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Schlichtes Logo: Ein blaues H mit roten Pfeil steht für Hillary Clintons Präsidentschaftskandidatur und den Aufbruch.
Schlichtes Logo: Ein blaues H mit roten Pfeil steht für Hillary Clintons Präsidentschaftskandidatur und den Aufbruch. © Foto: Hillary Clinton

US-Wahlkampf | | von Susanne Herrmann

"Erstsemester-Arbeit": Erik Spiekermann über das Hillary-Logo

Hohn und Spott gibt es im Netz für das neue Wahlkampflogo von Hillary Clinton. Was sagt der Profi dazu? W&V hat bei Corporate-Design-Star Erik Spiekermann nachgefragt. Der Design-Professor und Mitgründer der Agentur Edenspiekermann in Berlin gilt als Typographie-Papst - und hat das Clinton-Wahlkampflogo kurz und präzise unter vier Aspekten bewertet:

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1. Endlich mal wieder ein Wahlkampflogo (nach dem O von Obama) ohne Flaggen, Sterne oder Streifen.
2. Nun endgültig: Politiker als Marke mit einem Signet, das auch für einen Logistikbetriebe oder irgendeine anderen Industrie stehen könnte.
3. Formal: Banale Arbeit, die an den Unis alle Studenten im Erstsemester machen.
4. Man könnte es im Kontext der US-Verhältnisse auch mutig nennen."

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Nimmt man die politische Dimension raus, ist das H bei Spiekermann durchgefallen. Vor allem unter dem Gestaltungsaspekt.

Clintons blaues H mit einem roten Pfeil nach rechts, also in Leserichtung, soll "auf geht's", Fortschritt, Vorangehen symbolisieren. Und doch hagelt es neben viel Lob auf Clintons Facebookseite auch Kritik. Schon die Pfeilrichtung gibt dem einen oder anderen Anlass zur Sorge, stehe "rechts" ja nicht eben für die politische Ausrichtung der Demokraten.

Nicht wenige fühlen sich an die Flagge Kubas erinnert.

Oder an das Logo des Paketdienstes Federal Express (zweigeteilte Farbgebung und ein verborgener Pfeil zwischen E und X).

Wikileaks twitterte gar, Clinton habe das Logo der Organisation geklaut: Es zeigt eine Sanduhr mit einem roten Pfeil nach rechts. Und der Pfeil ist auch schon ungefähr alles, was die Logos gemeinsam haben.

Weitere Reaktionen via Twitter:

Spärlich fallen hingegen die Reaktionen zu Clintons Wahlvideo aus, in dem sie sich vor allem an Familien wendet und dabei auch Minderheiten wie die gleichgeschlechtlichen Paare, Einwanderer und Afroamerikaner nicht vergisst. Der 2 Minuten 18 Sekunden lange Film lässt das Wahlvolk zu seinen Zielen und Plänen zu Wort kommen. Und viel vor habe auch sie, sagt Hillary Clinton. Die Diskussion um die Wahlkampfversprechen und Inhalte nimmt aber nicht so zügig Fahrt auf wie die um das Logo. Hier das komplette Auftaktvideo zur Kandidatur.

"Erstsemester-Arbeit": Erik Spiekermann über das Hillary-Logo

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Design-Experte Johannes Erler: "Ich finde das Logo von Hillary Clinton großartig"

von einem W&V Leserautor

Johannes Erler, Partner der Agentur ErlerSkibbeTönsmann, ist ein Freund von Erik Spiekermann. Doch in der Debatte um das Logo der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton widerspricht er dem Urteil des Design-Gurus.

Seit Tagen streitet die Design-Gemeinde über das Wahlkampf-Logo von Hillary Clinton. Die Diskussion hat sogar die Feuilletons der großen Tageszeitungen erreicht und mal wieder ist es Erik Spiekermann, der den Takt vorgibt. In einem kurzen, vier Punkte umfassenden Statement versucht er eine ausgewogene Beurteilung. Übrig von seinen Worten bleibt allerdings nur, was sich am besten zur Zeile eignet: Das Logo sei eine "banale Arbeit, die an den Unis alle Studenten im Erstsemester machen". Zack! Das freut das (Netz)Volk, weil es den Shitstorm so herrlich aufbläst. Und verortet Design mal wieder dort, wo es seit Jahr und Tag am liebsten steht: in der formalen Ecke. Soweit der Status Quo dieser Diskussion, die eigentlich gar keine ist.

