1 Update
Jo Wedenigg wechselt im März zu FischerAppelt.
Jo Wedenigg wechselt im März zu FischerAppelt. © Foto:Webguerillas

FDP und Twitter | | von Linda Ross

Hurensohn oder Follower-Kauf? Jo Wedenigg über das Twitter-Wachstum der FDP

Innerhalb nur weniger Tage hat die FDP die Zahl ihrer Twitter-Follower versechsfacht. Knapp 37.000 zählt das bisher eher träge dahin dümpelnde Twitter-Profil @fdp_de jetzt. Nun stehen die Liberalen unter dem Verdacht, sich Follower eingekauft zu haben. Die Partei  erklärt den immensen Zuwachs damit, dass die Abkürzung "fdp" im portugiesischen Sprachraum für das Schimpfwort "filho da puta" (übersetzt Hurensohn) stehe und deshalb die neuen Freunde möglicherweise aus dem Ausland kommen. W&V Online hat bei Social Media Experte Jo Wedenigg nachgefragt, wie er sich den Fanzulauf erklärt und ob es möglich sei, dass die Follower gekauft wurden, um der FDP zu schaden. Jo Wedenigg ist derzeit noch bei der Münchner Agentur Webguerillas beschäftigt, Anfang März startet er als Director Social Media bei FischerAppelt.

Herr Wedenigg, die FDP bestreitet falsche Fans gekauft zu haben. Wie erklären Sie sich diesen Zuwachs?

Auf Twitter gibt es für so einen enormen Zuwachs an Followern eigentlich nur zwei mögliche Gründe: Wirklich spannende bzw. aufsehenerregende Themen - zum Beispiel die Hackerübernahme des Burger-King Accounts vergangene Woche - oder aber den massiven Zukauf von Fake-Usern. Ansonsten ist Twitter ein stark auf organisches, themengetriebenes Wachstum ausgerichtetes Medium. Nachdem aktuell wenig spannende Themen zur FDP vorliegen, liegt der Schluss des Follower-Einkaufs nahe.

Wäre es möglich, dass jemand Follower gekauft hat, um der FDP damit zu schaden und ihr Image anzukratzen? Wie funktioniert so etwas?

Es gibt mittlerweile verschiedene Wege, um kurzfristig an Follower zu kommen. Das Spektrum reicht von eher fragwürdigen Methoden über Fake-Profile - wie im vorliegenden Fall - bis hin zu den von Twitter auch selbst angebotenen kostenpflichtigen Möglichkeiten, zum Beispiel Promoted Tweets. Rein theoretisch ist es schon möglich, auch als Fremder Follower für die FDP zu kaufen. Wenn man die Diskussionen über gekaufte Politiker-Fans auf Facebook aus den vergangenen Wochen Revue passieren lässt, scheint dies auch sehr naheliegend. Wirklich sicher sagen wird man das jedoch ohne interne Kenntnisse nicht können.

Gab es solche Fälle schon in der Vergangenheit?

Dass jemand Follower kauft, um jemand anderem damit zu schaden? Mir wäre kein solcher Fall bekannt.

Es gab da diesen Fall des Münsteraner Steuerberaters Julian Holthaus: Gekaufte Follower waren vermutlich an ihn statt an seinen Namensvetter ausgeliefert worden. Wäre eine ähnliche Verwechslung auch im FDP-Fall möglich?

Es gibt dazu ja eine denkwürdigen Erklärungsversuch seitens der FDP. Hier wird einem portugiesischen Schimpfwort die Schuld an der Verwechslung gegeben. Persönlich halte ich dies jedoch für eher unwahrscheinlich.

Hurensohn oder Follower-Kauf? Jo Wedenigg über das Twitter-Wachstum der FDP

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(1) Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht

Fandealer.de entlastet FDP: Politische Mitbewerber sollen Follower gekauft haben

von Linda Ross

Entlastung für die FDP: Nachdem sich die Zahl ihrer Follower auf Twitter innerhalb weniger Tage versechsfacht hatte, wurde der Partei vorgeworfen die neuen Freunde im sozialen Netzwerk gekauft zu haben. Jetzt bestätigt Fandealer.de, ein Verkäufer von Social Media-Fans, dass auf ihrem Portal "tatsächlich eine Kampagne für die offizielle Twitter-Seite der FDP aktiv war". Angestoßen wurde diese allerdings laut Fandealer nicht von den Liberalen selbst, sondern "von einem politischen Mitbewerber".

Auf dem Facebook-Auftritt von Fandealer heißt es:

"Die Freie Demokratische Partei hat zu keinem Zeitpunkt den Kauf von Twitter Followern auf www.fandealer.de in Auftrag gegeben. Eine eingehende Überprüfung des Kampagnenurhebers und dessen Benutzerkontos ergab, dass die Kampagne für die Twitter-Seite der FDP von einem politischen Mitbewerber auf www.fandealer.de lanciert wurde. Das entsprechende Benutzerkonto wurde zweifelsfrei mit einer E-Mail Adresse einer anderen deutschen Partei eingerichtet."

Allerdings könne man zur Identität des tatsächlichen Kampagnenurhebers aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskünfte erteilen. Weiterhin macht Fandealer in der Erklärung klar, dass über sie nur 922 der über 30.000 neuen Follower der FDP vermittelt wurden - und diese seien alle reale Nutzer aus Deutschland. Für einen "kurzfristigen und somit medienwirksamen Zuwachs von über 30.000 Followern ist Fandealer.de gänzlich ungeeignet. Es liegt daher die Vermutung nahe, dass der Kampagnenurheber weitere Follower für die Twitter-Seite der FDP bei einer Firma im Ausland beschafft hat".

Abschließend lässt Fandealer verlauten: "Da sich Fandealer nicht als Plattform für 'Negative Campaigning' jeglicher Art versteht, werden wir in Folge der aktuellen Vorkommnisse alle Social Media Seiten sämtlicher deutscher Parteien für den Gebrauch auf www.fandealer.de sperren. Eine Vermittlung von Facebook Fans oder Twitter Followern auf eigene oder auf Rechnung Dritter ist für Parteien somit nicht mehr möglich."

Auf Netzpolitik.org zweifelt Markus Beckedahl allerdings die Fandealer-Erklärung an. "Warum sollte eine andere Partei so etwas tun", fragt er. Er stellt die Vermutung auf, dass "die Seite Fandealer als Trittbrettfahrer auf den Aufmerksamkeitszug aufspringt und die FDP glücklich ist, irgendwas als Ausrede verwenden zu können". Und sieht sich in dieser Annahme durch einen Kommentar zu seinem Artikel bestätigt. Darin wird darauf hingewiesen, dass der Geschäftsführer von Fandealer ein FDP-Mitglied zu sein scheint.

von Linda Ross - Kommentare Kommentar schreiben