Rock Ranch. Das sei so selten, sagt Tracy und sieht selbst dabei sehr mitgenommen aus. Falls man ihn sieht, wurde einem im Vorfeld aufgetragen: Möglichst nicht hinsehen. George mag das nicht. Deshalb tut man so, als habe man den grau melierten, bärtigen kleinen Mann gar nicht bemerkt.

Und so verlässt man diesen stillen Ort in den Bergen Kaliforniens wieder. Fährt durch das Holztor hinaus auf die kleine Straße, schlängelt sich zurück in Richtung San Francisco und freut sich, wieder ins echte Leben zurückkehren zu dürfen.


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