Work | | von Markus Weber

Kreativitäts-Killer: Großraumbüros in der Kritik

Transparenz, Austausch, Kommunikation - schon seit Jahrzehnten singen die Agenturen das Hohelied auf ihre flexiblen Großraumbüros. Doch die jüngste Forschung zeigt: Diese Räume sind Leistungs-, Zufriedenheits- und Kreativitäts-Killer.

Forscher der Universität Stockholm haben in einer Studie kürzlich unter anderem nachgewiesen, dass die Zahl der Krankmeldungen in Großraumbüros signifikant höher liegt. Vor drei Jahren haben bereits britische Forscher herausgefunden, dass das Wohlbefinden der Beschäftigten durch die Sammel-Unterbringung um 32 Prozent abnimmt und ihre Arbeitsproduktivität um 15 Prozent sinkt. Unerwünschte Gehirnaktivitäten lenkten die Leute von der Erledigung ihrer eigentlichen Arbeit ab, so lautete ihre Erklärung damals. Diese Ablenkung geschehe auch völlig unbewusst - das heißt, ohne dass der Mitarbeiter überhaupt das Gefühl habe, tatsächlich abgelenkt zu sein.

Es fehlen die nötigen Rückzugsmöglichkeiten. Die englischen Studienautoren haben schon damals darauf hingewiesen, dass Beschäftigte immer die Möglichkeit haben sollten, ihren Schreibtisch und ihre Arbeitsumgebung individuell zu gestalten - etwa durch das Aufstellen von Bildern oder Pflanzen. Das erhöhe die Konzentration und Arbeiteffektivität.

Irgendwie liegt der Verdacht nahe, dass es auch beim großen Hype um die Großraumbüros in Wahrheit - wieder einmal - in erster Linie um das Einsparpotenzial ging. Doch das Konzept scheint nicht ganz zu Ende gedacht. Denn Leistung - das zeigen die jüngsten Forschungen - erfordert eben auch Konzentration. Gut möglich, dass so mancher extrovertierte Chef das schlicht und einfach nicht nachvollziehen kann.

Dann sollte er vielleicht einfach mal in sich gehen. Denn eines ist ja inzwischen längst bekannt: Die Introvertierten sind die wahren Leistungsträger - Brainstorming und Gruppenarbeit sind absoluter Blödsinn. Das wissen wir spätestens seit der viel beachteten "Spiegel"-Titelgeschichte "Triumph der Unauffälligen" aus dem Jahr 2012.

Am vergangenen Wochenende widmete sich das SZ-Feuilleton in seinem Aufmacher ebenfalls dem Thema. Der Tenor auch hier: Konzentration, Arbeitsleistung, ja sogar die Gesundheit der Beschäftigten sind irgendwie längst zur Nebensache geworden. Und das Unbehagen über genau diese Entwicklung nimmt mehr und mehr zu.

Kreativitäts-Killer: Großraumbüros in der Kritik

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