TV-Philosophie :
ZDF, "Precht" und Lobo fragen: Macht das Netz arbeitslos?

Digitale Arbeitswelt als "Dumping-Hölle": Richard David Precht befragt in seiner ZDF-Philosophiesendung Netz-Vordenker Sascha Lobo zu den Schattenseiten der Web-Revolution.

Text: Petra Schwegler

14. Oct. 2014 - 3 Kommentare

Der Philosoph Richard David Precht hat vor zwei Jahren die Kehrseiten der Omnipräsenz des Einzelnen auf Facebook thematisiert und wegen der "Pöbelkultur" den Daumen über dem sozialen Netzwerk gesenkt. Nun pickt er in seiner ZDF-Philosophiesendung "Precht" die Auswirkungen der digitalen Revolution auf den Arbeitsmarkt auf und stellt in der Ausgabe vom kommenden Sonntag ab Mitternacht die Frage: "Macht das Netz arbeitslos?" Oder schafft es vielleicht ganz neue Formen der Arbeit? Precht hat den Journalisten, Blogger und Buchautor Sascha Lobo zu Gast. Der Vordenker der digitalen Zukunft in Deutschland prophezeit: Der gegenwärtige Weg des digitalen Fortschritts führe in die "Dumping-Hölle". Der "Plattform-Kapitalismus" vernichte nicht nur Millionen von Arbeitsplätzen, um deutlich weniger neue zu schaffen, er verändere auch die Arbeitswelt derjenigen, die noch Arbeit finden. Deren Arbeitsverhältnisse dürften in Zukunft äußerst prekär werden.

Prechts Thesen zur Sendung: Traditionelle Dienstleistungsbereiche befinden sich auf dem Rückzug. Digitale Sensoren am Handgelenk ersetzen den Hausarzt, Posts in sozialen Netzwerken wird heute mehr vertraut als der Beratung durch den Fachverkäufer, Flüge und Hotels buchen wir nicht mehr im Reisebüro, sondern im Internet, und ein Computerprogramm ersetzt den Steuerberater. Amateure statt Profis, "hire and fire" statt Festanstellung, Schwarmintelligenz statt Fachkräfte: Die Zukunft der Arbeitswelt, so diagnostizieren Kritiker, werde aus einer Art digitalen Klassengesellschaft bestehen. Einige wenige beherrschten und bestückten die Computer, während die Mehrheit dem folge, was die Rechner ihnen vorschreiben.

"Weder die Politik noch die Gesellschaft können ein Interesse an dieser Entwicklung haben. Auch die Wirtschaft kann sich nicht wünschen, dass Massenarbeitslosigkeit, ein zusammenbrechender Binnenmarkt und schwindende Kaufkraft unser Land aushöhlen. Doch was kann man dagegen tun?", so die Fragestellung der nächsten "Precht"-Sendung – die auch darüber nachdenken will: "Fallen die Prognosen zur Zukunft unserer Arbeit zu düster aus?


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



3 Kommentare

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Anonymous User 15. Oktober 2014

Da wird vieles durcheinander geworfen. Richtig ist, dass sich die Jobs wandeln und gerade im geistig arbeitenden Umfeld viele Jobs verloren gehen oder mit Hobbyisten/Bloggern/Fans kompensiert werden. Die Folge: Die in den anderen Kommentaren beschriebenen Schwierigkeiten, Lohnverfall... Unfug ist aber, dass digitale Sensoren den Hausarzt ersetzen und Fachverkäufer durch das böse Internet verdrängt werden.... der Hausarzt wird vielmehr ergänzt um solche Gadgets, wenn sie denn überhaupt langfristig genutzt werden (ich kenne niemanden, der das längere Zeit tut) - und den Fachverkäufer, der Ahnung hatte, gab's schon lange nicht mehr in vielen Bereichen, er wurde immer weiter eingespart, da nicht zahlend gewürdigt. Und dass der Normalverdiener sich vor 20 Jahren einen Steuerberater geleistet hätte, glaube ich ebenso wenig. Er dilletierte mit Konz, Test-Heft und Lohnsteuerhilfeverein dahin. Nein, Herr Precht, da irren Sie!

Anonymous User 15. Oktober 2014

Na, dann sehen Sie sich mal die Medienlandschaft an - wie viele Jobs da schon verloren gegangen sind. Du wie dort heute die Gehaltsstruktur aussieht. von den freischaffenden wollen wir mal gar nicht reden. Und all diese Leute sind zum großen Teil hervorragend ausgebildet.
Da kann einem der Optimismus schon flöten gehen.

Anonymous User 14. Oktober 2014

Dass dadurch Jobs verloren gehen, glaube ich nicht - die Bereiche verändern sich eben. Allerdings führen viele Jobs in der Internetwelt zur unfassbaren Selbstausbeutung, besonders in der immer größer werdenden Gruppe der Selbstständigen. Man schaue sich mal hauptberufliche Youtuber an, die arbeiten teilweise 60 Stunden und mehr in der Woche. Das ist nicht übel, das ist übelst. Und dieser Trend wird sich - denke ich - fortsetzen. Leider.

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