Rant von David Eicher:
"Facebook-Werbung hat masochistische Züge"
David Eicher und seine Agentur sind mit Social Media groß geworden, aber jetzt schießt der Webguerillas-Chef öffentlich gegen das soziale Netzwerk Nummer eins: Facebook lohne sich kaum noch für Unternehmen, schreibt er in seinem Blog und rät zu einer anderen Kommunikationsstrategie im Netz.
David Eicher und seine Agentur sind mit Social Media groß geworden, aber jetzt schießt der Webguerillas-Chef öffentlich gegen das soziale Netzwerk Nummer eins: Facebook lohne sich kaum noch für Unternehmen, schreibt Eicher im Agenturblog und tritt mit dem Hashtag #ReclaimYourFans eine Debatte los. Sein Argument: Facebook bremst die organische Reichweite von Firmen-Posts so stark ein, dass Marken gar nichts anders übrig bleibe, als Werbung auf Facebook zu schallten. Werbung, die sich laut Eicher aber nur bedingt lohnt:
"Zwar ist Facebook unter Reichweiten- und Targeting-Gesichtspunkten als Werbeplattform interessant – aber Unterbrecher-Werbung kann in Zeiten werbemüder Konsumenten doch nicht die (einzige) Antwort auf deren Verlangen nach weniger Werbung sein! Mal ganz abgesehen davon, dass die durch Werbung erzielten flüchtigen Kontakte, wenn sie lediglich zur Post-Promotion genutzt werden, überhaupt keine Nachhaltigkeit besitzen".
Facebook mit Werbegeldern füttern und sich gleichzeitig vom Algorithmus des Netzwerks abstrafen lassen: Das habe "inzwischen masochistische Züge", so Eicher weiter. Das Buzzword "Content Marketing" kommt in seinem Text zwar nicht vor, aber im Kern fordert Eicher genau das: Unternehmen sollen im Sinne von Earned Media
- weniger in Paid Media und mehr in eigenen Content investieren, etwa in Corporate Blogs
- möglichst viele ihrer Facebook-Fans in eine eigene Brand Community außerhalb des Netzwerks überführen und
- Marken-Fans als Multiplikatoren im Social Web nutzen statt selber dort Anzeigen zu schalten.
So weit der Plan. Die Idee ist nicht neu und hat noch nicht oft funktioniert, weil nur wenige Marken das Content-Geschäft verstehen. Die meisten Corporate Blogs etwa finden eher unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil sie nichts anderes bieten als schlecht kaschierte Unternehmens-PR. David Eicher kann jetzt zumindest beweisen, dass es in seiner eigenen Agentur klappt: Mit seinem Blogpost und seiner #ReclaimYourFans-Kampagne auf Twitter.
Die Agentur Webguerillas erwirtschaftete 2014 nach eigenen Angaben rund 18 Milllionen Euro. In das aktuelle Digitalagenturranking von BVDW, W&V, Horizont und HightextiBusiness flossen 10,6 Millionen Euro ein. Hier lag die Agentur mit Hauptsitz in München auf Platz 29.
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