Serviceplan und INSM | | von Anja Janotta

Peinliche PR: Wie die Lobbyisten ihre Vodoo-Puppen verteidigen

Ein "augenzwinkernder Neujahrsgruß" soll es gewesen sein, keine besonders ausgefeilte Kampagne: So verteidigt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) die umstrittene Vodoopuppen-Aktion von Serviceplan Public Opinion gegenüber W&V Online. Zum Jahresanfang hat die Agentur etwa 2.000 Grußkarten mit Voodoo-Puppen an Berliner Abgeordnete und politische Multiplikatoren verschickt. In die Puppe (sie soll einen malträtieren Bürger darstellen) können die Politiker sechs Nadeln mit Wahlversprechen pinnen: Erbschaftssteuer, Energiesubventionen, Zuschussrente, Mindestlohn, Vermögenssteuer und die Frauenquote.

Nicht nur die "Süddeutsche Zeitung" hat die Aktion verrissen ("Nicht zum ersten Mal fällt die Lobbyarbeit der INSM durch Peinlichkeiten auf"), auch im Netz ist das Echo negativ. "Voll plemplem" kommentiert ein Facebook-Nutzer auf der INSM-Seite. "Peinlich" und "geschmacklos" - so lauten die Kommentare auf Twitter. Noch hätte man zu wenig Reaktionen erhalten, um ein einheitliches Bild daraus gewinnen zu können, sagt der INSM-Sprecher gegenüber W&V.

Man wolle mit der Aktion "Verfluchte Wahlversprechen" zeigen, dass viele "Wahlversprechen, die gut gemeint sind, schmerzhafte Auswirkungen für den Bürger" hätten, so Sprecher von Hennet. Doch die Frage danach, welche negativen Auswirkungen denn eine Frauenquote hätte, bringt den Sprecher ins Schwimmen. Eine Frauenquote helfe ja nur ambitionierten Frauen, die ohnehin auf dem Sprung in die Vorstandsetage stünden, nicht aber den zahlenmäßig viel häufiger vertretenen Frauen, die nach einer Babypause den Berufseinstieg suchten,weicht von Hennet aus. Ihre Arbeit erfahre durch eine Frauenquote aber nicht automatisch mehr Wertschätzung. Die mageren Argumente muss er später selbst wieder gerade rücken: Der Neujahrsgruß sei ja scherzhaft gemeint gewesen und nur mit "begrenzter intellektueller Unterfütterung" gestaltet worden.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft macht seit ihrer Gründung 2000 Lobbyarbeit. Finanziert wird sie von der Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie. Nach eigenen Angaben hatte sie 2012 einen Etat von 6,97 Millionen Euro zur Verfügung.

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