Zu viel Zögern in Mainz? :
ZDF räumt nach Silvester-Vorfällen zu späte Berichterstattung ein

Das ZDF nennt es ein "Versäumnis", dass die "heute"-Sendung die Vorfälle am Montagabend nicht wenigstens gemeldet hat. Erst am Dienstag berichtete das Zweite über Köln.

Text: Petra Schwegler

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Das ZDF hat eine zu zögerliche Berichterstattung über die massiven Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln eingeräumt. ”Die Nachrichtenlage war klar genug. Es war ein Versäumnis, dass die 19-Uhr-‚heute‘-Sendung die Vorfälle nicht wenigstens gemeldet hat“, schreibt der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen in einem auf der Facebook-Seite der ”heute“-Sendung veröffentlichten Statement. Theveßen meinte damit die 19-Uhr-Ausgabe vom Montag.

Die Redaktion habe entschieden, den Beitrag auf den Tag des Krisentreffens am Dienstag zu verschieben, um noch ergänzende Interviews zu führen. ”Dies war jedoch eine klare Fehleinschätzung", erklärte Theveßen.

Dem ZDF-Statement war massive Kritik aus dem Social Web und von den üblichen Beobachtern des öffentlich-rechtlichen Systems vorangegangen. Zumal die meisten großen Medien erst am Montag über die Vorfälle aus der Silvesternacht in Köln und Hamburg berichtet hatten. Das Zweite berichtete selbst dann noch nicht. Der Mainzer Sender lieferte erst am Dienstag Hintergründe – was sich für das ZDF durchaus lohnte: Das "Spezial" ab 19.20 Uhr sahen 5,13 Millionen Zuschauer (18,3 Prozent Gesamtmarktanteil), für die "heute"-Ausgabe zuvor kamen mit 5,09 Millionen so viele Gesamtzuschauer zusammen wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Wenige Stunden zuvor hatte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) Zeitungen und Sender in Schutz genommen und ihre Sorgfaltspflicht bei der Recherche und in der Berichterstattung hervorgehoben. Medien, die am Neujahrstag auf Basis von Augenzeugenberichten und Netzinformationen über das Geschehen am Abend zuvor in Köln berichtet hatten, wurden im Netz ebenfalls kritisiert.

Hintergrund: Vor dem Kölner Hauptbahnhof hatten nach Angaben der Polizei in der Silvesternacht kleinere Gruppen von Männern aus einer Menschenmenge heraus Frauen sexuell bedrängt und ausgeraubt. Dem Aussehen nach sollen sie aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum stammen.

Andere Abteilungen im ZDF halten sich übrigens mit einer Kommentierung der Lage weniger zurück:

Die Übergriffe der Kölner Silvesternacht haben es übrigens inzwischen in den USA auf die Titelseiten von ”New York Times“ und ”Wall Street Journal“ geschafft.

ps/dpa


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



3 Kommentare

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Anonymous User 7. Januar 2016

Wäre die Gewalt "anders herum" gewesen, hätte es SOFORT und einen RIESEN Medienaufriss gegeben. Natürlich neben dem immensen Polizeiaufgebot.
Ein unschönes Beispiel, wie weit es hier schon ist.
Und ganz gewiss war dies nur der Gipfel des Eisbergs.

Anonymous User 7. Januar 2016

Alles sehr merkwürdig und dubios. Allmählich frage ich mich, ob die Sprechchöre von "Lügenpresse" wirklich so an den Haaren herbei gezogen sind. An die Adresse von ZDF-Bellut und ZDF-Theveßen eine KLARE WARNUNG: Ich möchte weder eine Presse die mich manipuliert noch eine Presse, die amateurhaft wie eine Gurkentruppe arbeitet! Ich hoffe, das ist angekommen...

Anonymous User 6. Januar 2016

Es ist schon sehr auffällig das die Medien die Gewalt der Ausländer gegenüber der deutschen Bevölkerung verharmlosen, im umgekehrten Fall sie geradezu verteufeln.
Ich finde da wird mit zweierlei Maß gemessen.
Haben nicht alle Politiker geschworen "Zum wohle des deutschen Volkes".
Ich hoffe das die deutsche Bevölkerung im nächsten Jahr das richtige Kreuz auf dem Wahlzettel setzt.

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