Zweite Bieterrunde: So schlägt die DFL möglichst viel Geld aus den Bundesliga-Rechten

Sky oder auch die Telekom sollen nachlegen und in einer zweiten Bieterrunde im Auktionsverfahren mehr Geld für die Rechtepakete auf den Tisch der DFL legen. Für neue Konkurrenz bei der Internet-"Sportschau" sorgt Springer. Am kommenden Dienstag sind dann alle schlauer...

Text: Petra Schwegler

11. Apr. 2012

Es geht in den Endspurt im Wettbieten um die Fernsehrechte an der Bundesliga: Eine Woche nach Eingang der verbindlichen Angebote hat der Ligaverband DFL am Dienstag die zweite Versteigerungsrunde eingeläutet. Das berichten die Nachrichtenagentur "Reuters" und die "Süddeutsche Zeitung" übereinstimmend. Reuters bezieht sich auf zwei mit dem Ablauf der Auktion vertraute Personen.

Zum Tragen kommt in der finalen Runde erstmals eine neue Regel, mit der die DFL Bieter wie den Pay-TV-Anbieter Sky oder die Deutsche Telekom dazu bringen will, möglichst viel Geld auf den Tisch zu legen (DFL-Chef Christian Seifert hat bereits vor der Bieterphase klar gemacht, dass der Liga-Verband deutlich mehr mit den Rechten einnehmen möchte). Und das funktioniert so: Der Meistbietende erhält automatisch den Zuschlag, wenn das zweithöchste Gebot mehr als 20 Prozent darunterliegt. Anderenfalls kommen Faktoren wie die technische Reichweite oder das Sendekonzept des Bieters zum Tragen (wie vorab auch mit dem Bundeskartellamt abgestimmt). Das letzte Wort haben dann die in der DFL organisierten 36 Profi-Fußballclubs. Ihre Vertreter kommen demnach am Dienstag nächster Woche in Frankfurt zusammenkommen. Die DFL will sich laut Reuters dazu nicht äußern, hat aber bereits den kommenden Dienstag als Termin für eine Pressekonferenz anberaumt.

Es scheint in der Auktionsphase noch sehr spannend zu werden: Offenbar will auch der Axel Springer Verlag seine Fußball-Berichterstattung im Internet massiv ausbauen. Wie die "Zeit“ vorab meldet, ist der Verlag dafür in die Auktion eingestiegen und bietet auf das so genannte Paket M, welches das Recht umfasst, Höhepunkte der Spiele online als Video-Clips zu zeigen. Diese können pro Begegnung zwischen 90 Sekunden und sechs Minuten dauern. Diese Spielausschnitte im Internet sollen teilweise noch vor der "Sportschau" in der ARD zu sehen sein – würden den Zuschauer aber einen kleinen Betrag kosten. Nach Angaben aus Branchenkreisen ließen sich diese Fußball-Videos vertragskonform in iPad-Ausgaben der Springer-Hauptblätter "Bild" und "Welt" integrieren, um sich am Sonntag auf dem Pressemarkt einen Vorteil zu verschaffen. In der Branche kursiert das Projekt als "Bild Bundesliga Show". Springer hat sich gegenüber der "Zeit“ auf Anfrage nicht dazu geäußert. Schon seit Jahren ist geplant, dass der Medienkonzern seine Bewegtbild-Offerte ausbaut. Hinzu kommt: Springer-Chef Mathias Döpfner hat immer wieder gegen die Dominanz von ARD und ZDF im Medienmarkt gewettert. Dass er in Konkurrenz zu ihnen gehen könnte, verwundert wenig.

Die Deutsche Fußball-Liga versteigert die Fernsehrechte an der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga für vier Spielzeiten ab der Saison 2013/14. Insgesamt 15 Unternehmen haben sich für die Endrunde qualifiziert. Im Schnitt nimmt die DFL derzeit für die TV-Rechte in Deutschland 412 Millionen Euro pro Spielzeit ein. Die Einnahmen dürften deutlich steigen, mutmaßt Reuters, sollte es zum Showdown zwischen der Telekom und Rupert Murdochs Pay-TV-Unternehmen Sky kommen. Beide wollen nach eigenen Angaben den ganz großen Wurf zu wagen und für die teuren Live-Rechte via Satellit, Kabel, IPTV, Mobilfunk und Internet bieten. Allerdings haben Medienwächter bereits Zweifel angemeldet, ob der Telefongigant, der derzeit bereits die IPTV-Rechte besitzt, überhaupt noch größer ins Fernsehgeschäft einsteigen darf. Denn dem Staat, der einen großen Teil der T-Aktien hält, ist der Betrieb von Fernsehen verfassungsrechtlich verboten.

Bisher ist die Verteilung der Bundesligarechte übersichtlich: Neben Sky zahlen für Zusammenfassungen der Spiele in der "Sportschau" und den dritten Programmen die ARD 100 Millionen Euro und das ZDF ("Aktuelles Sportstudio") weitere 20 Millionen Euro. Die Telekom legt pro Spielzeit 25 Millionen Euro und der Spartensender Sport1 für die Rechte an der 2. Bundesliga zehn Millionen Euro auf den Tisch. ARD und ZDF sind auch dieses Mal wieder dabei, ebenso Privatfernsehsender und der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland. Enthalten hat sich Kirchs Statthalter Dieter Hahn mit der Firma KF15.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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