Jan Schlüter | | von Leif Pellikan

Mediakraft-Krise: Jetzt geht auch ein Chef

Erst kündigten diverse Youtube-Stars dem Vermarktungs- und Partnernetzwerk, jetzt geht mit Jan Schlüter auch der Vermarktungschef verloren. Seinen Abschied von den Mediakraft-Kollegen hat er bereits gefeiert, seit Dienstag ist auch sein Bild von der Homepage verschwunden.

Schlüter betont jedoch, dass er weiterhin Gesellschafter bleibt. Zu den Gründen will sich der Ex-Mediakraft-Geschäftsführer nicht äußern. Er wolle sich nun für seine alte Firma Businesskraft engagieren. Eine ­Zusammenarbeit mit Mediakraft schließt er nicht aus. Das berichtet der Branchendienst "Kontakter" in seiner aktuellen Ausgabe.

Schlüters Abgang kommt zur Unzeit. Seit Wochen verliert Mediakraft Mandanten, die nach Abonnenten in der Top 20 der Youtuber stehen. Im Oktober hatte Florian "LeFloid" Mundt medienwirksam seine Kündigung bekannt gegeben. Noch drastischer äußerte sich ­Simon "Unge" Wiefels. Er kündigte kurz vor Weihnachten per Youtube-Botschaft und ließ kein gutes Haar an Mediakraft. Bis Ablauf der Vertragsfrist wolle er keine neuen ­Videos auf seine etablierten Kanäle stellen. Daneben wurde diese Woche bekannt, dass auch das Trio Apecrime Mediakraft verlässt. Alles deutet darauf hin, dass Apecrime wie auch Unge zum Konkurrenten Tubeone wechselt.

Schlüter betont, sein Abschied sei keine Folge der Abgänge und seinen Mitgründern Christoph Krachten und ­Spartacus Olson zuvor bekannt gewesen.

Wie es mit Mediakraft weitergeht, lesen Sie in der am Montag erscheinenden Print-Ausgabe von W&V (04/2015).

Mediakraft-Krise: Jetzt geht auch ein Chef

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Mediakraft-Gründer haben Millionen-Deal verpasst

von Leif Pellikan

Die Gründer des Youtube-Netzwerks Mediakraft haben den besten Zeitpunkt des Verkaufs verpasst. Nach dem Abgang von Florian "LeFloid" Mundt, Simon "Unge" Wiefels und dem Trio um ApeCrime sind gleich mehrer Channels aus dem Top-40-Ranking der grössten deutschen Youtuber verloren gegangen.

"Natürlich ist jeder Abgang schade, und wir bedauern das", sagt Mediakraft-Chef Spartacus Olsson. "Die einen gehen, die anderen kommen.“ Die Kraft eines Netzwerks zeige sich aber auch daran, Künstler aufbauen zu können. "Und das haben wir besser bewiesen als jeder andere im Markt." Nicht bestreiten kann Olsson jedoch, dass die Abgänge der Firma geschadet haben - eine Verkettung unglücklicher Entscheidungen.

Noch vergangenen Juli wurde das Münchner Start-up mit rund 58 Millionen Euro bewertet. Die Gesellschafter um die drei Gründer Olsson, Christoph Krachten und Jan Schlüter (der seinen Posten als Vermarktungschef inzwischen aufgegeben hat) lehnten den Ausstieg damals ab. Interessiert an einer Übernahme war dem Vernehmen nach auch Axel Springer. Statt dessen gab es eine weitere Finanzierungsrunde in Höhe von 16,5 Millionen Euro. Dadurch reduzierten sich die Anteile der Gründer auf jeweils rund 17 Prozent - an einem Unternehmen, das jetzt in der Krise steckt.

 Mediakraft ist Titelthema in W&V 4/2015. Hier geht's zur Einzelheftbestellung.

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Mediakraft: Jetzt geht auch Christoph Krachten

von Leif Pellikan

Nach Vermarktungschef Jan Schlüter verlässt jetzt auch Mitgründer und President Christoph Krachten das kriselnde Youtube-Netzwerk - offenbar nicht ganz im Frieden.

