| | von Sebastian Blum

Ex-Media-Manager geht mit Escort-Service auf Pinterest

Pinterest zieht nicht nur klassische Markenartikler an. Die visuelle Komponente des trendigen Bilder-Netzwerks ist auch für die Erotik-Branche attraktiv. Zum Beispiel für Tia Escort, dessen Mitarbeiterinnen Liz, Anja, Sandra und Jil sich auf der Profilseite des Unternehmens in Pose setzen. Besonders pikant: Gründer und Geschäftsführer Jörg Nietzschmann kommt eigentlich aus der Media-Branche - er war Account Group Head bei Mediaedge:cia. W&V Online hat mit Nietzschmann über Social Marketing unter verschärften Bedingungen gesprochen:

Herr Nietzschmann, eine Frage vorab: war es Ihnen in der Media-Branche zu langweilig oder warum jetzt ein Escort-Service?

Angestellt zu sein bei Mediaedge:cia hieß für mich Sicherheit, geregelte Arbeitszeiten und keine Überraschungen. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt, lehrte meine neue Lebenspartnerin mich. Wie so oft im Leben sorgte ein Zufall dafür, sich mit der Escort-Branche näher zu befassen. Nach einer Wettbewerbsanalyse des Escort-Marktes und dem generellen Interesse für Design, Fotografie und Organisation war die Idee eine eigene High-Class-Escort-Agentur auf die Beine zu stellen, geboren. Jetzt bestimme ich durch mein Tun, wie viel ich verdienen und welche Wünsche ich mir erfüllen möchte. Doch ohne Fleiß kein Preis.

Was versprechen Sie sich von der Plattform Pinterest?

Wir sind von unserem SEO Mitarbeiter auf Pinterest vor einigen Wochen hingewiesen worden. Nachdem ich bei Chip Online einen Artikel über den Boom der digitalen Fotowand gelesen hatte, stand mein Entschluss fest meine Escort Agentur auch auf diesem Social Media Portal zu bewerben. Gerade im Escort-Business ist die visuelle Komponente das Kriterium für eine Buchung oder ein erstes Interesse. Pinterest arbeitet vorwiegend mit der visuellen Komponente, ergänzt um Anmerkungen. Folglich versprechen wir uns Kontakte zu anderen Pinterest Usern und natürlich Traffic auf unsere Seite.

 

Wie halten Sie es ansonsten mit Social Web?

Facebook und Twitter sind in aller Munde und für eine Platzierung der eigenen Website bei Google auch sehr wichtig. Der Nutzen im Bereich Escort hält sich jedoch in Grenzen. Grund dafür ist, das die ursprüngliche Idee möglichst viele Freunde bzw. Follower sein Eigen zu nennen bei Escort nicht funktioniert. Welcher verheiratete Mann stellt sich schon gerne selbst an den Pranger und kommuniziert "Schaut her ich bin bekennender Escort Kunde bei Tia Escort“? Oder welche junge Frau, die Escort Model bei Tia Escort ist bzw. vor hat einmal selber als Escort Dame zu arbeiten, offenbart dieses Unterfangen ihren Freunden? Niemand!

Die Nutzer bei Pinterest sind ja vorrangig weiblich. Gehen da Ihre Anzeigen nicht an der eigentlichen Zielgruppe vorbei?

Generell sprechen wir mit unserem Angebot zwei Zielgruppen an. Die auf dieser Plattform deutlich wichtigere Zielgruppe sind jungen Frauen zwischen 20 und 35 Jahren, sprich die Bewerberinnen. Die in diesem Fall sekundäre Zielgruppe sind potentielle High-Class-Kunden, die bei Pinterest eher seltener zu finden sind.

Wie meistern Sie die Gratwanderung zwischen Transparenz in Social Media und Diskretion in Ihrer Branche?

Social Media bedeutet auch immer ein Stück Offenbarung der eigenen Person. Agenturen hinter denen ein Gesicht steckt, werden aus meiner Sicht als seriöser und kompetenter empfunden. Es geht hierbei lediglich um mich als Agenturinhaber. Selbstverständlich bleibt die Identität unserer Models stets gewahrt. Diese werden anonym mit Pseudonymen wie Jil, Claudia etc. vorgestellt. Das Gesicht ist bei allen visuellen Darstellungen stets unkenntlich gemacht durch einen Störer.

Ist Social Web etwas für alle Bereiche der Erotikbranche?

Nein. Es gibt sehr große Unterschiede und es ist im Einzelfall zu entscheiden, ob und in welcher Form Social-Media-Maßnahmen Sinn machen.

Gibt es Feedback von den ehemaligen Kollegen bei Mediaedge:cia?

Einige meiner Kollegen inklusive meinem damaligen Chef wünschten mir viel Erfolg. Keiner wusste ob und wann ich noch einmal zurückkehren würde in die Medialandschaft. Doch ich machte alles richtig und wie es aussieht, werde ich noch ein Weile weiter für Unterhaltung der Businessklasse sorgen. Vielleicht war der ein oder andere Kollege schon einmal Kunde bei Tia Escort, aber ein Feedback von ehemaligen Kollegen habe ich bis dato nicht erhalten. Wobei ich gute Arbeitskräfte bald gebrauchen könnte um das Business zu "stemmen".

Sind Sie mit Ihrer Marketingstrategie schon auf Kritik gestoßen?

Mit Sicherheit gibt es Anbieter, die nicht gerne mit Anbietern aus der Escort- bzw. Erotik-Branche zusammenarbeiten möchten. Ein gutes Beispiel ist: So rief mich erst letzte Woche das Hyatt Hotel an und forderte mich auf die Hotelempfehlung auf unserer Homepage, die wir für unsere Kunden ausgesprochen haben, zu entfernen. Dabei sagte ich dem Marketingleiter wie viele Kunden unserem Ratschlag folgen und somit eine Buchung tätigen bzw. Umsatz generieren. Das interessierte in diesem Moment wenig, nur weil Tia Escort der Kategorie Erotikbranche angehört. Hier müssen wir von Tia Escort noch viel Pionierarbeit leisten zusammen mit anderen seriösen Agenturen. Aus diesem Grund haben wir die sogenannten "Voice of Escorts" gebildet, die genau hier ansetzen möchte.

Was für Werbemaßnahmen fahren Sie außer Social Media noch?

Die genaue Werbestrategie ist natürlich Unternehmensgeheimnis. Aber der Bereich Online zählt im Zeitalter von iPad, iPhone und anderen mobilen Geräten zu einem der Hauptkanäle im Bereich Werbemaßnahmen. Ein gesunder Mix aus Schaltung von Werbung, Social Media, Kommunikation in Foren und Schaffung von Sichtbarkeit im WWW ist der Weg zum Erfolg, zumindest bei Tia Escort.

Doch Jörg Nietzschmann ist nicht der erste Betreiber eines Begleitservices mit Wurzeln im Marketing: Auch Carlos Obers, Ex-Werbetexter bei Serviceplan, sorgt mit seinem Escort-Service Greta Brentano für die gewisse Erotik.

Ex-Media-Manager geht mit Escort-Service auf Pinterest

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