Fußballrechte :
ZDF plant die Zeit nach der Champions League

Intendant Bellut richtet sich darauf ein, die Rechte für den europäischen Fußball-Klubwettbewerb nicht zu bekommen.

Text: W&V Redaktion

Die beiden hätten dann an Champions-League-Abenden ab 2018 keinen Dienst beim ZDF: Oliver Welke (l.), Experte Oliver Kahn.
Die beiden hätten dann an Champions-League-Abenden ab 2018 keinen Dienst beim ZDF: Oliver Welke (l.), Experte Oliver Kahn.

Der öffentlich-rechtliche Sender ZDF arbeitet bereits an Alternativen für den drohenden Ausfall der Übertragung von Spielen der Fußball-Champions-League. Das wäre das Aus für den Wettbewerb der besten europäischen Klubs im Free-TV. Einen Ausstieg aus dem Bieterwettstreit um die Rechte hatte das ZDF bereits Mitte Mai dementiert, aber: "Wir richten uns darauf ein, dass wir die Rechte nicht bekommen", sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut. "Wir müssen Programme haben, um sie ab Mitte nächsten Jahres auf den Plätzen, auf denen jetzt Fußball läuft, ausstrahlen zu können." 

Denn, so Bellut weiter, er könne "nicht bis zum Herbst, bis die Blätter fallen, warten, bis ich eine Antwort von der Uefa auf unser Angebot bekommen habe". Er schließe Überraschungen nicht aus, dass sich die Pay-TV-Anbieter zerstritten und das ZDF doch noch gefragt werde, darauf deute aber nichts hin. Der Medienkonzern Sky, der Fußballspiele im Abo-Sportpaket und On Demand verkauft, und die Streaming-Plattform Dazn seien gemeinsam bereit, den von der Uefa geforderten Betrag zu bezahlen. Laut "Bild" liege der für die Rechte der Saison 2018/19 bis 2020/21 bei 600 Millionen Euro.

Fiction und Doku statt Fußball-Königsklasse

Das ZDF würde auf den Sendeplätzen der Champions League dann vermehrt Fiction, das "Aktenzeichen "xy ("da wird es sicherlich eine Ausgabe mehr geben"), das "Auslandsjournal" und Dokumentationen zeigen. Der Intendant schloss auch nicht aus, Mittel zu sparen. "Es könnte ja sein, dass wir einfach weniger Bedarf anmelden."

Dass die Champions League dann von 2018 an voraussichtlich komplett im Pay-TV-Bereich zu sehen sein werde, sieht Bellut kritisch. "Die Verfügbarkeit an Publikum wird dadurch reduziert", sagte Bellut. Er wies in dem Zusammenhang auf die Einschaltquote von fast zehn Millionen Zuschauern für das Champions-League-Spiel Bayern München gegen Real Madrid im April hin. Das Finale - ohne deutsche Beteiligung - erreichte im ZDF 7,83 Millionen Zuschauer. Die Quote lag beim Sieg von Real Madrid gegen Juventus Turin damit bei stolzen 28,7 Prozent. 2014, als das Champions-League-Finale ein rein deutsches Spiel war - Bayern München gegen Borussia Dortmund (2:1) - kam das ZDF auf den sensationellen Wert von fast 22 Millionen Zuschauern. (W&V/dpa)


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