Markus Sekulla | | von Markus Sekulla

Wie zwei deutsche Filmstudenten Edeka und Jung von Matt schlagen

Heute gibt es weder Anekdoten noch Wortwitz. Das Video spricht für sich: Die Idee kommt von Daniel Titz und Dorian Lebherz, die an der Filmakademie Baden-Württemberg studieren. "Adweek" feiert das Video mit: "Is This Breathtaking Spec Ad for Johnnie Walker the Best Student Work Ever?" Die allmorgendliche Frühstückslektüre eines jeden Mad Man. Nicht schlecht Jungs. Im "Adweek"-Artikel findet sich auch ein kurzes Interview zu dem Video. Zu dem Zeitpunkt hatte man Johnnie Walker die Arbeit noch gar nicht gezeigt. Nun, das wird mittlerweile nicht mehr in ihrer Macht liegen.

Für mich ist "Dear Brother" der bewegendste Spot dieser Weihnachtszeit. Mehr als eine Nasenlänge vor dem viel gefeierten "Heimkommen" von Edeka und Jung von Matt - und das, obwohl ich noch nicht mal einen Bruder habe. Ich wurde bei dem Vortäuschen falscher Tatsachen schon damals vom Bademeister in der Schwimmprüfung ziemlich intensiv darauf hingewiesen, dass man das auf keinen Fall machen darf. Ich hätten meinen lieben Herrn Papa ziemlich für eine solche Herzattacke angezählt. 

Warum ist "Dear Brother" jetzt besser als Heimkommen? Erstens berührt er mich subjektiv deutlich stärker und er hat zweitens objektiv mehr mit der Marke zu tun. Keep on walking...

Markus Sekulla arbeitet als Kreativ- und Digitalberater in New York und Düsseldorf. Von deutschen Agenturen wird er u.a. als Trendscout gebucht. Außerdem ist er einer der Macher von Mobilegeeks. In seinem W&V-Blog #digitalglobetrotter schreibt er über beispielhafte internationale Kreationen. Sachdienliche Kreativ-Hinweise nimmt Markus Sekulla gern unter markussekulla@gmail.com entgegen.

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"Total geil": Agenturchefs und die Spot-Sensation der Filmstudenten

Bei DDB in New York weiß spätestens jetzt jeder Kreative, wo Ludwigsburg liegt: Es ist die Stadt, in der die Filmakademie Baden-Württemberg Ausnahmetalente wie Daniel Titz und Dorian Lebherz ausbildet.

"Wow!!!!" twitterte der weltweite DDB-Kreativchef Amir Kassaei über ihren fiktiven Johnnie-Walker-Spot "Dear Brother", er würde sie sofort einstellen.

Auf W&V Online hat in diesem Jahr nur ein Spot für eine vergleichbar starke Resonanz gesorgt: Das Edeka-Commercial von Jung von Matt.

Wie sehen deutsche Agenturchefs den Erfolg von "Dear Brother", wie schätzen sie die beiden Shooting-Stars aus der baden-württembergischen Provinz ein? W&V Online hat fünf von ihnen gefragt.

Ralf Heuel, Kreativchef Grabarz & Partner (Sieger im W&V-Kreativranking 2015)

"Unser Agenturmotto lautet ja: 'Creating ideas people like to share'. Und es ist immer ein gutes Zeichen, wenn man Werbung sofort weitererzählen oder anderen zeigen will. Der Johnnie-Walker-Spot 'Dear Brother' hat mich beim ersten Sehen so dermaßen erwischt, dass ich ihn spontan der halben Agentur gezeigt habe. Und am nächsten Tag unter dem Aspekt 'Wo der Hammer hängt' gleich noch den Studenten der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst aus Hildesheim, die uns in der Agentur besucht haben. Und ein paar Kunden auf der Autobahn auf meinem Handy.

Daniel und Dorian haben da eine fantastische, frische und gleichzeitig hochprofessionelle Arbeit hingelegt. Bilder, Voice-Over, Musik, Timing – alles total stimmig. Dass die zwei Jungs gerade erst im zweiten Jahr an der Akademie sind, macht das ganze natürlich umso unglaublicher. Es zeigt, dass Deutschland sich um den Regie-Nachwuchs keine Sorgen machen muss. Und auf welchem Niveau die Filmakademie Baden-Württemberg Nachwuchsregisseure ausbildet. Denen habe ich übrigens am Dienstag schon dazu gratuliert."

Alex Schill, Kreativchef Serviceplan:

"Chapeau. Einfach alles gut. Geschichte, Casting, Location, Kamera, Schnitt, Sound... Top. Auch wenn es kein Weihnachtsspot ist, mein Favorit unter allen Emo-Spots, die gerade draußen sind. Fettes Lob an das ganze Team."

Matthias Meusel, Managing Director Grey Berlin:

"Ich muss ehrlich sagen, der Johnnie-Walker-Spot ist ein toller Film, mich hat aber der Edeka-Spot emotional mehr bewegt. Im Übrigen teile ich nicht die Meinung, dass der Edeka-Spot nicht zur Marke passt. Klar hätten es auch andere Marken wie Coca-Cola machen können. Haben sie aber nicht!"

Benedikt Holtappels, CEO GGH Lowe:

"Total geil. Mir gefallen so viele Sachen daran. Man kann den Film fünf Mal gucken und entdeckt immer mehr. Die Ruhe, die zum Land passt. Mir gefallen sogar die dreckigen und abgeranzten Gläser, weil sich das in der echten Welt keine Marke trauen würde. Aber vor allem lädt es "Keep on walking" exzellent auf. Die Jungs können ganz schön stolz auf sich sein. Und eins noch: Wir würden Amir auch sofort einstellen."

Thomas Strerath, CEO Jung von Matt:

"Zwei hervorragende Arbeiten vergleichen nur Laien. Beides hat seine Berechtigung. Ihr Widerhall in den Medien und sozialen Netzen beweist, Werbung kann wieder Teil der populären Kultur sein. Menschen, die so etwas können, helfen jeder Agentur weiter. Aber mit Amir gehen wir nicht in den Bieter-Wettbewerb ;-)"

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