Crowdfunding:
Mountains4U: Wie Petra Thaller ihr Digitalmagazin finanziert
Wer dem Tablet-Magazin dabei hilft, in weitere interaktive Angebote zu investieren, wird die Redaktion kennenlernen.

Foto: Thaller Media
Wer dem Tablet-Magazin "Mountains4U" dabei hilft, in weitere interaktive Angebote zu investieren, wird die Redaktion kennenlernen. Nein, damit ist nicht ein lustiger Redaktionsbesuch mit Kaffee und Kuchen gemeint, sondern etwa Vorträge, die die Chefin höchst persönlich vor den Unterstützern und ihren Gästen halten wird. Petra Thaller ist ein Berg- ebenso wie ein Medienprofi. Von ihrem Wissen und ihrer ansteckenden Begeisterung kann also durchaus jeder profitieren, nicht nur der Bergfex (mehr über Petra Thaller lesen Sie in der aktuellen, neuen W&V 41/2014, EVT 6.10.2014).
Den Vortrag erleben können Investoren ab 2000 Euro. Wer 1000 Euro investiert, verbringt mit der Redaktion ein Hüttenwochende, für 500 Euro gibt es eine Skitour. Auch kleinere Beiträge sind willkommen, schon ab fünf Euro gibt es kleine Aufmerksamkeiten von Petra Thaller und ihrer Redaktion.
30.000 Euro möchte die Gründerin von Thaller Media gern per Crowdfunding zusammenbekommen, um nicht nur auf dem Tablet (Android und iOS) ein gelungenes Bergsport-Magazin anzubieten, sondern auch interaktiv für den Desktop-PC. Auch den Online-Auftritt will Thaller verbessern. Um das zu finanzieren, setzt die Macherin auf Freiwilligkeit:
Mountains4U gibt es seit einem Jahr. Die Finanzierung hat sich mittlerweile so stabilisiert, dass die Anzeigeneinnahmen das Projekt tragen. Deshalb bietet Thaller seit dem ersten Geburtstag des Heftes im September 2014 das interaktive Magazin gratis an. Die Abonnenten brauchen nichts mehr für "Mountains4U" zu bezahlen. Und das, wo doch alle klassischen Medienbetriebe fieberhaft nach Modellen für bezahlte Inhalte suchen.
Das erste Jahr war ein Lehrjahr für Thaller und ihre Mannschaft. "Wir mussten viel lernen", erzählt die Macherin, "Wie bewirbt man ein Tablet-Medium? Ist es richtig, es als Bezahlmedium auf den Markt zu bringen? Wie hoch ist der Anteil der Anroid-User? Soll das Tablet die einzige Möglichkeit sein, das Magazin zu lesen?" Auf alle diese Fragen hat Petra Thaller nun ein Jahr nach der Erstausgabe Antworten gefunden. Werbung im iTunes-Store hilft, weiß sie heute: "Nach einer Kampagne wurden in der Spitze innerhalb von zwei Stunden 422 unserer Magazin-Apps heruntergeladen." Doch hat sie auch erfahren, dass die Bezahlschranke Leser verschrecken kann: Mehr als 50 Prozent seien wieder abgesprungen, wenn es ums Bezahlen ging.
Um Leser und Anzeigenkunden gleichermaßen zufriedenzustellen, gibt Thaller Media trotz der geringen Reichweite Android nicht auf (hier wurde maximal zehn Prozent der Downloads generiert). Und eine interaktive Desktop-Ausgabe kommt jetzt im Herbst hinzu. "Damit auch all diejenigen, die gerne mal in der Mittagspause mehr als nur PR-Texte von Websites und Blogs konsumieren möchten, von uns bestens bedient werden", sagt Petra Thaller und erklärt: "Das ist nicht nur für den Konsumenten gut, sondern auch für den Werbungtreibenden, der zum einen eine zeitgemäße Darstellungsform im Tablet wünscht, aber seine 'Print-Kunden' nicht verlieren möchte."
Die passionierte Bergsteigerin und Freeriderin hat mit digitalen Medien noch viel vor. Aber auch das Papier als Medium wird sie nicht aufgeben: Hochwertige Printprodukte und Bücher plant Thaller bereits, als Basis dient jedoch immer das Online-Medium. Und ihre Termine, die verwaltet die digitalaffine 52-Jährige dann doch immer noch lieber im guten alten Notizbuch. Sonst klappt es nicht, sagt sie und schmunzelt. (Mehr über Petra Thaller lesen Sie in der aktuellen, neuen W&V Ausgabe 41/2014, EVT am 6.10.2014).