Gastbeitrag:
Preethi Mariappan: Die fünf Mobile-Trends aus Cannes

In ihrem Bericht aus der Mobile-Jury schreibt die Razorfish-Kreativchefin und deutsche Cannes-Jurorin Preethi Mariappan über das Potenzial von Mobile ohne Endgerät sowie über den "wahren Geist von Mobile". Das sind die 5 wichtigsten Trends.

Text: W&V Leserautor

Bevor Preethi Mariappan Kreativchefin von Razorfish Deutschland wurde, sammelte sie in Indien, Dubai und Singapur 17 Jahre lang Erfahrung im Technologie- und Produktdesign. In Deutschland war sie zuvor auch bei der Networkagentur TBWA als Digital Executive Creative Director (ECD) tätig. Für W&V Online berichtet sie hier exklusiv aus der Mobile-Jury in Cannes.

In diesem Jahr habe ich wirklich das ganz große Los gezogen. Da werde ich zum ersten Mal für die Cannes-Jury nominiert (Bingo!) und lande dann auch noch in der absoluten Spitzenkategorie Mobile. Jackpot!

Als ich am ersten Tag in den Juryraum kam, bog sich der Tisch unter einem großen Berg von Produkten – von Google Cardboards über Silikonfinger bis hin zu Babysocken und Pyjamas. Meine Neugier war geweckt.

Und dann ging die fantastische Reise auch schon los. Fünf Tage lang, mit 14 brillanten Köpfen aus Kreation und Technologie, gemeinsam eingeschlossen in einem Raum, auf der Jagd nach großartigen Ideen, die unser mobiles Zeitalter wahrhaft glänzen lassen. Wir probierten Produkte aus, luden Apps herunter, sahen Filme, lachten, weinten, zählten Buzzwords und diskutierten heiß und leidenschaftlich. Natürlich haben wir uns als Jury auch gefragt: Was macht im Jahr 2015 eine großartige Arbeit im Bereich Mobile eigentlich aus? Die Antwort bekamen wir von den Einreichungen. Sie haben uns in den fünf Tagen gelehrt, alle vorgefassten Bilder von dem, wofür Mobile bisher stand, einfach loszulassen.

Im Rahmen des Bewertungsprozesses hat mich ganz besonders beeindruckt, wie viele brillante Ideen - sowohl hinsichtlich der Qualität als auch der Quantität - eingereicht wurden, die über die gängigen Vorstellungen von Marketing weit hinausgehen. Die Arbeiten in der Mobile-Kategorie haben dieses Jahr gezeigt, auf welch vielfältige, grenzerweiternde und überwältigende Weise sich Kreativität manifestieren kann. Diese Ideen bewegen sich in technologischen Grenzbereichen und gestalten die Zukunft für Marken und Unternehmen, für uns Konsumenten und Menschen sowie für die ganze Gesellschaft.

Hier ein paar Einblicke in die "Mobile Trends" aus dem Juryraum:

1. Augmented Reality wird erwachsen

Augmented Reality ist aus der Effekthascherei herausgewachsen. Stattdessen erfüllt es einen sinnvollen Zweck und liefert Mehrwerte. Ein gutes Beispiel hierfür ist: L’Oréal Make Up Genius. Als wir diese Lösung ausprobiert haben, konnte man im Juryraum ein erleichtertes Aufatmen vernehmen. Endlich spielt Augmented Reality sein großartiges Potenzial aus! Ob man damit verschiedene Make-ups per Smartphone ausprobiert (das hat uns wirklich total begeistert) oder Produkte einkauft: So überrascht und erfreut man seine Kunden.

2. Natives Storytelling -  gekommen, um zu bleiben

Mobiles, natives, "snackable" Storytelling in Echtzeit verändert die Art und Weise, wie wir Branded Content konsumieren. Ein schönes Beispiel hierfür ist der "EA Sports Madden Giferator". Hier werden Echtzeit-Sportergebnisse zu mobilbasiertem, mundgerechtem Entertainment, das gemeinsam mit den Fans gestaltet wird. Der Giferator ist das Einhorn, nach dem wir alle suchen - das Popkultur-Mem. #epic

3. Internet of Everything

Alles, was miteinander verbunden werden kann, wird auch miteinander verbunden. Wir wussten, dass dies passieren wird. In Cannes war es dieses Jahr soweit! Beispiel: Owlet. Smarte Babysocken, die Eltern per Smartphone alarmieren, wenn ihr Baby aufhört zu atmen. Dafür beobachten sie den Herzschlag und den Sauerstoffgehalt. Die Lösung von Owlet unterschied sich von den anderen Mobile-Einreichungen, weil sie eine ganz spezielle Sache macht - und die besonders gut. Perfekt in seiner Einfachheit für das Baby und unbezahlbar in seinem Wert für die Eltern.

4. Unsichtbares User Interface

Wenn sich Mobile von Bildschirmen und Endgeräten weg in die physische Welt hinein bewegt, entstehen fantastische Lösungen, die einen Blick auf eine Zukunft ohne Interfaces möglich machen. So wie hier bei "The Pursuit by Equinox". Man stelle sich ein verknüpftes Radfahr-Erlebnis vor, bei dem Mobiltechnologie so eingesetzt wird, dass du und die anderen Radfahrer zum Interface werden. Du generierst die Datenvisualisierungen oder die gamifizierten Wettbewerbsergebnisse. "The Pursuit" zeigt uns das aufregende Potenzial von Mobile ohne Endgerät.

5. Hello Virtual Reality!

Und hier ist sie endlich: die allgegenwärtige virtuelle Realität (VR). Die Demokratisierung von VR legt Technologie in die Hände von Millionen Menschen - von New York bis Nairobi.

Der Mobile-Grand Prix (Google Cardboard) ging in diesem Jahr streng genommen nicht an eine kreative Arbeit. Sondern an ein Tool, das Kreativität für viele möglich macht. Nach dem "Low Cost"- und "Open Source"-Prinzip macht das Cardboard VR für jeden von uns möglich – Agenturen, Konsumenten, Marken und Produzenten. Für mich steht das Google Cardboard für den wahren Geist von Mobile, weil es eine Zukunft kreiert, an der wir alle gleichwertig teilhaben können.


Autor:

W&V Leserautor

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