Visuelle Kommunikation :
Getty Images: Die visuellen Trends 2016

Welche visuellen Trends prägen 2016 Werbung, Design und Kommunikation? Welche Bildsprache ist bei den Verbrauchern künftig angesagt? Getty Images stellt sie im aktuellen Visual Trend Report vor.

Text: Frauke Schobelt

Welche visuellen Trends prägen 2016 Werbung, Design und Kommunikation? Welche Bildsprache ist bei den Verbrauchern künftig angesagt? Getty Images stellt sie im aktuellen Visual Trend Report vor.

Die Experten von Getty Images analysierten dafür Bilder in der Werbung, befragten lokale Teams und Kunden weltweit und leiteten Trends aus den rund 400 Millionen jährlichen Downloads auf der Website der Bildagentur ab. In die Analyse flossen außerdem Untersuchungen zur Populärkultur und zum Konsumverhalten auf der ganzen Welt, das die Bildsprache in Werbung und Kultur maßgeblich beeinflusse. Ein Fazit: "Die Trends betonen das Paradox, dem moderne Konsumenten gegenüberstehen – einerseits das Verlangen nach Extremen und die Sehnsucht danach, außerhalb des Mainstreams zu stehen, andererseits der Wunsch nach Gemeinschaft und Engagement zum Wohl der Gesellschaft."

Und dies sind die identifizierten visuellen Trends 2016. Die Links im Text führen zu weiteren Beispielbildern.

1. Divine Living: Marken konzentrieren sich immer mehr auf Werte und bewusster Konsum spielt für die Verbraucher eine immer größere Rolle. Vor diesem Hintergrund setzen sich Konzepte wie Tugend, Absicht und Vernetzung in der visuellen Landschaft durch. In unserer überwältigend visuellen Welt bauen Marken und Storyteller ihre Botschaften auf dem Sinn auf, den ihr Produkt verfolgt, und rühren an unseren Wunsch nach innerer und äußerer Werthaltigkeit.

2. Extended Human: Technik verändert die Art und Weise, wie wir unser Leben gestalten, wie wir unsere Erlebnisse und Erfahrungen mit anderen teilen und wie wir unser Umfeld wahrnehmen. Dieser Trend beschäftigt sich mit der Überlegung, wie Technik ein Teil von uns selbst wird und unsere Vorstellung davon in Frage stellt, was "Mensch sein" bedeutet, wenn Technik unseren Körper optimiert, unser Gedächtnis und unser kreatives Leistungsvermögen steigert und uns die absolute Konnektivität bietet.

3. Outsider In: Menschen, die an ihre Grenzen gehen, und Bilder, die mit Herkömmlichem brechen, werden immer stärker akzeptiert. Angesichts der wachsenden Flut von Massenbildern und gebündelten Artikeln steigt unsere Sehnsucht nach besonderen Bildern, die eine ungewöhnliche Perspektive einnehmen. Dieser Trend beobachtet Außenseiter, Rebellen, Exzentriker, Nonkonformisten und Antihelden, die unkonventionell denken und uns verstören.

4. Messthetics: Messthetics steht für die Abkehr von Vorhersehbarkeit und ist eine Gegenreaktion auf die Perfektion, die uns in der Werbebranche so häufig präsentiert wird. In einem hektischen gleichförmigen Markt bietet Messthetics einen ganz anderen fotografischen Ansatz. Die Bilder sind chaotisch, schmutzig, verschwitzt, animalisch, wunderschön und hässlich. Dieser Trend entspringt unserem Drang, uns von der Reinheit und Vorhersehbarkeit des Alltags zu befreien und in der Ursprünglichkeit der menschlichen Kreatur zu schwelgen.

5. Silence vs. Noise: Aus stilistischer Sicht wird 2016 ein Jahr der visuellen Extreme, großen Gegensätze und starken Widersprüche. Silence vs. Noise kann als Kontrapunkt zu Messthetics verstanden werden. Die Bilder sind einfach und minimalistisch und bieten Kunden die Chance, ähnliche Botschaften zu entwickeln – prägnant und unkompliziert, aber wunderschön, um sich von schrillen Bildern abzuheben. Sowohl die Komposition als auch die Farben folgen dem Motto "weniger ist mehr". Die Bilder sind oft ruhig und dezent. Als willkommener Kontrast zu einer visuell reizüberfluteten Welt entfalten sie sehr große Wirkung.

6. Surreality: Fotografen setzen neue Bildbearbeitungstechniken ein, um verspielte und häufig surrealistische Bilder zu schaffen. Oftmals wirken diese Bilder wie moderne Varianten der psychedelischen Darstellungen aus den 1960er Jahren und stehen zudem unter dem Einfluss von Träumen, dem Unterbewusstsein und dem ursprünglichen Surrealismus. Das Verlangen nach dem Surrealen und Unerwarteten ist groß – eine Gegenreaktion auf ein Jahrzehnt, das von Authentizität und Realismus geprägt war. Andrew Saunders, Senior Vice President, Creative bei Getty Images, sagt: "Die Trends, die unser Creative-Team identifiziert hat, schaffen einen gemeinsamen Nenner für das kommende Jahr.

Pamela Grossman, Director of Visual Trends bei Getty Images: "Die Zukunft war noch nie so spannend und es ist fesselnd zu sehen, wohin Bildsprache sich bewegt. Wir leben in aufregenden und turbulenten Zeiten in denen Verbraucher Partner suchen, die sie auf ihrem Weg begleiten. Immer häufiger setzen sie auf Marken, die kommerziellen und sozialen oder spirituellen Mehrwert liefern." Mehr zu den Learnings erklärt sie in einem Webinar.


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

koordiniert und steuert als Newschefin der W&V den täglichen Newsdienst und schreibt selber über alles Mögliche in den Kanälen von W&V Online. Sie hat ein Faible für nationale und internationale Kampagnen, Markengeschichten, die "Kreation des Tages" und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.


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