Talkshows | | von Frank Zimmer

"Missionarischer Durchfall": Domian löst Facebook-Lawine gegen Martin Lohmann aus

Über 55.000 Likes, 6000 Mal geteilt und mehr als 3300 Kommentare: WDR-Moderator Jürgen Domian hat mit seiner öffentlichen Facebook-Kritik an Martin Lohmann einen Nerv getroffen. Sein am späten Mittwochabend gepostete Abrechnung mit dem fundamental-katholischen Journalisten sorgt im Social Web für Furore. "Ihr Lieben, ich möchte eine Lanze für Günther Jauch brechen!" - so beginnt Domians Text, der sich auf Lohmanns jüngsten Talkshow-Auftritt bei Markus Lanz bezieht. Dort hatte sich der Journalist und Berater ("Lohmann Media Consult") über seinen vorherigen Talk-Gastgeber Günther Jauch beklagt. Der habe in unzulässiger Weise Lohmanns Tochter erwähnt, als es um das Thema Abtreibung nach einer Vergewaltigung ging. Jauchs Frage, wie der erklärte Abtreibungsgegner Lohmann reagieren würde, wenn seine eigene Tochter Opfer wäre, ist in Lohmanns Augen "übergriffig".

An diesem Punkt rastete Domian vor dem Bildschirm aus: "Was für ein Bullshit!", schreibt er auf seiner Facebook-Seite. "Ich finde die Frage von Jauch absolut korrekt, ich hätte sie ganz genauso gestellt. Wer solche menschen- und frauenverachtende Thesen vertritt, muss eine so klare und naheliegende Frage aushalten können". Lohmann trägt auch wegen seiner Einstellung zur Homosexualität den Spitznamen "Martinollah Lohmanneni". Die Neigung zum gleichen Geschlecht ist in der Lohmann-Logik zwar keine Sünde an sich - sie darf aber nicht ausgelebt werden. Man dürfte "solche Leute nicht unkommentiert durch die Talk-Shows tingeln lassen", findet Domian und endet mit einem öffentlichen Aufruf an den Kollegen Jauch: "Bravo....Sie haben es am Sonntag genau richtig gemacht. Und lassen Sie sich von diesem Mann und seinem missionarischen Durchfall nicht beeindrucken".

Trotz seiner extremen Positionen gilt Lohmann als in der Medienbranche bestens vernetzt. Seinen Lehrauftrag an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation hat er zwar verloren, aber er gehört immer noch dem Kuratorium der Privat-Hochschule an. Dort sitzt er u.a. neben ProSiebenSat.1-Vorstand Andreas Bartl und dem früheren BLM-Chef Wolf-Dieter Ring. Mit Markus Lanz hat er sich bis Mittwochabend offenbar geduzt - dann ging der ZDF-Moderator demonstrativ und vor laufenden Kameras zum "Sie" über. Martin Lohmann war 1998 bis 2004 Chefredakteur der "Rhein-Zeitung" in Koblenz. Er moderierte Talkrunden im Bayerischen Rundfunk, schreibt Kolumnen für "Bild" und leitet seit 2012 den katholischen Sender K-TV.

"Missionarischer Durchfall": Domian löst Facebook-Lawine gegen Martin Lohmann aus

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"Bild" vs. Domian: Ein Scherzanruf mit Folgen

von Petra Schwegler

Im Fall eines Alarmanrufs in der WDR-Radiosendung "Domian" deutet nun doch alles darauf hin, dass eine 23-Jährige die Prügelattacke nur vorgetäuscht hat. Die Frau aus Castrop-Rauxel habe ihren Eltern gegenüber zugegeben, dass es sich dabei um einen Scherzanruf gehandelt habe, berichtete ein Polizeisprecher am Donnerstag der "dpa".

Doch der Anruf hat nicht für die junge Frau ein Nachspiel: Zwischen Nachttalker Jürgen Domian und "Bild" ist ein Streit um die Echtheit der Vorfälle entbrannt, der WDR und Springer vor Gericht bringen könnte. Das Boulevardblatt verkündet in seiner Ausgabe vom Donnerstag, man habe wegen "Domians Falschbehauptungen rechtliche Schritte gegen ihn und den WDR eingeleitet". Es geht darum zu klären, ob die Zeitung mit ihrer Einschätzung Recht hatte, dass Domian der Anruferin auf den Leim gegangen sei.

Hintergrund: In der Nacht zum Dienstag hatte die 23-Jährige in der Live-Sendung des streitbaren WDR-Talkers Domian angerufen und geschildert, ihr Partner sei ihr gegenüber schon gewalttätig geworden. Dann erweckte sie den Eindruck, auch in diesem Moment schlage er auf sie ein - und legte auf. Die WDR-Redaktion alarmierte umgehend die Polizei, die zuhause bei der Anruferin nur deren Eltern antraf.

Alles nur ein makabrer Scherz der Frau – berichtete "Bild" tags darauf, nachdem ein Reporterteam rund um den Wohnsitz der Anruferin recherchiert hatte. Domian indes behauptete nach diesem Artikel in seiner Sendung, das Springer-Blatt habe die Fake-Vorwürfe gegen den ARD-Sender erfunden. Der beliebte Talker berief sich dabei auf Aussagen der zuständigen Polizei. Das lässt nun die Boulevardzeitung wiederum nicht auf sich sitzen – und leitet rechtliche Schritte ein, zumal sich das Springer-Blatt durch die eingangs erwähnten neuen Erkenntnisse in seiner Ansicht gestärkt sieht. 

Der Streit um Fake-Vorwürfe zieht große Kreise, eine neue Runde Springer vs. Öffentlich-Rechtliche ist eingeläutet.

Update: Der WDR hat sich inzwischen bei "Bild" entschuldigt. Die Kölner teilten am Donnerstag mit, Domian habe sich zu früh auf eine Polizeiquelle verlassen, die - im Nachhinein betrachtet - eine missverständliche Auskunft gegeben habe.

ps/dpa

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