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Maurice Levy und John Wren machen gemeinsame Sache.
Maurice Levy und John Wren machen gemeinsame Sache. © Foto:Agenturen

Agenturhochzeit | | von Anja Janotta

Publicis und Omnicom fusionieren

WPP ist vom Thron gestürzt: Mit der Fusion von Omnicom und Publicis entsteht eine neue Nummer 1 der Agenturgruppen. Mit 130.000 Mitarbeitern kommt die Gruppe auf einen gemeinsamen Börsenwert von 27 Milliarden Euro. Es sei eine Fusion unter Gleichen, betonten die Unternehmen in einer gemeinsamen Erklärung an die Mitarbeiter. Die Fusion, die per Aktientausch über die Bühne gehen werde, soll Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein. Allerdings müssen noch die Wettbewerbshüter zustimmen, was eventuell noch eine Hürde darstellen könnten.

Unter das Dach des neuen Konglomerats kommen dann Agenturen wie BBDO, DDB, TBWA, Saatchi & Saatchi, Leo Burnett, OMD, ZenithOptimedia, Ketchum oder Fleishman-Hillard. Laut Investoren-Prospekt würden sieben der 15 am meisten mit Awards dekorierten Agenturnamen, sieben der zehn kreativsten Agenturen und vier der Top-Digital-Shops aus dem Hause der neuen Publicis Omicom Group stammen. Nach eigenen Angaben erwirtschafteten alle Töchter zusammen einen Umsatz von 17,7 Milliarden Euro und kamen auf ein Ebitda von 2,8 Milliarden Euro.

An der neuen Publicis Omnicom Group werden Publicis wie Omnicom je rund die Hälfte der Anteile halten. Die neue Gesellschaft wird ihren Sitz in den Niederlanden haben, die Zentralen bleiben aber in Paris und New York. Dort sollen auch die Aktien notiert bleiben. Publicis-Chef Maurice Levy und Omnicom-Chef John Wren sollen die Gruppe als gleichberechtigte Chefs führen. In der gemeinsamen Erklärung an die Mitarbeiter heißt es: "Dies ist eine historische Gelegenheit für uns, unsere Branche umzugestalten und einen neuen Standard für Premium-Leistung zu etablieren."

Die Konkurrenz ätzt bereits gegen den Deal: "Das ist ein Geschäft, das zwei Menschen glücklich macht und 130.000 Mitarbeiter und eine ganze Menge an Kunden destabilisiert und beunruhigt", so Havas-Chef David Jones. "Heutzutage wollen Kunden uns schneller, agiler, mehr behände und  unternehmerischer, nicht größer und bürokratischer und komplexer." dpa/aj

Publicis und Omnicom fusionieren

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Kommentar zur Mega-Fusion: "Erst der Anfang einer weiteren Konsolidierung"

von Kerstin Richter

Der Mega-Deal zwischen Omnicom und Publicis wird den Werbe- und Mediamarkt verändern. Und birgt Chancen für kleinere Konkurrenten. Ein Kommentar von W&V-Redakteurin Kerstin Richter.

Es ist der Sommer der Überraschungen. Erst der Funke-Springer-Deal, jetzt folgt ein Paukenschlag in der Agenturbranche: Omnicom und Publicis haben am Wochenende angekündigt zu fusionieren und sprechen von einem "Merger of Equal". Vereint werden die beiden Holdings die neue Nummer eins vor dem ewigen Konkurrenten WPP sein. Allerdings: Die formalen Hürden sind noch längst nicht genommen. Noch steht die Zustimmung der Wettbewerbshüter aus. Es wird spannend sein zu sehen, ob der Merger in allen Ländern kartellrechtlich genehmigt wird.

Und doch: Ganz so überraschend ist der Mega-Deal der beiden Holdings dann doch wieder nicht. Denn eines ihrer Ziele haben Publicis-Chef Maurice Lévy (71) und Omnicom-Boss John Wren (60) bereits erreicht: Die Börse goutiert den Schachzug. Die Omnicom-Aktie stieg seit dem Schlusskurs am Freitag um zehn Prozent auf 53 Euro an der Frankfurter Börse, die der Publicis Group um 3,7 Prozent. Und es ist genau diese Börsenstory, die die beiden Konzerne bedienen. Wachstum durch Fusionen oder Übernahmen.

