13 Prozent aller Arbeitskräfte bei Weltbild sind Zeitarbeiter - sie werden vor allem im Weihnachtsgeschäft gebraucht.
13 Prozent aller Arbeitskräfte bei Weltbild sind Zeitarbeiter - sie werden vor allem im Weihnachtsgeschäft gebraucht. © Foto:Weltbild

Ausgeliefert-Doku | | von Linda Ross

Amazon-Skandal: Wie sozial ist eigentlich die Konkurrenz?

"In der Weihnachtssaison stellen wir zusätzliche Mitarbeiter saisonal befristet ein" - immerhin diese Aussage rang sich Amazon nach fast einem Tag Schweigens ab. Die ARD-Reportage "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" hatte aneprangert, dass der Versandhändler Leiharbeiter aus dem EU-Ausland ausbeutet.

Aber ist Amazon ein Einzelfall in der Branche? Oder greifen auch andere Versandhändler im hektischen Weihnachtsgeschäft auf Leiharbeiter und Zeitarbeitsfirmen zurück und muten ihren Mitarbeitern unzählige Überstunden zu? W&V Online hat sich im bei den Buch-Onlinehändler Thalia.de (Douglas-Tochter) und der Verlagsgruppe Weltbild (betreibt neben Weltbild.de auch Bücher.de und Jokers.de) nach ihren Sozialstandards erkundigt.

Bei dem Augsburger Verlag heißt es: "Weltbild beschäftigt nur Mitarbeiter aus der Region Augsburg in Versand und Logistik...Insgesamt waren über das Jahr 2012 verteilt nur 13 Prozent aller Arbeitskräfte Zeitarbeitnehmer. Diese werden schwerpunktmäßig im Weihnachtsgeschäft, das heißt in der Zeit von Mitte Oktober bis Ende Dezember eingesetzt." Den Zeitarbeitnehmern komme aber in dieser Zeit eine "sehr wichtige Rolle" zu, deshalb wurde laut Weltbild "bereits 2011 mit der Mitarbeitervertretung eine Betriebsvereinbarung für den Einsatz von Zeitarbeitskräften abgeschlossen." Diese regle unter anderem die Vergütung der Zeitarbeitnehmer, die in der in der Saison mindestens zehn Prozent über dem Tarifvertrag der BZA (Bundesverband Zeitarbeit) liegt. Ein weiterer Punkt sei etwa die "Integration in die Stamm-Belegschaft" (Vertretung durch den Betriebsrat, Vorschläge zur Gestaltung des Arbeitsplatzes etc.). Außerdem weist Weltbild darauf hin, dass sich die Weltbild Logistik grundsätzlich von der von Amazon unterscheide: "Während dort die Abläufe manuell geprägt sind und große Wegstrecken beinhalten, ist die Abwicklung bei Weltbild weitgehend automatisiert."

Anders als Weltbild lässt der Konkurrent Thalia auch Arbeitskräfte aus dem Ausland anwerben "wenn der Bedarf am deutschen Arbeitsmarkt nicht gedeckt werden kann". Das teilte der Buchversender auf W&V-Anfrage mit. Das operative Versandgeschäft hat Thalia an den Logistikdienstleister Rhenus ausgelagert. Er betreibt die Thalia-Versandcenter. Für alle Mitarbeiter sind laut Thalia aber "die hierzulande geltenden Sozialstandards" verbindlich. Es werde ohne Ausnahme nach Tarif bezahlt.

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