Krachten betont in seiner Pressemitteilung "die unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung des Multi-Channel-Networks". CEO und Mitgründer Spartacus Olsson hingegen dankt im offiziellen Mediakraft-Statement für Krachtens "bedeutenden Anteil an unserem enormen Wachstum. Mit ihm hat sich Mediakraft Networks als führendes Online-Video-Netzwerk für ein Millionenpublikum etabliert."

Anfang des Jahres hatte bereits der dritte Mitgründer und Sales-Chef Jan Schlüter die Brocken hingeworfen. Auch hier klang es nicht gerade nach einer gemeinsamen Entscheidung. Olsson wird Dominanz-Gehabe nachgesagt. Er gab den Kurs vor und delegierte Aufgaben. Was zu kurz kam, war der Kontakt zu den Klienten, den Youtube-Stars. 

Seit vergangenem November kamen dem Netzwerk mit Florian "LeFloid" Mundt, Simon "Unge" Wiefels und dem Trio um ApeCrime gleich mehrer Channels aus dem Top-40-Ranking der größten deutschen Youtuber abhanden. ApeCrime hat sich soeben dem Netzwerk TubeOne angeschlossen. Nicht bestreiten kann Olsson, dass die Abgänge der Firma geschadet haben - eine Verkettung unglücklicher Entscheidungen wie W&V ausführlich analysierte (W&V 4/2015). Der Vorwurf lautete immer wieder: zu wenig Betreuung, unzureichende Vermarktung und unter dem Strich zu wenig Gegenleistung für den Share, den die Youtuber abgeben müssen. Am Ende verbleiben ihnen maximal knapp 30 Prozent der Erlöse. 

Erst diese Woche befasste sich das Medienmagazin Zapp des NDR mit den Querelen im Youtuber-Markt. Dort firmiert Krachten noch als "Geschäftsführer Mediakraft". "Von der Szene zur Branche", fasst "Videopunk" Markus Hündgen die Entwicklung zusammen (hier geht es zum sechsminütigen Video, in dem Youtuber, Mediakraft und der Videopunk zu Wort kommen).  

Wie Schlüter bleibt auch Krachten Gesellschafter. Die drei Gründer hatten vergangenen Sommer zwar eine neue Finanzierungsrunde durchgeführt, aber selbst keine Anteile verkauft. Damit haben sie den besten Zeitpunkt für einen finalen Exit verpasst. Bewertet wurde Mediakraft nach dem Deal laut W&V-Informationen mit rund 58 Millionen Euro. Die Gründer hielten Anfang des Jahres jeweils knapp 17 Prozent der Anteile. Der Rest verteilt sich auf Investoren und Mitarbeiter, darunter auch das Comedy-Trio Y-Titty, das nicht nur bei Youtube präsent ist, sondern auch einen eigenen Kinofilm plant.

Krachten will sich nun um die Video Days kümmern, die er aus der Taufe gehoben hat. Vergangenes Jahr kamen zu dem Event in Köln 15.000 Besucher. Dieses Jahr werden die Video Days parallel auch in Berlin im Rahmen der Webweek am 1. und 2. Mai stattfinden.

Was bei Mediakraft schief gelaufen ist und was man daraus lernen kann, lesen Sie in der Titelgeschichte von W&V 4/2015. Hier geht's zur Einzelheftbestellung.

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Dr. Youtube oder: Wie Marketer lernten, die Influencer zu lieben

von Thomas Knüwer

Influencer Marketing ist nur ein Buzzword und auf Youtube erreicht man vor allem 12-Jährige? Wenn Sie das glauben, warten Sie auch darauf, dass das Internet irgendwann wieder weggeht. W&V-Autor Thomas Knüwer* über die logische Weiterentwicklung von Marketingkommunikation und das, was es für die Werbebranche bedeutet.

