Entscheidender als das Glas ist die Bildschirmqualität. Nur den Pro-Modellen spendiert Apple den "Super Retina XDR Display" mit der ProMotion-Technologie. ProMotion kennen iPad-Besitzer bereits. Beim neuen iPhone 13 Pro und Pro Max springt die dynamische Bildwiederholfrequenz endlich von 60 auf 120 Hz (bei Android-Smartphones schon länger verfügbar). Die Optimierung auf 120 Hz kam mir vor allem beim Scrollen langer Website-Texte zugute. Der Text bleibt scharf und sehr gut lesbar, nichts verschwimmt und ruckelt. Die Experten von DisplayMate halten es "für das beste Smartphone-Display weltweit".

Der Prozessor

Normale User orientieren sich nicht an den Benchmark-Programmen. Daher nur am Rande erwähnt: Sie zeigen dank neuem A15 Bionic Chip gegenüber dem Vorgänger nochmal Steigerungsraten. Wichtiger für Kaufinteressenten: Die Pro-Modelle bieten mit bis zu 6 GB RAM mehr als Arbeitsspeicher als iPhone 13 mini und iPhone 13, und auch mehr Grafikkerne. Pro ist also wirklich Pro und kein Marketing-Tool.

Der Akku

A15 Bionic und effizienteren Bauteilen sei Dank: Der Akku konnte gegenüber dem Vorgängermodell deutlich verbessert werden. 

In der Regel lade ich mein iPhone über Nacht auf, morgens starte ich mit 100 Prozent. Als ich gemeinsam mit meinem Kollegen gegen kurz nach 16 Uhr im Park auf den Akku-Stand blicke, erkennen wir: Bei der iPhone-13-Reihe und speziell beim iPhone 13 Pro Max "is all about the battery". 8 Stunden rum, Rest-Akku 69 Prozent. Das gab's noch bei keinem iPhone-Modell. Vor vielen Jahren mussten iPhones noch zwei oder dreimal am Tag ans Ladekabel, 2020 beim iPhone 12 Pro Max mindestens einmal. In 2021 reicht es, über Nacht wieder aufzuladen. 

Und unter Extrembedingungen? Video-Wiedergabe, Aufnahmen, Spielen: Ein YouTuber hat nachgewiesen, dass das 13 Pro Max selbst in diesem Hardcore-Szenario 9 Stunden und 50 Minuten durchhält. Apple hat auf die Kundenwünsche endlich reagiert. In allen Modellen wurde die Batterielaufleistung bemerkenswert aufgerüstet:

Das iPhone 13 liegt bei 12,41 Wattstunden (+15 %), das iPhone 13 Pro erhält 11,97 Wattstunden (+11 %) und das iPhone 13 Pro Max 16,75 Wattstunden (+18 %).

Und das, soviel vorweg, ist für jemanden wie mich, dem das iPhone 13 Pro Max eigentlich den ganzen Tag an der Hand klebt, die beste Nachricht zur neuen Generation.

Das neue Kamerasystem

Der zweite Pluspunkt im Test: Wer glaubt, die Kamera ließe sich nicht weiter verbessern und ein iPhone sei an dieser Stelle ausgereizt, der hat die Rechnung ohne Apples Ingenieure gemacht. Profi-Fotografen wie Austin Mann loben das neue Kamera-System bereits überschwänglich. Musikbands gestalten schon komplette Videos mit dem Pro.

Doch was bringt es dem Normaluser im Alltag? 

Die Auflösung von 12 Megapixeln bleibt im Duell mit dem Vorgänger gleich. Apple verspricht dennoch "das größte Kamera-Update aller Zeiten". Kein Marketing-Spruch!

Zum einen ist der neue Makro-Modus, der automatisch über die Ultraweitwinkel-Optik realisiert wird, ein Pfund. Man kann sich Objekten für Makro-Fotos jetzt auf bis zu zwei Zentimeter nähern. Im iPhone 13 und 13 mini gibt es diesen Makro-Modus (und den LiDAR-Sensor für exzellente Nachtaufnahmen und die Erfassungen von 3D-Objekten in AR-Anwendungen) nicht. Pro-Modelle besitzen also tatsächlich Pro-Features, keine Mogelpackung.

Kurios: Selbst Augenärzte nutzen schon den Makro-Modus. Der Mediziner Dr. Tommy Korn verwendet das Makro-Feature, um die Augen von Patienten zu überprüfen. Apple hat zur Realisierung des Makro-Modus eine verbessertes Ultraweitwinkel-Linse verbaut, die mit einer größeren Blende von f/1.8 und einem 120-Grad-Sichtfeld punktet. Auf LinkedIn berichtet der Arzt, dass er Detail-Fotos von Augen der Patienten mit dem neuen iPhone 13 Pro Max erstellt habe, die wichtige Erkenntnisse zur Weiterbehandlung liefern. So konnte er unter anderem den Fortschritt eines Patienten dokumentieren, der sich einer Hornhaut-Transplantation unterzogen hatte. Korn erklärt: "Ich habe das iPhone 13 Pro Max diese Woche für Makro-Augenfotos verwendet und bin beeindruckt. Das wird die Augenpflege und Telemedizin für Patienten innovativ machen."