Was mich wundert: Lobende Wort existieren entweder nicht oder sind zu unbequem, um die Gleichschaltung dieser medialen Meinungswelle zu gefährden. Zeit also für das Gegengift.

Ich finde das Logo großartig! Ehrlich. Das ist nicht nur so dahingesagt und schon gar nicht ironisch gemeint. Ich wünschte, ich hätte es erfunden. Dann würde ich es mir als erstes groß auf ein T-Shirt drucken lassen und stolz durch die Gegend tragen. Das ist nämlich gleich schon mal der erste Pluspunkt: Das Logo ist irre plakativ. Es knallt. Das mag ich.

Ist es (formal betrachtet) banal? Vielleicht. Who cares. Diese Diskussion erinnert mich viel zu sehr an die gute alte Spießerdiskussion von der Kunst, die keine ist, weil "das ja jeder kann" (Yves Klein, Andy Warhol, Josef Beuys und 1000 andere). Und trifft diese Beurteilung dann nicht auch auf ganz viele andere gute Logos zu? Steht nicht zum Beispiel ein Großteil des Werkes von Paul Rand in genau dieser Tradition der Einfachheit und Plakativität? Wie sehr haben wir uns in Zeiten der Photoshop-Effekte diese Einfachheit zurückgewünscht? Ich kann Schatten und Verläufe nicht mehr sehen. Ich mag es pur.

Ist das Logo zu hart? Das ist purer Chauvinismus, weil der ganze Satz in der Regel ja lautet: "Ist es nicht zu hart für eine Frau?" Clinton steht für klare Kante. Vielleicht muss sie das sogar mehr als jeder Mann, um ernst genommen zu werden (worum ich sie nicht beneide) und so tritt sie dann eben auch auf. Jetzt vergleichen alle das Logo mit dem Obama-O mit den drei roten Streifen (und dem schicken Verlauf!). Tja, das waren noch andere Zeiten, da ging noch die Sonne richtig schön auf und die Zukunft leuchtete hell. Im Moment passt das nur einfach nicht so gut.

Und was soll dieses Zeichen uns nun sagen? Für mich zeigt der Pfeil nach vorn. Ganz einfach. Er kommt aus der Mitte des Buchstabens und für die Mitte der amerikanischen Gesellschaft hat Clinton sich einzusetzen versprochen. Und vielleicht ist er ja auch auf das rechte, amerikanische Lager gerichtet. Es ist eigentlich ziemlich simpel. Und simpel ist gut für ein Symbol, das nichts anderes können muss, als das man es wiedererkannt und mit bestimmten Inhalten verbindet. Nicht das Logo ist der Inhalt, sondern die Frau, für die das Logo steht, liefert diese Inhalte. Das darf man nicht vergessen. Dass man darüber hinaus jede Menge anderer Interpretation in dieses Zeichen hineindenken kann, ist ja klar (was fiele mir alles zu den drei roten Streifen im Obama-Logo ein…). Das ist immer so und irgendwo hier beginnt dann auch die Polemik.

Als ich das Logo vor einigen Tagen zum ersten Mal sah, war ich überrascht. So etwas hatte ich nicht erwartet. Eher hatte ich wohl gedacht, dass Clinton versuchen würde, den genialen visuellen Feldzug des Barack Obama nachzuahmen. Sie hat dem widerstanden und das ist mutig. Statt dessen: In your face! Ich finde das toll.

Johannes Erler ist Partner der Agentur ErlerSkibbeTönsmann in Hamburg, die auf Markenkommunikation, Editorial Design und Schriftgestaltung spezialisiert ist. Zuvor war er Art Director des Wochenmagazins "Stern". Zuletzt hat er eine Monografie über Erik Spiekermann geschrieben, die im Gestalten Verlag erschienen ist.

Szene aus einem Werbespot von Hillary Clinton - mit dem kritisierten Logo (CR: Hillary Clinton):

von einem W&V Leserautor - Kommentare Kommentar schreiben