Geldwerter Vorteil? :
Zur Kasse, TV-Kandidat: Finanzämter filzen Helfer-Dokus

Die Finanzämter prüfen, ob Teilnehmer von Helptainment-Formaten wie "Einsatz in vier Wänden" Hilfe und Sachleistungen versteuern müssen....

Text: Lisa Priller-Gebhardt

29. Jan. 2013 - 1 Kommentar

Ehefrau mit der Haushaltskasse durchgebrannt, Drei-Zimmer-Wohnung abgebrannt, Restaurantbesucher an die Konkurrenz verloren – für derlei Härtefälle des Lebens hatten die mit Rat und Tat zur Seite stehenden Nothelfer von RTL - Peter Zwegat, Tine Wittler und Christian Rach - jahrelang TV-gefällige Lösungen parat, um den Betroffenen wieder auf die Beine zu helfen. Jetzt droht den schicksalsgeplagten Kandidaten der nächste Tiefschlag: Die Finanzämter prüfen derzeit im großen Stil, ob Teilnehmer von Helptainment-Formaten die geleistete Coaching-Hilfe sowie Sachleistungen als geldwerten Vorteil versteuern müssen.

Neben der bereits vom "Spiegel" genannten "Einsatz in vier Wänden" ist eine ganze Reihe weiterer Helptainment-Formate ins Visier der Steuerbehörden geraten. Wie W&V in der aktuellen Printausgabe berichtet, sollen TV-Firmen in Nordrhein-Westfalen, die diese so genannten Coaching-Dokus produzieren, Post vom Finanzamt erhalten haben. Das zuständige Ministerium will das nicht bestätigen. "Auf Bund-Länder-Ebene wird derzeit geprüft, ob aus dem Urteil zu "Big Brother" Schlussfolgerungen zu ziehen sind, die auch auf andere Formate anwendbar sind", erklärt das Finanzministerium des Landes NRW auf W&V-Anfrage.

Das so genannte Big-Brother-Urteil bezog sich auf das in der Show gewonnene Preisgeld. Jetzt geht es um die "sonstigen Einkünfte" aus §22 Nr.3 EStG. Darunter können laut Ministerium auch "andere Vergütungen für die Teilnahme an Fernsehshows fallen". Laut W&V wird rückwirkend bis zum Jahr 2007 geforscht.

Der TV-Konzern RTL versucht jetzt, zwischen den Finanzbehörden und den Produzenten zu vermitteln. Sollte der Fiskus hart bleiben, könnten den Helfer-Dokus das Aus drohen: "Derzeit ist die Frage offen, ob man das Genre weiterbetreiben kann", bringt RTL-Sprecher Christian Körner die Sorge der Sender und Produzenten auf den Punkt.


Autor:

Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

schreibt als Autorin überwiegend für W&V. Im Zentrum ihrer Berichterstattung steht die geschwätzigste aller Branchen, die der Medien. Nach der Ausbildung an der Burda Journalistenschule schrieb sie zunächst für Bunte und das Jugendmagazin der SZ, Jetzt. Am liebsten sind ihr Geschichten der Marke „heiß und fettig“.



1 Kommentar

Kommentieren

Anonymous User 29. Januar 2013

Wenn es sich um Infotainment und Scripted Reality handelt sind die handelnden Personen Mitwirkende und müssen natürlich ihre Einkünfte versteuern. Erhielten sie weder Honorar noch nennenwerte Sachleistungen, fallen keine Steuern an. Ist doch ganz einfach.
Diese Sendungen sind sowieso Betrug am Zuschauer.

Diskutieren Sie mit