Noch außergewöhnlicher ist der neue Cinematic Mode, der als eine Art Portrait-Modus für Videoaufnahmen eingesetzt werden kann. Der "Kino" Button lässt sich in der iPhone-Kamera-App aktivieren.  

Mit einem automatisch gesetzten Fokus lassen sich mit dem Modus kinoähnliche Effekte erzielen. Kaiann Drance, Leitender Angestellter bei Apple, erklärt es im Detail: "Wir wussten, dass es [im Vergleich zum Porträtmodus] eine größere Herausforderung sein würde, eine hohe Qualität der Tiefenschärfe in Videos zu erreichen. Im Gegensatz zu Fotos sind Videos so konzipiert, dass sie sich mit der filmenden Person bewegen, einschließlich des Verwackelns der Hand. Das bedeutete, dass wir noch hochwertigere Tiefendaten benötigen würden, damit der Cinematic Mode bei allen Motiven, Personen, Haustieren und Objekten funktioniert, und wir brauchten diese Tiefendaten kontinuierlich, um mit jedem Bild Schritt zu halten. Das Rendern dieser Autofokus-Änderungen in Echtzeit ist eine große Rechenleistung."

Kleiner Tipp am Rande: Bei der Bearbeitung eines Videos im Cinematic-Modus sind die Steuerelemente für die Fokus-Keyframes winzig. Man kann sie durch langes Drücken vergrößern, aber sobald man sie loslässt, werden sie wieder klein.

Der Umweltschutz

Bis 2030 will Apple klimaneutral in der Zulieferkette und bei der Produktion werden. Der Konzern meint das ernst. Die Adapter hat er schon 2020 nicht mehr mitgeliefert, um den Co2-Fussabdruck deutlich zu verringern. Die Verpackung des iPhone 13 Pro Max kommt erstmals ohne die ummantelnde Plastikfolie aus. Geöffnet wird das Paket, indem zwei kleine Papierstreifen abgerissen werden. Das mag eine Petitesse sein, ist aber nur Teil des großen Ganzen.

iPhone 13 Pro und iPhone 13 Pro Max verwenden jetzt zu 100 Prozent recycelte Seltene-Erden-Metalle. Auch das Zinn im Lötmittel der Hauptplatine und erstmals im Lötmittel der Batteriemanagementeinheit lässt sich zu 100 Prozent recyceln. Gleiches gilt für die  Plattierung der Hauptplatine und die Verdrahtung der Vorder- und Rückkamera. 600 Tonnen Kunststoff werden derart eingespart. 

Fazit

Das iPhone wird mit jedem Jahr ein bisschen besser. Beim neuen iPhone 13 Pro Max haben mich die verbesserte Akku-Laufzeit und das neue Kamera-System am meisten beeindruckt. Fotografen und Hardcore-User wie ich bereuen den Wechsel auf das neue Modell nicht. Zwar muss am Betriebssystem iOS 15 noch gefeilt werden – es gibt Probleme beim Entsperren mit Maske im Zusammenspiel mit der Watch, beim Zusammenspiel mit CarPlay und bei der Touchsensitivität – doch Apple ist für schnelle Updates bekannt. Bleibt am Ende der Preis. Das Pro Max startet bei 1249 Euro, wer bis zu 1 TB Speicher benötigt, zahlt sogar 1829 Euro. Die empfehlenswerte Variante liegt bei 512 GB Speicher bei 1599 Euro.

Das neue iPhone 13 Pro Max bleibt also kein Schnäppchen. Auch mein Sportkollege Elias weiß das. Ich bereue den Kauf nicht, er lässt das 2021er-Modell liegen. 2022, so munkelt die Gerüchteküche bereits, erscheine das iPhone 14 Pro Max dann ganz ohne Notch und auch der Kamera-Buckel werde komplett flach und ins Gehäuse integriert. Spätestens dann würde es nicht mehr wie der Vorgänger aussehen. Dann kaufe er es auch, sagte mein Sportkumpel. 

Das war am letzten Wochenende. Gestern haben wir uns wieder getroffen. Und er zog das neue 13 Pro Max aus der Tasche. So sind sie, die Apple-Fangirls und Fanboys...

Außerdem heute in TechTäglich 

Notruf-App der Länder: Posse um „Nora“  

Im W&V-Check: Die neue Sonos Beam 2

Exklusives NFT von Karl Lagerfeld

5G und 5 Jahre Garantie: Fairphone 4 ist da



Autor: Michael Gronau

ist Autor bei W&V. Der studierte Germanist interessiert sich besonders für die großen Tech-Firmen Apple, Google, Amazon, Samsung und Facebook. Er reist oft in die USA, nimmt regelmäßig an Keynotes und Events teil, beobachtet aber auch täglich die Berliner Start-up-Szene und ist unser Gadget- und App-Spezialist. Zur Entspannung hört er Musik von Steely Dan und schaut Fußballspiele seines Heimatvereins Wuppertaler SV.