Schon wird spekuliert, dass sich hier zwei Konzernbosse zum Ende ihrer Karriere ein Denkmal setzen und als Nummer eins abtreten wollen. Macht war schon immer ein großer Treiber. Und zweifelsohne kann Lévy so auf elegante Weise seine Nachfolge regeln. Doch ein Erzrivale wird dem Treiben sicher nicht lange zuschauen: Martin Sorrell. Für den WPP-Boss, vermutet ein Wegbegleiter, ist der angekündigte Merger eine unfassbare Herausforderung. Die Folgen liegen auf der Hand: eine weitere Konsolidierung unter den Holdings. So gilt Interpublic schon lange als Übernahmekandidat. Bereits in diesem Jahr hat sich die japanische Dentsu in einer "freundlichen Übernahme" die Aegis Group, zu der die beiden Media-Networks Carat und Vizeum gehören, einverleibt.

Auch im Falle von Omnicom und Publicis ist eine der spannendsten Fragen, wie sich der Merger auf das Mediageschäft auswirkt. Naheliegend ist, dass sie ihre Kräfte bündeln, um günstigere Einkaufskonditionen zu erwirken. Für Medien wäre das sicherlich keine gute Botschaft.

Noch sind viele Fragen unbeantwortet. Zum Beispiel die der kulturellen Passung. Denn zweifelsohne prallen zwei Welten aufeinander – hier die vom patriarchalisch agierende Franzosen Lévy geführte Publicis, dort die durch und durch amerikanisch geprägte Omnicom. Oder die der Kundenkonflikte, auch wenn sich heute Unternehmen deutlich aufgeschlossener zeigen. Beispielsweise betreuen bereits jetzt Omnicom-Agenturen die konkurrierenden Autokonzerne Volkswagen (DDB Tribal) und Daimler (BBDO). Oder im Pharmabereich: Dort gilt es längst als USP, wenn eine Agentur Kompetenzen vorweisen kann. Konflikte sind eben nur dann Konflikte, wenn Kunden sie sehen wollen.

Oder die Frage nach den berühmten Synergien: 500 Millionen US-Dollar sollen eingespart werden – man wird die Potenziale sicherlich finden in der Produktion, im Backoffice oder bei Investitionen in technische Entwicklungen. Und möglicherweise nicht zuletzt, indem Agenturmarken zusammengelegt werden. All das bleibt abzuwarten.

Aber letztlich ist Kommunikation immer noch People-Business. Es geht um Talente, es geht um Kreativität. Darüber spricht im Zusammenhang mit dem jetzt angekündigten Mega-Deal keiner. Von dem Drang zur schieren Größen der Einen könnten daher Andere profitieren: die kleineren Gruppen wie MDC Partners, zu der zum Beispiel Agenturen wie Crispin Porter & Bogusky und 72andSunny gehören, und die management- oder inhabergeführten Agenturen. Als agil und kreativ positionierte Firmen könnten sie gerade jetzt ein Gegengewicht im Markt bilden. Ganz nach dem "David gegen Goliath"-Prinzip.

von Kerstin Richter - Kommentare Kommentar schreiben

Publicis Omnicom Group: Die FAQs zur Mega-Fusion

von Frauke Schobelt

Den Arc de Triomphe in Paris als Kulisse - besser hätte man die Verkündung des Mega-Deals kaum inszenieren können: Mit ihrer Unterschrift schaffen Publicis-Chef Maurice Lévy und Omnicom-CEO John Wren den weltweit größten Werbekonzern und stoßen damit WPP mit Martin Sorrell an der Spitze vom Thron - sofern die Wettbewerbshüter zustimmen. Worauf muss sich die Werbebranche einstellen - W&V Online hat die wichtigsten Fakten zur neuen Holding gesammelt. Lesen Sie dazu auch den Kommentar von W&V-Redakteurin Kerstin Richter.

1. Wie heißt der neue Riese und wo ist die Zentrale?

Die Publicis Omnicom Group hat ihren Hauptsitz in den Niederlanden, aus Neutralitäts- und Steuergründen, heißt es in den Medien. Das operative Geschäft der Agenturgruppen wird weiterhin von Paris und New York aus gesteuert. 

2. Wer leitet die Holding?

Der Konzern soll gleichberechtigt geführt werden, die Netzwerk-Chefs sprechen von einer "merger of equals". 30 Monate lang werden die Holding Maurice Lévy (71) und John Wren (60) gemeinsam als CEOs leiten. Anschließend überlässt Lévy dem "Jüngeren" das Feld. Die Position des Chairman der Publicis Omnicom Group wird rotieren. Im ersten Jahr übernimmt Omnicom-Chairman Bruce Crawford den Posten, danach folgt im zweiten Jahr Elisabeth Badinter. Nach dem Ablauf der 30 Monate übernimmt dann Lévy.   

