Unternehmen und Marken, die auf Facebook aktiv sein wollen, werden irgendwann für die Sichtbarkeit in dem sozialen Netzwerk bezahlen müssen. Dann erreichen Marken mit ihren Posts die Fans nur noch, wenn sie diese auch entsprechend mit Facebook-Ads unterstützen. "Das wird zu einem Paradigmenwechsel führen. Langfristig", sagt Lünenbürger-Reidenbach. Er rät Kunden daher schon jetzt, "nur noch Facebook-Programme zu starten oder durchzuführen, wenn sie ein signifikantes Media-Budget dafür haben."

Facebook geht es mit dieser Maßnahme ganz offensichtlich darum, die Erlösmöglichkeiten zu steigern. Experten überrascht das nicht; dass Facebook einmal bei denen abkassieren würde, die das Netzwerk bislang kostenlos für die eigenen Zwecke nutzen konnten, wurde erwartet. Das Geschäftsmodell basiert immerhin auf Werbung. "Die Rechnung kommt jetzt", so Lünenbürger-Reidenbach.

Weniger stark betroffen von den Änderungen sind derzeit die Facebook-Seiten von Medien und Blogs. Ihre Posts werden häufig von den Nutzern geteilt und erscheinen dann im Newsfeed ihrer Freunde. So verbreiten sie sich und sorgen für Traffic bei den jeweiligen Portalen. Doch auch diese virale Verbreitung wirkt sich offenbar nur geringfügig auf die organische Reichweite aus. Selbst wenn also viele User einen Link teilen, kommentieren oder liken und Facebook so zu verstehen geben, dass der Inhalt für sie relevant ist, wird der Ursprungs-Posts nicht unbedingt einer größeren Anzahl von Fans angezeigt.

Außerdem hat Facebook mit den aktuellen Änderungen des Newsfeeds einen Teil der User-Interaktion an den Rand gedrängt. Wenn den Facebook-Freunden einzelne Posts oder Fan-Pages gefallen, sieht das der User nur noch klein in der rechten Spalte. Für Lünenbürger-Reidenbach ein weiteres Zeichen dafür, dass Facebook die Unternehmen mit Fanpage aktuell auf eines vorbereitet: "Wer nicht zahlt, ist nicht sichtbar."


Autor:

Franziska Mozart
Franziska Mozart

arbeitet als freie Journalistin für die W&V. Sie hat hier angefangen im Digital-Ressort, als es so etwas noch gab, weil Digital eigenständig gedacht wurde. Heute, wo irgendwie jedes Thema eine digitale Komponente hat, interessiert sie sich für neue Technologien und wie diese in ein Gesamtkonzept passen.