Es wäre ein interessanter Blindtest gewesen: Wie viele W&V-Leser konnten etwas mit dem Titelbild vom 19. Januar anfangen? Eine gezeichnete Fabrik mit Funkturm vor rotem Grund war da zu sehen, eine Abrissbirne schwang ins Bild. Und dann diese Vokabel: Mediakraft.

 

Wieviele Abonnenten kannten die vorher? Das soll nicht heißen, dass alle deutschen Werber und Agenturkunden noch nie vom bisher wichtigsten Youtube-Vermarktungsnetz gehört haben. Doch sind Kampagnen mit digitalen Influencern wie eben jenen Youtubern weiter eine Randerscheinung im deutschen Digital-Marketing. Mehr noch: Weiter kursieren absurde Vorurteile wie: "Modeblogger sind alle kreischende Teenies", "Youtuber gucken nur 12-Jährige" oder "Das alles liest keine Sau". 

Solche Sprüche ließen sich leicht mit der Realität abgleichen – wenn man denn wollte. Doch vor allem viele Klassikwerber wollen nicht und leisten so Fehlberatung bei ihren Kunden. Die sind häufig schon wacher und werden dafür sorgen, dass "Influencer Marketing", also die Nutzung digitaler Multiplikatoren zur Überbringung von Markenbotschaften, einer der treibenden Begriffe der Jahre 2015 und 2016 werden wird. 

Eigentlich ist das nicht mal eine Überraschung, sondern die logische Entwicklung aus einer sich beschleunigenden Marketingkommunikationsspirale, die sich über Jahrzehnte aufgebaut hat.

Denn je größer Unternehmen und Marken wurden, egal ob durch organisches Wachstum oder Zusammenschlüsse, desto mehr verlernten sie, mit ihren Kunden zu kommunizieren. Immer größer wurden die zu bedienende Käuferzahlen, so dass die individuelle Betreuung von Kundenanliegen und -wünschen nicht mehr handhabbar war. Folge: Die Unternehmen konzentrierten sich auf das Senden von Markenbotschaften über Massenmedien. Anschließend redeten sie sich ein (gern gestützt durch eine interne Marktforschung, die als Vorgabe erhielt, dass seine Kampagne "ein Erfolg werden muss") jeder Konsument aus der Print-Reichweite oder TV-Einschaltquote habe ihre Werbung inhaliert und sei berauscht zum Point of Sale gehastet. 

Und was war und ist mit jenen Menschen, die tatsächlich ein Anliegen haben? Ihnen blieb die Hotline: ein Biotop der schlecht Bezahlten und mies Behandelten, die anhand eines vorgefertigten Ablaufplans versuchen, den Anrufer möglichst schnellt von der Leitung zu bekommen. Dass Call Center so sind, weiß heute jedermann. Wer ruft trotzdem noch dort an? Jene, die wütend, verzweifelt und/oder dumm genug sind. Gleichzeitig ist dies für viele Unternehmen der einzige Rückkanal zum Verbraucher, weshalb Entscheider glauben, all die Käufer ihrer Produkte seien ihnen feindlich gesonnen.

Dann tauchte Social Media auf, einst noch "Web 2.0" genannt. Mit einem Mal sollten Unternehmen (oder ihre Dienstleister) täglich mit ihren Kunden reden. Wie das geht – hatten sie vergessen. Das Ergebnis war oft erbärmlich. "Hallo ihr Schnuffis - wie war Euer Wochenende?" (versehen mit einer Smiley-Zwinkerfresse) gehörte in den Bereich der überdurchschnittlich intellektuellen Postings der Jahre 2009 und 2010. 

Das konnte nicht gut gehen, erst recht nicht, als Facebook den Newsfeed immer stärker nach Engagement zu filtern begann.

