Ein Texter aus Hamburg rechnete vor: Eine gute Copy hat im Schnitt 650 Anschläge. Das sind rund 150 Wörter. Nehmen wir den aktuellen "Spitzensatz" von 10 Cent pro Wort, kommt man auf 1500 Cent, was 15 lächerliche Euro sind. Zum Vergleich: Bisher werden für diese Textlänge ungefähr 300 Euro berappt.

"Ich komme mir langsam vor wie ein Mexikaner, der morgens an der Hauptstraße mit Arbeitshandschuhen und ´ner Schaufel steht und darauf wartet, dass irgendwer mit ´nem Pickup vorbeikommt und Hilfe braucht, für ein paar Pesos oder ´nen Maiskolben auf die Faust", schreibt mir ein anderer Texter. Den Wert dieses Zitats können wir auf 4,10 Euro berechnen.

Ein Hamburger Wortarbeiter sagt: "Ich würde lieber für 30 Cent pro Liter Kühe melken. Aber das wird hier in Hamburg noch weniger angeboten!"

Der Umgang mit der hohen Kunst an Wortwundern ist oft wirklich gruselig: Zuweilen werden Festpreise für Textideenpakete beschlossen. Das wird wirklich so genannt, "Festpreise für Textideenpakete". Hier wird dann zum Beispiel vier Wochen nach der Lieferung des Wortmaterials geantwortet: "Bei den Headlines war noch nichts dabei. Bei dem Preis ist ja wohl nochmal eine Runde drinnen. Gerne bis morgen!"

Sehr gerne doch. Idiot.

Eine andere Variante: Der Kunde überweist den Betrag nach Gusto. Und zwar erst nach vier Monaten. Oder es werden weitere Textblöcke verlangt. Weitere Claims. Weitere Bildunterschriften, weitere Vorspänne – und so geht es ewig weiter. Um am Ende zu sagen: So dolle war das ja wohl nicht – und es werden einige hundert Euro weniger überwiesen.

Ein letztes Beispiel noch: Ein Profi mit 20 Jahren Agenturerfahrung sollte für eine große süddeutsche Automarke einen Tag lang durchtexten. 2000 Zeichen komplexe Zusammenhänge verständlich darstellen. Am Ende gab es dafür nicht einmal 10 (in Worten: zehn) Euro. Auf die Frage des Texters hin, warum die Firma das mache, kam die Antwort: "Wir sind dringend auf das Geld angewiesen!"

Armes Deutschland!


Autor:

Jochen Kalka, Chefredakteur
Jochen Kalka

ist jok. Und schon so lange Chefredakteur, dass er über fast jede Persönlichkeit der Branche eine Geschichte erzählen könnte. So drängt es ihn, stets selbst zu schreiben. Auf allen Kanälen.