Zeitungsvermarktung :
Zeitungsallianz Score Media startet mit 23 Verlagen

Die Score Media Group nimmt Formen an: 23 Verlage schließen sich dem neuen nationalen Zeitungsvermarkter an. Bis zum Sommer soll ein Angebot stehen, das mit Springers "Bild" um nationale Budgets des Handels wetteifern soll.

Text: Judith Pfannenmüller

Die Score Media Group nimmt Formen an: Zum Zeitungskongress im Herbst hatten die Verlage nach jahrelanger Diskussion erstmals eine Absichtserklärung abgegeben, nun ist die Absicht per Gesellschaftervertrag besiegelt. Wenige Wochen nach dem Amtsantritt des neuen Geschäftsführers Heiko Genzlinger schließen sich in einem ersten Schritt 23 Verlage zur neuen nationalen Vermarktungsallianz für Tageszeitungen an.

Zu den elf Kerngesellschaftern SWMH (Stuttgarter Gruppe und Teilauflage der "SZ"), Madsack, Funke, DuMont, Rheinische Post, Verlagsgruppe Pressedruck, Medien Union Ludwigshafen, "FAZ" mit Rhein Main Media, Verlagsgruppe Rhein Main, Ippen gehört inzwischen auch die Neue Osnabrücker Zeitung ("NOZ"). Sie ist mit dem Kauf von 30 Zeitungen der Medienholding Nord ("Schleswig-Holsteinische Zeitung", "Schweriner Volkszeitung") in die Liga der zehn größten deutschen Zeitungsverlage aufgestiegen. Diese Elf haben mehr Stimmgewicht und den Großteil der Gesellschafteranteile - insgesamt 78 Prozent. 

Zwölf weitere Verlage haben sich nun dem erweiterten Gesellschafterkreis angeschlossen, darunter die "Sächsische Zeitung", mehrere westfälische Zeitungen sowie die Mediengruppe Oberfranken aus Bamberg und der Mittelbayerische Verlag.

Einige Verlage wollen jedoch nicht Gesellschafter werden. Dazu zählen die "Badische Zeitung", die "Badischen Neueste Nachrichten", das "Straubinger Tagblatt", die Koblenzer "Rhein-Zeitung" und - für Score Media durchaus schmerzhaft - die große Regionalverlagsgruppe Nürnberger Presse ("Nürnberger Nachrichten", "Nürnberger Zeitung", "Nordbayerische Zeitung").

Die neue Kombi kann, wenn sie an den Start geht, eine Printauflage von an die neun Millionen Stück in die Waagschale werfen. Darüber hinaus verspricht der Vermarkter Score Media Group einen reibungslosen Zugriff auf die Onlinewerbeplätze der Zeitungen und damit eine crossmediale Reichweite von 41 Millionen Nutzern im Monat.

Dieses Inventar befindet sich nach Zukäufen im Digitalbereich allerdings im Portfolio des Digitalvermarkters Ströer, was Branchenkenner als strategischen Nachteil empfinden, hat doch Ströer die Erstrechte an den digitalen Werbeflächen. Christian Schmalzl, COO von Ströer, verspricht dem neuen Vermarkter zum Start jedoch noch einmal den "direkten Zugriff auf das Onlineinventar der Verlage" und will seine "Kompetenz als Digitalvermarkter der Score Media für Crossmedia-Angebote als Partner anbieten". Schmalzl sieht im gebündelten Vermarktungsportfolio "herausragende Potenziale für Werbekunden".

Schon im Sommer soll das Angebot der Score Media Group stehen und es sollen Gespräche mit Kunden und Agenturen stattfinden. Die bisherigen Zeitungskombis Nielsen Ballungsraum Zeitungen (NBRZ) und Medienhaus Deutschland (MHD) erfüllen noch ihre laufenden Verträge, sollen sich aber zum Jahresende auflösen.


Autor:

Judith Pfannenmüller
Judith Pfannenmüller

ist Korrespondentin für W&V in Berlin. Sie schaut gern hinter die Kulissen und stellt Zusammenhänge her. Sie liebt den ständigen Wandel, den rauhen Sound und die thematische Vielfalt in der Hauptstadt.