tagesschau auf TikTok:
Unterhaltsame Einblicke für mehr Medienkompetenz

Erst war es ein Scherz, mittlerweile klicken Millionen auf die Challenges und Einblicke der tagesschau auf TikTok. Vor allem Schüler:innen interessieren sich dort für die Angebote der Medienmarke.

Text: W&V Redaktion

Am 1. April 2019 hatte die tagesschau noch auf Facebook gescherzt, jetzt auch auf Tiktok zu sein. Aus dem Spaß wurde Ernst – und das mit Erfolg. Ein Jahr später waren es schon 736.000 Fans  - mittlerweile sind es 850.000 Abonnent:innen und der Account einer der erfolgreichsten News-Kanäle auf TikTok, sogar im internationalen Vergleich, wie es bei der tagesschau heißt.

Und das, obwohl die App eigentlich nicht für ernste Inhalte wie Nachrichten bekannt ist. Die Kritik am Anfang war groß. Doch genauso groß war die Notwendigkeit, junge Zielgruppen für die Marke zu interessieren. Deshalb der Auftritt nicht nur auf Tiktok, sondern auch auf Instagram, Youtube, Facebook und nicht zuletzt auf tagesschau.de. "Wir wollen dort auftauchen, wo die jungen Menschen sind", sagt Marcus Bornheim, Erster Chefredakteur tagesschau. Er erklärt: "Die tagesschau ist inzwischen deutlich mehr als ein einzelnes Format. Wir schaffen es über unterschiedliche Kanäle und unterschiedlichste Ausspielwege, Zuschauer, Zuhörer, User, Leser zu erreichen – und über unterschiedlichste Ansprechhaltungen unterschiedlichste Generationen", sagt Bornheim. Die Herausforderung liegt darin, die passende Nachricht für den jeweiligen Kanal mit der richtigen Ansprechhaltung zu finden.

Zunächst starteten die Nachrichtenmacher Piloten, um zu testen, ob man mit erklärenden Inhalten die Brücke schlagen könne zwischen "nicht zu oberflächlich" und "macht auch noch Spaß". Denn bei der tagesschau darf auch gelacht werden – das hatten die Macher in den letzten Monaten immer wieder bewiesen: ob es Jan Hofers letztes Krawatten-Ablegen war oder Linda Zervakis‘ Geheimnis am Tag der Jogginghose.

Keine neue Submarke

Trotzdem bleibt die tagesschau auch in sozialen Netzwerken ihrer Marke treu: "Im Unterschied zu anderen Marken würden wir nie eine Submarke für Jugendliche gründen", sagt der Tagesschau-Chef. Wie etwa der Spiegel mit – dem eingestellten – Bento oder Zett von der Zeit. Die Marke soll für alle Generationen und die gesamte Gesellschaft gelten. Dazu gehören natürlich auch 15- und 16-jährige Teenager. Die seien genauso politisch interessiert. Vor allem an Fragen zu Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Zukunft. In erster Linie geht es darum, neue Zielgruppen anzusprechen, die bisher nicht erreicht werden.

Und ob im TV oder auf den Social Media-Accounts: Das Interesse an Informationen über die Corona-Pandemie ist ungebrochen. Extra dafür wurde u.a. mit dem "Corona-Update" ein Social-Media-Format geschaffen, das die Nutzerinnen und Nutzer plattformspezifisch über alle wichtigen Entwicklungen informiert. Dabei werden auch Fragen aus den Communities in die Berichterstattung einbezogen und die Nachrichten interaktiv und auch mal spielerisch aufbereitet. Laut tagesschau belohnen die User das mit viel positivem Feedback an die Redaktion.

Speziell auf TikTok gibt es - neben der reinen Nachrichtenvermittlung - auch eigene Challenges, Duette und ganz zwanglose Einblicke in die Welt der Nachrichtensprecher:innen, wie Ingo Zamperonis Teleprompterchallenge, bei der die Nutzer selbst testen konnten, wie schnell und fehlerfrei sie im Lesen sind. "Wer lesen kann, ist klar im Vorteil", so Zamperoni auf TikTok, oder eben Linda Zervakis‘ Hosen-Geheimnis am internationalen Tag der Jogginghose mit 47.000 Likes. "Solche unterhaltsamen Einblicke zählen regelmäßig zu den erfolgreichsten tagesschau-Videos auf TikTok", sagt Patrick Weinhold, Redaktionsleiter Social Media bei der tagesschau.

Die Telepromter-Challenge kam bei den Fans gut an.

Die Telepromter-Challenge kam bei den Fans gut an.

Künftig wolle man sich auf TikTok noch stärker dem Thema Medienkompetenz widmen, gerade im Superwahljahr 2021. Nutzer:innen sollen die Presenter:innen Anna, Antje und Felix auf TikTok als Faktenchecker nutzen können, erklärt Weinhold. Diese sollten den User:innen auch grundlegende Informationen vermitteln, z.B. zum "Zwei-Quellen-Prinzip", der Unterscheidung von "Meinungen" und "Nachrichten", der Erkennbarkeit von werbefinanzierten Postings. Schließlich seien die meisten Nutzer:innen Schüler:innen - und die müssten im Umgang und der Funktionsweise von sozialen Medien noch sicherer gemacht werden. (jag/ko)



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Autor: W&V Redaktion

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