Social-Media-Marketing:
Das ist die Snapchat-Strategie von Sixt

Als eines der wenigen deutschen Unternehmen wirbt Sixt schon länger auf Snapchat. Dafür zuständig ist Social-Media-Manager Christoph Assmann. W&V Online hat nachgefragt: Wie gut kann Sixt Snapchat?   

Text: Sebastian Blum

Eine Frage an den Social-Media-Manager: Wie gut kann Sixt Snapchat?
Eine Frage an den Social-Media-Manager: Wie gut kann Sixt Snapchat?

Bei Snapchat tun sich deutsche Unternehmen - und insbesondere deutsche Autobauer - besonders schwer. Ganz Deutschland? - Nein, der Autovermieter Sixt ist schon eine Weile auf Snapchat unterwegs. Einer, der dabei ein Wörtchen mitzureden hat, ist Christoph Assmann. W&V Online hat bei Sixts Social-Media-Manager nachgefragt: Wie wirbt es sich mit Snapchat?

Herr Assmann, Erich Sixt hasst ja bekanntlich langweilige Werbung. Wie setzten Sie diese Vorgabe auf Snapchat um?

Heutzutage herrscht ein Umfeld von faktisch unendlich viel Content. Gleichzeitig verringert sich aber unsere Aufmerksamkeitsspanne. Das heißt für den Nutzer, dass er sehr bedacht entscheidet, welche Arten von Inhalten er konsumieren will. Speziell auf Snapchat wird langweiliger Content gnadenlos vom User abgestraft: Wer langweilt, fliegt. Daher haben wir Themenfelder entwickelt, das kann die Vorstellung eines einzigartigen Produkts sein oder Blicke hinter die Kulissen eines Videodrehs. 

Wie lange ist Sixt schon auf Snapchat? Welche Erfahrung haben Sie mit der App gemacht?

2014 ist mir bei einer Reise durch Frankreich aufgefallen, dass das Engagement von Jugendlichen bei Snapchat riesig ist. Ich war gespannt, ob man dieses Potential auch als Firma nutzen kann.

Anfang 2015 sind wir bei Sixt mit einem Behind-the-Scenes des Fotoshootings mit dem BMW i8 gestartet. Obwohl wir die Begleitung dieses Events auf Snapchat kaum promotet hatten, sind wir auf eine große Resonanz gestoßen. Die Fotos erreichten mehr als 1.000 Views. Aktuell gewinnt Snapchat in immer mehr Zielgruppen an Bedeutung, wie auch wir bei Sixt sehen können. Die Statistiken von Snapchat und auch die Snaps, die wir von Usern erhalten, belegen das. Es sind längst nicht mehr nur Teenager auf Snapchat aktiv.

Hierzulande tun sich noch viele schwer mit Snapchat. Mercedes Benz und Audi beispielsweise nutzen die App in den USA schon länger, in Deutschland merkt man davon nichts. Wieso sind deutsche Unternehmen so zögerlich, wenn es um Snapchat geht?

Die Mechanik von Snapchat stellt Unternehmen vor einige Herausforderungen. Inhalte in Echtzeit zu veröffentlichen erfordert Mut, Kreativität und kurze Entscheidungswege. Wir bei Sixt sind das durch unsere täglichen Prozesse gewohnt und kennen unseren inhaltlichen Spielraum. Wir haben grundsätzlich das Vertrauen unserer Vorgesetzten.

Wie sieht die Social-Media-Strategie von Sixt im Ganzen aus? Unterscheidet sich die Ansprache je nach Kanal?

Wir denken nicht in Kanälen, sondern in Unternehmenszielen und spezifischen Kommunikationsbedürfnissen. Danach richten wir unsere Aktivitäten aus. Unser Anspruch ist es, für jeden Kanal die beste Qualität mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen. Hierbei müssen wir uns der Mechanik der Kanäle anpassen. Bei Snapchat nehmen wir etwa Abstriche bei der Bildqualität in Kauf.

Sixt reagiert auf aktuelle Ereignisse sehr schnell, im Netz gibt es dafür sowohl Lob als auch Kritik. Gab es eigentlich schon mal ein Motiv, bei dem Sie meinten: ‚Nein, das machen wir jetzt nicht‘?

Wir sind uns der Wirkung unserer Motive bewusst und wissen, dass wir mitunter polarisieren, wenn wir bestimmte tagesaktuelle Ereignisse kommentieren. Wir haben die wesentlichen Themenfelder für uns definiert und produzieren in unseren täglichen Redaktionssitzungen unzählige, vielfältige Ideen – wovon wir dann natürlich auch einiges wieder verwerfen.  

Wenn Sixt im Netz wirbt, geht es ja auch immer um Autos? Aus ihrer Sicht: Was könnten die deutschen Automobilhersteller online noch besser machen?

Im Social Web läuft man schnell Gefahr, sich Meinungsverschiedenheiten auszusetzen. Begriffe wie "Shitstorm" haben viele digitale Kampagnen sehr weichgespült. Hier fehlt mir bei manchen Aktionen in der Branche eine Prise Mut. Es ist wie im analogen Leben: Man muss nicht immer einer Meinung sein. Auch nicht im Marketing.  

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