Generation Y | | von Markus Weber

Warum Agenturen beim Recruiting umdenken müssen

Die Arbeitswelt verändert sich radikal. Fachleute sprechen von einer regelrechten Zeitenwende. Das Angebot an Fachkräften sinkt. Immer mehr Branchen haben Probleme, geeigneten Nachwuchs zu finden. Und gleichzeitig formulieren die Millennials, die jetzt in das Berufsleben eintreten, Ansprüche, die in den Ohren ihrer Chefs teilweise unerhört klingen.

Die "Generation Y" mag nicht immer klare Vorstellungen davon haben, was sie will, doch sie weiß ganz genau, was sie nicht will. "Sie will nicht 50 bis 60 Stunden arbeiten und ständig für den Job erreichbar sein", sagt Christoph Beck von der Hochschule Koblenz, der im vergangenen Jahr die "Embrace"-Studie der Medienfabrik Gütersloh wissenschaftlich begleitet hat. Demnach wollen 71 Prozent außerhalb der Arbeitszeit nicht erreichbar sein müssen. 57 Prozent der Nachwuchstalente wünschen sich explizit eine freie Einteilung ihrer Arbeitszeit. "Bei Vertragsverhandlungen wird es künftig nicht nur um Geld, sondern vor allem um sehr gute Arbeitsbedingungen gehen. Konkret: um mehr Freizeit, mehr Urlaub, ein Sabbatical, einen garantierten Feierabend, mehr Home-Office-Zeiten und eine freie Einteilung der Arbeitszeit", prognostiziert Embrace-Studienleiter Gero Hesse.

Vor allem im Jobkontext stellt diese Generation die althergebrachten Systeme in Frage, resümieren die Studienautoren. Die Millennials wollen, dass es bei ihnen im Job anders läuft als in ihrer Elterngeneration. 54 Prozent von ihnen planen sogar, spätestens nach drei Berufsjahren Kinder zu bekommen. "Gerade bei karriereorientierten Studenten galt früher die Maxime: Erst Karriere machen und irgendwann später einmal Kinder. Unsere Studie zeigt: Die junge Generation hat hier radikal andere Vorstellungen", so Gero Hesse.

Diese Generation denkt anders als die vorherige. Und damit haben viele Führungskräfte in den Agenturen ein Problem. Die Agenturchefs, die heute in den Häusern das Sagen haben, sind geprägt von den 90er-Jahren. Einer Zeit, in der solch schöne, direkte Sätze wie "Quäl dich, du Sau" nicht nur im Radsport gang und gäbe waren, sondern auch in den Agenturen zum normalen Umgangston gehörten. Es war eine schöne Zeit. Aber sich etwas darauf einzubilden, die harte Schule durchgemacht zu haben und gleichzeitig über die heutige "Generation Weichei" zu schimpfen, das wäre ein schlimmer Fehler.

Dieses Gejammer wird nichts bringen. Überhaupt nichts. Denn - liebe Agenturchefs: Die "Generation Y" sitzt am längeren Hebel. Aufgrund der demografischen Entwicklung und der damit einhergehenden veränderten Angebots-Nachfrage-Situation werden es genau diese jungen Leute sein, die in Zukunft immer mehr darüber mitbestimmen werden, wie die Rahmenbedingungen ihrer beruflichen Tätigkeit zu gestalten sind.

Bei der Anpassung an diese neue Arbeitswelt gehören die Agenturen nicht zu den First Movern. Das verwundert nicht. Denn gerade beim Thema Arbeitszeiten haben es Dienstleister traditionell viel schwerer als andere Unternehmen. Wesentlich schwerer aber wiegt das Versagen vieler Agenturen bei den Themen Personalentwicklung und Führungskultur. Wer heute noch Weisheiten nachhängt wie "Nur die Harten kommen in den Garten" braucht sich am Ende nicht zu wundern, dass die Besten einen großen Bogen um ihn machen. Denn wer hätte das gedacht: Die Kombination aus schlechtem Führungsstil, unattraktiven Arbeitszeiten und langem Ausharren bis zu einer anständigen Bezahlung kommt speziell bei Überfliegern gar nicht gut an. 

Die Agenturen sollten den guten Leuten das geben, wonach sie suchen. Und zwar nicht erst am Sankt Nimmerleinstag. Bislang ist es leider so, dass viele Häuser den Top-Talenten nicht viel mehr zu bieten haben als spannende Aufgaben. Die sind wichtig. Aber die gibt es auch anderswo.

Anstatt über die "Generation Y" zu klagen, müssen sich die Agenturen den neuen Gegebenheiten anpassen und sich zukunftsfähig aufstellen.

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