Die sinkenden Reichweiten führten vor rund vier Jahren zu der Erkenntnis, dass die Konversation mit der Zielgruppe Gesprächsanlässe und -inhalte benötigt: die Geburt des Content Marketing. Bald stürzten sich Werbetreibende wie Dienstleister alle auf diese Vokabel – meist, ohne sie zu definieren.Vor allem die Anbieter von Corporate Publishing witterten fette Beute und ernannten sich zu den Marktführern des Content Marketing. Dabei ist ihr Geschäft das exakte Gegenteil von Content Marketing: Letzteres erfordert eine exakte und möglichst granulare Definition der zu erreichenden Zielgruppen. Corporate Publishing dagegen will vor allem vorhandene Kunden mit breitflächig angelegten Inhalten erreichen. Man kann sogar sagen:Corporate Publishing muss sich Content Marketing unterordnen. 

Die nötige Parzellierung der aktuellen Kunden und Hoffentlich-bald-Kunden ist eine große Herausforderung. Denn die Digitalisierung hat soziodemographische Faktoren immer unwichtiger gemacht. Wir leben in einer Zeit, in der Eltern und Kinder sich eine iTunes-Bibliothek teilen und gemeinsam "Game of Thrones" schauen; in der 50-Jährige Skateboard und 16-Jährige Auto fahren; nach dem Abitur (mit 17) nicht mehr das Interrail-Ticket sondern der Asien-Trip lockt; Senioren bei McDonald’s speisen während Studenten das niedertemperaturgegarte Wagyu-Filet beim Streetfood-Festival anhimmeln – und kaufen. Die alte Segmentierung der Gesellschaft nach Alter, Geschlecht und Sinus-Milleu muss an diesen Verschiebungen scheitern.

Gefragt ist nun eine Filterung nach Interessen sowie die Ansprache der zugehörigen Communities. Und hier wird es anstrengend. 

Denn wer sich in ein bestimmtes Gebiet vertieft wird Teil der zugehörigen Community mit einer ganz eigenen Sprache und Kodifikation. Das ist nicht neu: Der befreundete Lehrer versteht auch nur Bahnhof, verfällt der konzernige Product Manager in denglischen Marketing-Slang. Marken, die mit Inhalten eine solche Community erreichen wollen, sind meist überfordert. Sie beherrschen die Tonalität einzelner Interessensbereiche, doch (handelt es sich um Massenprodukte) bei weitem nicht die sämtlicher Zielgruppen. 

Der Einkauf von Know-how in Form von Mitarbeitern ist eine Option – doch sie ist teuer. Wirtschaftlicher ist die Zusammenarbeit mit digitalen Influencern, die in spezifischen Segmenten der Gesellschaft Multiplikatoren sind: Youtuber, beispielsweise, Blogger oder Podcaster. Dabei genießen Youtuber einen gehörigen Vorsprung: Netzwerke wie Mediakraft ermöglichen eine effizientere Ansprache und Abwicklung – dies fehlt vor allem in der Blogosphäre.

Deshalb auch ist Krise bei Mediakraft keine Szene-Käbbelei: Entschließen sich die reichweitenstarken Youtuber, künftig ohne Vermarkter aktiv zu werden, droht weniger bekannten Videomachern, vor allem denen, die erst am Anfang stehen, ein Finanzierungsproblem. Denn die Markenverantwortlichen werden nicht ein, zwei Dutzend Youtuber ansprechen, recherchieren, anschreiben und dann mit ihnen Preise aushandeln. Sie werden sich dann auf die großen Namen konzentrieren. 

Dies aber ist noch Zukunftmusik. Für das laufende Jahr sollten Marketers sich dringend mit Influencer Marketing beschäftigen – und die Titelgeschichte der W&V noch einmal intensiv nachlesen. 

* Thomas Knüwer ist Gründer der digitalen Strategieberatung Kpunktnull, Autor des Medien- und Marketingblogs Indiskretion Ehrensache und des Reise- und Gourmetblogs Gotorio.

 

Was bei Mediakraft schief gelaufen ist und was man daraus lernen kann, lesen Sie in der Titelgeschichte von W&V 4/2015. Hier geht's zur Einzelheftbestellung.

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