3. Welche Agenturen und Dienstleister gehören zum neuen Werberiesen?

Zur Publicis Groupe mit Headquarter in Paris gehören weltweit 1283 Agenturen in 108 Ländern. Wichtige Agenturmarken sind

Digital: Digitas, Razorfish, Rosetta, Vivaki

Kreativ: Publicis Worldwide, Leo Burnett,  Saatchi & Saatchi,  BBH

PR und Events: MSL Group

Media: Zenith Optimedia, Starcom Mediavest (in Deutschland unter dem Vivaki-Dach).

Healthcare: Publicis Healthcare Communications Group (PHCG)

In Deutschland gehören unter anderem dazu: Pixelpark, Saatchi & Saatchi, LBi, MSL, Digitas Germany, Leo Burnett, Metadesign, Razorfish, Newcast sowie Optimedia, Vivaki Düsseldorf mit Zenith, Starcom Mediavest. Publicis Deutschland soll künftig unter das Dach von Pixelpark schlüpfen. Die Leitung der gesamten Gruppe übernehmen Horst Wagner (Vorstandsvorsitzender sowie CEO und CFO der AG) sowie Dirk Kedrowitsch (Vorstand und COO und zugleich Geschäftsführer von Publicis Deutschland).

Zur Omnicom-Gruppe mit Headquarter in New York gehören mehr als 1000 Werbeagenturen und Marketing-Dienstleister in 100 Ländern, darunter die großen Agenturmarken:

DDB Worldwide, TBWA Worldwide, BBDO Worldwide

sowie die Public-Relations-Gruppen Fleishman-Hillard,  Ketchum,  Porter Novelli

Media: Omnicom Media Group mit den Agenturen OMD und PHD.

4. Wie ist die Marktstellung der neuen Holding?

Mit einem Umsatz (2012) von 11,07 Milliarden Euro ist Omnicom die Nummer zwei im Markt, Publicis erzielte 2012 einen Umsatz von 6,61 Milliarden Euro Umsatz und ist damit die Nummer drei. Gemeinsam überflügeln sie mit 17,68 Milliarden Euro Umsatz die bisherige Nummer 1 - WPP kam 2012 auf 12,79 Milliarden Euro Umsatz.

Omnicom (Umsatz nach Segmenten)

Werbe- und Mediaagenturen 5,26 Milliarden Euro
CRM 3,99 Milliarden Euro
Public Relations 1,00 Milliarden Euro
Spezialagenturen 0,81 Milliarden Euro
Gesamt 11,07 Milliarden Euro

Publicis (Umsatz nach Segmenten)

Digitalagenturen 2,18 Milliarden Euro
Werbeagenturen 1,98 Milliarden Euro
Spezialagenturen 1,25 Milliarden Euro
Mediaagenturen 1,19 Milliarden Euro
Gesamt 6,61 Milliarden Euro

Der Börsenwert der neuen Holding beträgt 27 Milliarden Euro, der von WPP rund 18 Milliarden Euro. 

5. Welche Kunden werden von der Holding betreut?

Omnicom betreut mehr als 5000 Kunden in 100 Ländern, darunter Big Spender wie Procter & Gamble, McDonald's, Pepsi, Philips, Apple und Google. Auch Publicis hat tausende Kunden aus allen Branchen auf der Liste. Zu den Topkunden zählen American Express, Coca-Cola, Telekom, Ebay, GM, Heineken, Kraft, Mars, McDonald's, Mercedes-Benz, Microsoft, Nestlé, P&G, Samsung, Toyota, Unilever, Volkswagen.

6. Wo gibt es Überschneidungen und wie gehen die Netzwerke damit um?

Beide arbeiten für Großkunden wie McDonald's, Procter & Gamble, L'Oréal sowie AT&T. Da wird es sicherlich eine engere Zusammenarbeit geben - und ein netzinternes Balgen um den Lead. Ebenso spannend ist der Umgang mit Holding-Kunden, die im harten Wettbewerb zueinander stehen, wie Pepsi und Coca-Cola, Microsoft und Google, Volkswagen und Toyota, um nur einige Beispiele zu nennen. Das birgt Konfliktpotenzial. Dieses Überlappungsproblem ist allerdings nicht neu, das haben die großen Agenturgruppen bei der Fülle an Kunden bisher auch schon. So betreut beispielsweise die Publicis Group Kunden wie Telekom und O2, Volkswagen und Mercedes-Benz oder Pfizer und Novartis. Maurice Lévy verweist deshalb auf bestehende "chinese walls", die in den Agenturen dafür sorgen, dass Geschäftsgeheimnisse nicht verletzt werden.

