Munich Marketing Week 2021:
So verändert Künstliche Intelligenz das Design

Künstliche Intelligenz verändert die kreative Arbeit. Das ist längst bekannt, spannend ist aber die Frage, wie KI die Arbeit verändert. Erste Anwendungen zeigen, in welche Richtung die Entwicklungen gehen.

Text: Franziska Mozart

KI kann arbeitsaufwändige Schritte abnehmen und gibt den Kreativen wieder stärker strategische Aufgaben: sie legen die Regeln fest, innerhalb derer die KI sich bewegt. So funktioniert das beispielsweise beim Layout Creator von DHL. Der Logistikkonzern arbeitet mit einem KI-basierten System, mit dem Mitarbeitende weltweit einfach und ohne gestalterische Vorkenntnisse Layouts erstellen können, die dem Corporate Design entsprechen. Im Hintergrund produziert der Layout Creator im ersten Schritt die Entwürfe und bewertet sie im zweiten Schritt nach ästhetischen Kriterien. Das sorgt für hohe Effizienz und einen konsistenten Markenauftritt weltweit.

Entwickelt wurde das Tool von der Design-Agentur Strichpunkt. Die will ihre Kreativen selbstverständlich nicht abschaffen, sondern damit ermöglichen, dass sie sich auf ihre Stärken konzentrieren können. Die Strategie entwickeln Menschen, KI wird zum Werkzeug, zum Butler.

Algorithmen haben schon jetzt einen großen Einfluss auf die Arbeit von Kreativen und dieser Einfluss wird noch weiter wachsen, beobachtet auch Peter Kabel. Er ist unter anderem Professor an der HAW Hamburg und lehrt zu den Themen Interaction Design und Service Design. Er ist überzeugt, dass sich die Kreativbranche noch stärker mit dem Thema Künstliche Intelligenz auseinandersetzen sollte.

Vor allem voraussehbare, sich wiederholende Aufgaben kann eine KI übernehmen. Für diesen Teil der Kreativleistung werden zunehmend keine Menschen mehr benötigt, was natürlich eine Veränderung in Agentursystemen bedeutet. Klassische Praktikanten-Aufgaben fallen damit weg. Wer sich jetzt zukunftsfähig aufstellen will, sollte daher unbedingt lernen, mit KI-basierten Tools zu arbeiten.

Gleichzeitig bringen die Veränderungen auch einen enormen Innovationsschub. Davon ist Peter Kabel überzeugt. Er ist Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Investor und Berater. In Zeiten der New Economy gründete er Kabel New Media und sagt ähnlich große Umwälzungen wie durch die Digitalisierung damals auch jetzt durch KI-Anwendungen voraus. Auch er sieht in den neuen Aufgaben für Kreative vor allem den Umgang mit und das Training der KI.

Gleichzeitig sieht er auch neue Schwierigkeiten aufziehen. Eines seiner Lieblingsbeispiel ist eine Foto-App mit einem Algorithmus, der nur dann Fotos schießt, wenn alle lächeln oder das Lächeln hinterher hinein retuschiert. Immerhin gibt es Situationen, in denen nicht alle lächeln wollen, etwa bei einer Hochzeit, bei der nicht alle Gäste mit der Verbindung glücklich sind.   

Mehr über die Herausforderungen, Chancen und Anwendungen von künstlicher Intelligenz im Design-Prozess erzählen Peter Kabel, Thomas Clemens – DHL Team Lead DHL Brand Management und Thomas Michelbach, Head of Development, Strichpunkt Design am 01.07.2021 auf der Munich Marketing Week.

Die Munich Marketing Week macht an drei Tagen vom 30.6. bis 1.7 2021 fit für die wichtigsten Trends im Marketing. Zahlreiche Experten inspirieren auf der digitalen Bühne, geben Einblicke in die Praxis oder diskutieren kontroverse Themen. Networking-Slots sorgen für die Vernetzung mit anderen Teilnehmenden und die Mediathek bietet auch nach der Veranstaltung noch Zugriff auf die Inhalte. Mehr Infos hier.



Franziska Mozart
Autor: Franziska Mozart

arbeitet als freie Journalistin für die W&V. Sie hat hier angefangen im Digital-Ressort, als es so etwas noch gab, weil Digital eigenständig gedacht wurde. Heute, wo irgendwie jedes Thema eine digitale Komponente hat, interessiert sie sich für neue Technologien und wie diese in ein Gesamtkonzept passen.


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