Andreas Geyer über das Flaggenprojekt von Hornbach: "Mutig, weil es bestimmt ein paar Pegida-Anhänger gibt, die ihre Gartenzwerge jetzt lieber in einem anderen Baumarkt kaufen."
Andreas Geyer über das Flaggenprojekt von Hornbach: "Mutig, weil es bestimmt ein paar Pegida-Anhänger gibt, die ihre Gartenzwerge jetzt lieber in einem anderen Baumarkt kaufen." © Foto:Hornbach

Kampagnenkritik | | von W&V Online

Warum Pegida-Anhänger ihre Gartenzwerge jetzt woanders kaufen

Woche für Woche bewerten im "Kontakter" Kreative Markenkampagnen oder Markenauftritte. Dabei geht es um Arbeiten, die sie besonders beeindrucken. Oder besonders ärgern. Sie loben oder kritisieren und geben manchmal ganz ehrlich zu, diese Idee selber gerne gehabt zu haben. Zum Abschluss der Serie stellen wir die Kampagnen-Kritik aus dem aktuellen Heft und weitere Meinungstexte vor. 

Andreas Geyer, Creative Partner von Orange Council, Hongkong, über die Marke Hornbach (Agentur: Heimat, Berlin) und ihr "Global Flag Project".

Eine Marke sinnvoll zu bewerben und gleichzeitig eine gesellschaftlich-politische Aussage zu treffen, das geht meistens in die Hose. Mutig, dass es Heimat probiert und tatsächlich hingekriegt hat. Mutig aber auch, weil es bestimmt ein paar Pegida-Anhänger gibt, die ihre Gartenzwerge jetzt lieber in einem anderen Baumarkt kaufen. Die zen­trale Idee der Aktion ist es, seinen Freunden in der Welt eine Flagge in ihrer Landessprache schicken zu lassen. Das finde ich gut. Ich bitte die Kollegen in Berlin und Hamburg, mir eine auf Kantonesisch für unser Büro in Hongkong zu bestellen. Schließlich muss man ja politische Zeichen setzen, besonders als Werber!

Frank Müller, Creative Director bei Metadesign über die Launchkampagne für den Mini Clubman:

Richtungswechsel durch Rebranding und neuer Launchkampagne: Während die 3D-Optik eigentlich bis dato die Branche fest im Griff hatte, wird MINI auf einmal wieder zweidimensional und schwimmt gegen den Strom. Ein Umbruch. Weniger dynamisch, frech und jung. Mini tritt ab sofort mit einer minimalistischen Anzeigengestaltung und 2D Logo – im "Flat Design" auf (Agentur: KKLD). Für den Mut gibt es von mir ein Lob. Die neue Launchkampagne zum Markenauftritt „Mach, was Du fühlst“, ist schnell, einfach zu verstehen und bietet dem Betrachter zusätzlich die Möglichkeit zum Schmunzeln. Denn Mini verwendet eine für die Marke untypische Perspektive, die das Auto gerne auch mal klein wirken lässt. So bleibt Mini seinen Ursprungsgedanken einer „Kleinwagenmarke“ gerecht, bringt dabei aber ein kompaktes Kombi-Modell auf den Markt. Gut umgesetzt. Aus der Vogelperspektive zur kreativen Punktladung. Der Clubman ist hier mehr als ein weiteres Modellprunkstück, sondern eine Neuausrichtung, ein Schritt der aus Markenperspektive absolut den aktuellen Zeitgeist bedient.

Mini neues Logo groß CR-BMW Group

Uli Happel, Executive Creative Director bei Damm & Bierbaum zu Nespresso und "Café Royal":

Nespresso macht zum Thema Marke alles richtig. Das ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass die Nestlé-Tochter sich gegen die Konkurrenz im Markt behauptet. George Clooney und die elitäre VIP-Welt schaffen mehr als nur den blanken Kaffee: ein echtes Erlebnis. Mit Café Royal gibt es einen Mitbewerber, der ähnlich hochwertig auftritt – aber sich selber nicht so schrecklich ernst nimmt. Robbie Williams schafft als Testimonial einen herrlich ironischen Gegenentwurf zur selbstherrlichen Nespresso-Welt. Die Geheimagenten-Idee ist eigentlich banal. Aber mit sehr viel Witz und Charme umgesetzt. What else? Café Royal.

Andreas Henke , Chief Creative Officer bei Havas Worldwide über den 70-Millionen-Dollar-Clip von Martin Scorcese

Berater stürzt ins Zimmer. 

"Die haben deine Idee gekauft."

Kreativer blickt langsam vom Bildschirm hoch.

"Die sind voll begeistert. Auch von deiner Idee, das Ganze mit Scorsese zu drehen."

 "Habe ich dir ja gleich gesagt."

 "Ja, hast ja Recht."

 Berater lässt sich auf Stuhl fallen.

 "Aber jetzt kommt der Knaller. Die wollen, dass die drei Typen von de Niro, di Caprio und Pitt gespielt werden."

 "No way, nicht mit di Caprio. Dann sagen wir ab. Die glauben wohl, die könnten mit einer Agentur machen, was sie wollen."

 (Gegenüber wird blass.)

 "Hey, war nur Spaß. Di Caprio ist super. Und das Budget?"

 "70 Millionen. Aber da ist echt kein Puffer mehr drin."

 Berater verlässt das Büro wieder.

 Der 70 Millionen Werbefilm „The Audition: In Macao im Kino. Sonst im Netz.

Mathias Richel, Creative Director von Torben, Lucie und die gelbe Gefahr (TLGG) zu Tirendo "The Impossible Ride":

Kritiken von Mitbewerbern an Mitbewerbern haben oft eins gemeinsam: Alle hätten es immer anders gemacht, vor allem aber besser. Deshalb richte ich meinen Blick auf eine Kampagne, die ich einfach gern selbst so hingesetzt hätte: Tirendos Webspot „The Impossible Ride“. Grey Berlin hat es nicht nur geschafft, den bisherigen guten Tirendo-Spots nach dem Etatgewinn etwas Eigenes entgegenzusetzen, sondern das Ganze auch im Sinne der Marke spannender zu inszenieren. So verwirrend gut und surreal umgesetzt, dass ich mir das Ding gleich dreimal angeschaut habe. Hätte ich einen Führerschein, würde ich jetzt Reifen wechseln. Nicht nur für den Winter."

Warum Pegida-Anhänger ihre Gartenzwerge jetzt woanders kaufen

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