Auch Kunden reagieren gelassen, wie Ingo Kahnt, Leiter Nationale Kommunikation Marketing und Senior Manager Marketing Communication von Toyota Deutschland und Kunde von Saatchi & Saatchi: "Die weitere Konsolidierung der Agenturnetzwerke ist ein normaler wirtschaftlicher Prozess. Wir gehen davon aus, dass uns Saatchi & Saatchi weiter mit der gleichen Flexibilität wie vorher betreut. Einen wachsenden Kundenkonflikt sehen wir nicht, da sich alle Agenturen des Netzwerks untereinander abgrenzen. Diese Situation kannten wir schon von S&S mit Volvo sowie Renault bei Publicis. Hier hat es nie Probleme gegeben."

Das betont auch Volkswagen-Pressesprecher Eric Felber: "Unter dem Dach von Omnicom gab es schon vorher Agenturen, die für Wettbewerber tätig waren und sind – auch hier gab es stets eine klare Trennung zwischen den einzelnen Agenturen und deren Automobilkunden. Wir gehen davon aus, dass sich daran auch nach der Fusion zwischen Omnicom und Publicis nichts ändern wird."

7. Was bedeutet die Fusion für die Mitarbeiter?

Insgesamt arbeiten mehr als 130.000 Menschen (Omnicom 71.100, Publicis 58.000) für die neue Holding. Die Höhe der Synergieeffekte beziffern Lévy und Wren auf rund 380 Millionen Euro, vor allem in der Verwaltung, Personal, Buchhaltung und Controlling könnten Jobs wegfallen. Allerdings wolle die Holding "sehr schnell wachsen", versichern die Netzwerk-Bosse. Das könnte Job-Verluste vermindern.

8. Wie ist die Holding im Digitalbereich aufgestellt?

Die Publicis Group hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Digitalagenturen aufgekauft - wie Razorfish, Pixelpark, LBI - und positioniert sich als größtes Digital-Netzwerk. Das Digitalgeschäft steuerte 2012 mit 2,18 Milliarden Euro ein Drittel zum Gesamtumsatz bei. Omnicom setzt dagegen auf integrierte Strukturen und den Ausbau von Digital-Expertise innerhalb der Agenturen und Dienstleister. Gemeinsam sind sie ein Gigant im Markt - eine gute Basis für Geschäfte mit digitalen Giganten wie Google.

9. Wie verändert die Fusion den Markt der Mediaagenturen?

Der Markt wird kräftig umgekrempelt (siehe aktuelle Daten von Recma und die Vergleichszahlen von 2011). Die Mediaagenturen OMD, PHD, Zenith Optimedia und PHD der Publicis Omnicom Group können ihre Macht bündeln und ein Gegengewicht zur Group M der WPP bilden. Die Medien und ihre Vermarkter haben es mit einem weiteren Einkaufsriesen zu tun, der um Rabatte feilscht. 

Quelle: Recma 2012

Quelle: Recma 2012

Die absoluten Zahlen für 2012 hat Recma noch nicht veröffentlicht, hier deshalb die Daten von 2011.

recma media spendings global
Recma

10. Wie reagiert die Branche?

Advertising Age: "The biggest merger to ever occur in adland"

Havas-Chef David Jones ("Reuters" und Spiegel Online): "Die Obsession der Branche mit Fusionen und Akquisitionen überrascht mich immer noch. Denn in der digitalen und technologischen Welt sind solche Größenordnungen irrelevant." Und weiter: "Das ist ein Geschäft, das zwei Menschen glücklich macht und 130.000 Mitarbeiter und eine ganze Menge an Kunden destabilisiert und beunruhigt. Heutzutage wollen Kunden uns schneller und agiler - nicht größer, bürokratischer und komplexer."

(Quellen: Medienberichte, Pressemitteilung, Annual Report Omnicom, Annual Report Publicis, Mediatabellen: Leif Pellikan)

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"Überkommene Fusionslogik": Das sagen Agenturchefs zur Elefantenhochzeit

von Markus Weber

Die Chefs deutscher, inhabergeführter Werbehäuser lassen erwartungsgemäß kaum ein gutes Haar an der Mega-Fusion zwischen der US-Holding Omnicom und Publicis aus Frankreich. "Zwei ungleiche Partner mit unterschiedlichsten Kulturen werden verschmolzen, um den üblichen Kapitalmarktgesang von Synergiepotentialen, Kostenoptimierung und globaler Power anzustimmen", meint etwa Kolle-Rebbe-Mitgründer Stephan Rebbe zu der angestrebten Fusion. Er sehe "ein DaimlerChrysler der Kommunikationsindustrie auf uns zukommen", so Rebbe gegenüber W&V Online: "Für uns Wettbewerber bedeutet der Merger eher Gutes: Die handelnden Organisationen werden sich mehr mit sich selbst beschäftigen als mit dem Markt."

