Nehmen wir zum Beispiel das Emblem der Tottenham Hotspurs: Dieses bildet seit seiner Einführung einen Hahn ab, wie ihn der vermutliche Namensgeber des Clubs – ein gewisser Sir Henry Percy, besser bekannt als Harry Hotspur – in vielfacher Ausführung besaß. Mit Sporen ("Spurs“) versehene Kampfhähne waren schließlich die Passion des Mannes.

Oder das Brit-Fußball-Logo schlechthin – Dortmund-Fans lesen hier jetzt besser nicht weiter: FC Liverpool. Der Klub von der Anfield Road vereint in diesem sein Gründungsjahr (1892) mit dem "Liver Bird" (Symbol der Stadt), mit der Hymne der Reds ("You’ll never walk alone"), dem Stadion (die Eisenschnörkel der "Shankly Gates") sowie dem größten Unglück der Vereinsgeschichte (zwei Flammen repräsentieren die 96 beim Hillsborough-Unglück ums Leben gekommenen Liverpool-Fans) – und es sieht klasse aus! Es erzählt förmlich Geschichten.

Jetzt könnte man also meinen, die britischen Vereine bevorzugen grundsätzlich das überladene, assoziationsreiche, traditionsschwangere, mit lateinischen Motto-Sprüchen verzierte Wappen – auch wegen der universitären Herkunft des Sports. Wir deutschen "Ingenieure" hingegen haben es – wie unsere Autos – halt lieber sachlich, schnörkellos, schlicht und geradeheraus.

Die Logos der Bundesligavereine sind reduziert, haben zumeist eine eindeutige Umform, wie einen Kreis oder eine Raute. Das Bildhafte tritt zurück, im Vordergrund stehen typografische Zeichen. Hier gibt es aber auch einige sonderbare und schräge Modifikationen. Die meisten Logos sehen eher nach antiquierten Unternehmenszeichen aus. Dagegen haben die Logos von Wolfsburg und HSV etwas von einer zeitgemäßen Modernität. Eben das, was von der Daily Mail kritisiert wird.

Ich denke, es gibt insgesamt einen großen kulturellen Unterschied im Designverständnis von Briten und Deutschen: Wenn Sie vor dreißig Jahren in einen britischen Supermarkt gegangen sind, dann waren schon damals die Eigenmarken toll und aufwändig gestaltet und in allen Designbüchern zu finden. Dagegen gibt es in Deutschland die sogenannten weißen Produkte als Eigenmarken, die bewusst auch in der Gestaltung billig aussehen sollen.

Mein Fazit: Die Briten verstehen uns hinsichtlich des Designs nicht. Aber genau das ist eine Bereicherung. Es wäre doch traurig, wenn die landesspezifischen Eigenheiten in den Vereinslogos nicht sichtbar wären, und Identifikation ist bei Vereinen schließlich das höchste Gut. Und solange Helm-Peter die Raute im Herzen trägt, sollte sie so bleiben wie sie ist.

Der Autor: Norbert Möller ist seit 2003 Executive Creative Director der Peter Schmidt Group und leitet deren Corporate Design Team am Standort Hamburg. Zu den von ihm betreuten Marken und Unternehmen zählen unter anderem Linde, Henkel, Kühne+Nagel, die Postbank, REWE, die Stadt Hamburg und das Goethe Institut. Möller studierte Visuelle Kommunikation an der HfBK Braunschweig und arbeitet seit 1992 bei der Peter Schmidt Group, darunter von 1999 bis 2003 als Geschäftsführer.


Autor:

Norbert Möller

Unser Design-Kolumnist Norbert Möller ist seit 2003 Executive Creative Director der Peter Schmidt Group und leitet deren Corporate Design Team am Standort Hamburg. Er studierte Visuelle Kommunikation an der HfBK Braunschweig und arbeitet seit 1992 bei der Peter Schmidt Group, darunter von 1999 bis 2003 als Geschäftsführer.