PIAF | | von Susanne Herrmann

Schill ist der höchstdekorierte Kreative der Welt

Die besten Kreativdirektoren des Jahres hat das Prague International Festival (PIAF) ermittelt. Der Deutsche Alexander Schill (CCO von Serviceplan) führt die Top Ten an. In die Wertung, die Mai 2011 bis August 2012 umfasst, fließen internationale Wettbewerbe ein, darunter der ADC of Europe (2011+2012), die Andy Awards, das Asia Pacific Advertising Festival, Cannes Lions (2011+2012), Cresta Awards, D&AD (2011+2012), Epica Awards, Eurobest, Golden Drum, LIAA, New York Festival, PIAF, Spikes Asia, oder Wave Brazil (komplette Liste hier).

Der Kreativchef von Serviceplan führt mit deutlichem Abstand vor den punktgleich Zweitplatzierten, Mark Fitzloff und Susan Hoffman von Wieden + Kennedy in Portland/USA. Schill hat 122395 Punkte in der Award-Wertung erreicht, die ECDs Fitzloff und Hoffman je 110430.Zwei Frauen haben es unter die besten zehn geschafft: Neben Hoffman die neuntplatzierte Hattie Cheng, CD bei JWT Shaghai.

Die besten zehn Kreativdirektoren der Welt sind:

01. Alexander Schill, CCO - Serviceplan Group, Deutschland
02. Mark Fitzloff, ECD - Wieden+Kennedy, USA     
02. Susan Hoffman, ECD - Wieden+Kennedy, USA     
04. Mark Bernath, ECD - Wieden+Kennedy, Niederlande
04. Eric Quennoy, ECD - Wieden+Kennedy, Niederlande
06. Elvis Chau, ECD - JWT Shanghai, China     
07. Luiz Sanches, CD - AlmapBBDO, Brasilien (Nummer eins im Vorjahr)
08. Yang Yeo, CCO - JWT Shanghai, China     
09. Hattie Cheng, CD - JWT Shanghai, China     
10. Rojana Chuasakul, CD - JWT Shanghai, China   

 
Weitere erfolgreiche deutsche CDs unter den Top 50 sind Matthias Harbeck (Serviceplan) auf Platz 30 (bereinigt um doppelt belegte Plätze), Stefan Walz (Shift) auf Platz 40 (bereinigt), Oliver Palmer (Serviceplan) auf Platz 43 (bereinigt), Matthias Spaetgens (Scholz & Friends) auf Platz 45 (bereinigt), Christoph Everke (Serviceplan) auf Platz 46 (bereinigt), Ralf Heuel (Grabarz & Partner) auf Platz 48.

Schill ist der höchstdekorierte Kreative der Welt

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Der Fall Schill: Von der deutschen Neid- und Nölkultur

von Susanne Herrmann

"Glückwunsch zum Sieg gegen Real gestern Abend!" So vermeintlich positiv begegnete der FCB-Fan heute Morgen dem Borussen im Redaktionsflur. Aber der reagiert maulend: Denn Ruhrpott-Rivale Schalke hat seinen Gegner Arsenal ebenfalls bezwungen. Ein Wermutstropfen im Fußballglück.

Genauso geht es zu unter Kreativen. Statt dass man sich freut, wenn gute Leistungen der ortsansässigen Konkurrenten unsere Position auf dem Weltmarkt stärken, siegt deutsche Neid- und Nölkultur. Nicht immer, nicht bei jedem, aber allzu oft. In Interviews bestätigen uns deutsche Kreative, die in internationalen Wettbewerbs-Juries sitzen, immer wieder: Der Brasilianer gibt sein Stimme der nominierten brasilianischen Arbeit, der Asiate dem Kollegen aus dem Nachbarland, um die Kreation aus Fernost zu stärken. Der deutsche Juror aber muss sein Revier verteidigen oder kann keinen anderen Top-Kreativen neben sich ertragen (wir spekulieren mal nur), ist neidisch auf die Leistung des Büros vier Straßen weiter, ist der oft gesehenen Werbung überdrüssig  - und vergibt seine Punkte dann allzu gern an (von ihm) noch nie Gesehenes aus fernen Ländern, gern England oder Amerika, weil er da den Humor und die Mentalität noch einigermaßen versteht.

Verstärkt wird das nun durch die Motzkultur, die das Social Web begünstigt: Wie einst, als wir noch Leserbriefe schrieben, melden sich online nicht nur, aber vor allem die zu Wort, die unzufrieden sind, was zu meckern haben, sich übergangen fühlen oder einfach mal Dampf ablassen müssen.

So kommt es dann, dass ein Alexander Schill, der in einer Medaillen-Auswertung des PIAF als Nummer eins weltweit geführt wird (nach Zahl der internationalen Preise) sich daraufhin im Web einiger Kritik ausgesetzt sieht, die zum Teil bei ihm an der völlig falschen Adresse ist.

Ich finde es definitiv ein gutes Zeichen, dass nach Jahren der Selbstgeißelung deutscher Kreation, nach Generationen von jammernden Woanders-ist-alles-besser-Sagern hier einmal ein Kreativchef aus der Bundesrepublik nicht nur in den Top Ten, sondern an deren Spitze gelandet ist. Mit deutschen Arbeiten muss man wieder rechnen, wir können auch anderes als nur pünktlich sein und fleißig!

Die Relevanz der Preise, die Vergabepraxis mancher Wettbewerbe von Auszeichnungen für Goldideen, das Für und Wider dessen, wie umfangreich die Credits sein dürfen und wie weit die Verantwortung eines Kreativchefs für die eingereichten Ideen geht - das ist andernorts zu diskutieren und darüber muss die Branche ebenso wie ihre Fachmedien weiterhin wachen.

Dass es für die Reputation der deutschen Werbebranche und damit für uns alle gut ist, wenn nach ein und demselben Maßstab eine deutscher Kreativer international strahlt, das gilt aber hier ebenso unumstößlich wie die Tatsache, dass es der Bundesliga gut tut, wenn viele deutsche Fußballklubs in internationalen Wettbewerben weit kommen. Das zieht Werbekunden und Talente an, die dazu beitragen, die Qualität zu verbessern. Und bei der wollen wir uns doch alle nicht lumpen lassen. Sexy ist nicht nur, was außerhalb unserer Reichweite liegt.

von Susanne Herrmann - Kommentare Kommentar schreiben