Hubertus von Lobenstein, Mitinhaber von Aimaq von Lobenstein in Berlin, sieht die Folgen der Fusion besonders bei den Mediahäusern: "Auswirkungen hat das sicher auf die Konzentration der Einkaufsmacht seitens der Mediaagenturen. Medien werden sich noch stärker auf eisenharte Verhandlungen einstellen müssen." Beim Kommunikationsangebot selbst erwartet der langjährige Networkchef (Saatchi & Saatchi, TBWA) dagegen keinerlei Veränderungen: "Größe macht das Produkt nicht besser, sondern bestenfalls die Börse glücklich." Er erwarte, dass es auf dem Markt demnächst wieder Werbetalente auf der Suche nach einem neuen Zuhause geben werde. Dass der Zusammenschluss von einem neuen Denken angetrieben werde, lässt sich für Lobenstein aus den ersten Statements der Beteiligten nicht herauslesen: "Das liest sich eher wie das 'Same old, same old' einer überkommenen Fusionslogik."

"Hinter der Frage, warum dieser Merger entsteht, stehen ja nicht solche nach dem Sinn für den Kunden, sondern der pure Wille den Markt zu dominieren", ist Crossmedia-Chef Markus Biermann überzeugt. Er vermutet, dass kleinere und mittlere Networks besonders nervös reagieren werden - was noch zu weiteren Deals führen könnte. Auch Biermann glaubt: "Die unabhängigen Häuser können weiterhin und noch verstärkt mit ihrer Wendigkeit im kundenindividuellen Beratungsgeschäft punkten." Schnelligkeit, Flexibilität und Leidenschaft sprächen eher für die Unabhängigen.

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Marketing-Entscheider: Omnicom-Publicis-Fusion bringt nichts

von Uli Busch

Laut der jüngsten Snapshot-Blitzumfrage von Roland Berger, Münchner Gespräche und W&V hält die Mehrheit der Marketing-Entscheider kaum etwas von der geplanten Mega-Agenturfusion zwischen Omnicom und Publicis. Beinahe 60 Prozent der Befragten glauben, der Merger sei kontraproduktiv und bringe nichts, da die Agenturgröße nicht das entscheidende Kriterium sei. Lediglich 22 Prozent gaben an, dass der Deal den Werbemarkt umkrempeln und den Networkagenturen insgesamt wieder mehr Bedeutung geben werde. Alle Informationen zu den Hintergründen der geplanten Fusion und ihre Auswirkungen auf den Agenturmarkt lesen Sie in der neuen Ausgabe von W&V (Nr. 32/2013 vom 5.8.).

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Fragen zur Umfrage-Methodik? Hier gibt es mehr Infos.

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Icom: Agenturhochzeit als Steilvorlage

von Susanne Herrmann

Auf die Traumhochzeit folgt oft eine besonders harte Bruchlandung. Vor allem, wenn zwei Branchenriesen sich paaren, geht das selten ohne Opfer. Ganz schlich inszeniert, führt dieses Video ein paar Beispiele für große Fusionen an. Begleitet (ganz klassisch) vom Hochzeitsmarsch von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Bildern eines entzückenden Pärchens weißer Tauben. Absender ist Icom. Der weltweit agierende Agenturverbund mit mehr als 100 inhabergeführten Mitgliedsagenturen nutzt kess die Verschmelzung von Omnicom und Publicis zur Eigenwerbung.

Die angeführten Beispiele von Riesen-Mergern - Time Warner/AOL, Sony/Ericsson, Daimler/Chrysler - endeten alle mit sehr teueren Scheidungen und Pleiten. Entsprechend süffisant gibt sich Icom, das "independent agency network", im Video "offen für Scheidungskinder".

Gerade heute meldet passend dazu Elite Partner, welche die häufigsten Trennungsgründe sind. Die meisten Beziehungen scheitern laut Befragung an "zu wenig Zeit füreinander", "Stress im Beruf" und "schwierigen finanziellen Situationen". An diesen Themen werden womöglich Wren und Lévy ebenfalls arbeiten müssen.

von Susanne Herrmann - Kommentare Kommentar schreiben