"Aftenposten" soll Bild löschen :
Zeitung kritisiert Facebook: "Mark, du missbrauchst deine Macht"

Das berühmte Bild des vietnamesischen Mädchens, das vor einem Napalm-Angriff flieht, sollte "Aftenposten" von seiner Facebook-Seite löschen ...

Text: Petra Schwegler

Sauer auf Facebook: Espen Egil Hansen, Chefredakteur der norwegischen "Aftenposten".
Sauer auf Facebook: Espen Egil Hansen, Chefredakteur der norwegischen "Aftenposten".

"Hör zu, Mark, das ist ernst, ich finde, du missbrauchst deine Macht", schreibt Espen Egil Hansen, Chefredakteur des norwegischen Blatts "Aftenposten" in einem offenen Brief an Facebook-Boss Mark Zuckerberg. Der "Spiegel" berichtet darüber im Netz.

Stein des Anstoßes: Ein historisches Foto, das weltweit schon millionenfach publiziert wurde. Es zeigt das nackte Mädchen Kim Phuc, das vor einem Napalm-Angriff flieht. Die "Aftenposten"-Redaktion hatte das Foto auf ihrem Facebook-Account gepostet - und war wenige Stunden später vom sozialen Netzwerk zur Löschung oder Verpixelung aufgefordert worden.

Das wiederum brachte Chefredakteur Hansen zur Weißglut. Er löschte das Foto eigenhändig, griff zur Tastatur und wetterte gegen den Facebook-Macher. Ob Zuckerberg geantwortet hat, ist übrigens laut Spiegel Online bisher unklar …

Derart erzürnt, hat Hansen seinen Ärger auch noch in einen Videofilm einfließen lassen: "Du bist der mächtigste Herausgeber der Welt", erklärt der Norweger Zuckerberg.

Inzwischen hat sich auch der Deutsche Journalisten-Verband in der Sache zu Wort gemeldet und das Online-Netzwerk deutlich kritisiert. "Man muss von Facebook so viel Medienkompetenz erwarten dürfen, dass eine Unterscheidung zwischen einem zeitgeschichtlichen Dokument und Kinderpornografie vorgenommen wird", sagt der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. Das gelte vor allem dann, wenn das Bild auf der Facebook-Seite einer renommierten Tageszeitung stehe. "Welche Inhalte eine Zeitung veröffentlicht, muss die Entscheidung der Redaktion bleiben." Alles andere sei ein Eingriff in die Pressefreiheit.

Update: Facebook hat das Foto nach internationalen Protesten wieder online gestellt und die historische Bedeutung des Motivs anerkannt.

ps/meh/dpa


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.