Aller Anfang ist schwierig

Doch der Start lief alles andere als gut. Eine 19-jährige Praktikantin brachte ihre Chefs auf den Snapchat Trichter und durfte das Netzwerk testweise für die Marke nutzen. Aber schnell war es dieses typische 0815-Daily-Gebrabbel inklusive Motzerei über den "Verkehr” in Los Angeles. Es passte Snapchat, aber nicht zu Arsenic. Deshalb musste eine andere Lösung her.

Am nächsten Tag stand eines der typischen sexy Photoshootings an. Statt einer dritten Person drückte man den Models direkt selbst das Smartphone in die Hand und ließ sie snappen. Sie konnten zeigen, wie das Ganze aus ihrer Perspektive abläuft. Das Ergebnis: Erstklassiges Behind-The-Scenes Aufnahmen!

Die Views verdoppelten sich, aber man konnte noch nicht von einem riesigen Erfolg sprechen. Zumal es ein weiteres Problem gab: Während man auf Instagram einfach ein Foto dauerhaft posten konnte, verschwanden die Inhalte auf Snapchat nach 24 Stunden wieder. Die Crux an der Sache: Ein Snapchat Kanal ist nur dann wirklich erfolgreich, wenn man es schafft, täglich neue Inhalte zu liefern.

Das Biest wird gefüttert — 500.000 Views pro Snap

Arsenic schaffte es, das Problem zu lösen. Über den Instagram Account rief man die Hobby-Models dazu auf, sich für ein Takeover zu bewerben. Bei einem Takeover übernimmt eine Person den Kanal komplett für einen Tag und liefert entsprechend individuelle Eindrücke aus der eigenen Perspektive. Tausende Damen kamen dem Aufruf nach.

Dadurch hatte Arsenic eine nie versiechende Contentquelle erschaffen, die täglich neue Bilder und Videos ausspuckt. Zudem würde es so nie ein stilisiertes Arsenic Girl wie z.B. die Playboy Bunnies (Blond, Zahnpastalächeln, großes Brüste) geben.

In Januar 2015  -  sechs Wochen nach dem Start des Snapchat Kanals  -  verzeichnete man bereits über 60.000 Aufrufe pro Snap! Mittlerweile  - Stand März 2016  - sind es über eine halbe Million.

Was du daraus lernen kannst

Der Fall Arsenic zeigt, wie man Snapchat bestmöglich als Marke nutzen kann. Für mich sind es im Detail die folgenden Keylearnings:

1.

Scheiß auf schöne Filter  -  Authentizität zählt! Die ist super wichtig auf Snapchat. Die Zuschauer wollen möglichst nah dran sein am Geschehen und sich einen ungefilterten Eindruck machen.

2.

Daily Content - auch wenn das natürlich nicht für jedermann machbar ist, aber jeder erfolgreiche Snapchat Kanal veröffentlicht mehrmals täglich etwas. Dadurch entsteht über die Zeit natürlich auch eine entsprechende Bindung zur Marke.

3.

Überraschung  - Jeden Tag übernimmt eine neue Person den Kanal. Als Zuschauer weiß man so nicht, was einen erwartet. Es kann ein Photoshooting sein. Oder ein Konzert. Oder sexy Damen, die eine Wand schwarz anmalen. Alles ist möglich und genau diese Unwissenheit hat mich super schnell angefixt.

4.

Takeovers sind mächtig — eines der Hauptprobleme von Snapchat ist es, genügend Reichweite auf die eigenen Inhalte zu bekommen. In der App selbst gibt es keine Suche, von daher musst du von anderen gefunden werden. Aus diesem Grund hilft nur die Promotion des Snapchat Kanals über die eigenen Kanäle. Umso besser, wenn es andere Menschen für übernehmen. Jedes Model, dass den Arsenic Kanal übernehmen darf, pushed ihr Takeover entsprechend über ihre Social Media Accounts. Im Gegenzug kann sie ihren Snapchat Usernamen in den Arsenic Snaps erwähnen und bekommt so entsprechend neue Follower auf der Plattform. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

5.

Testen, testen, testen  -  Der Erfolg von Arsenic kam nicht über Nacht. Dort steckt aktuell über ein 1 Jahr Arbeit drin und der Anfang lief alles anderes als gut. Von daher kann ich dir nur ans Herz legen, so viel es geht in Sachen Inhalt zu testen.

Wenn du jetzt auf den Geschmack gekommen bist, dann kannst du einfach über den folgenden Link ArsenicTV auf Snapchat hinzufügen: snapchat.com/add/arsenictv. Viel Spaß!

Philipp Steuer hat Online-Journalismus studiert, für Google gearbeitet und berät Unternehmen bei ihrer Social-Media-Kommunikation. Gemeinsam mit Sven Giesen betreibt er Snapgeist, die erste Suchmaschine für Snapchat-Nutzer. Als Speaker ist er europaweit für die Themen Snapchat, Digitale Trends und Social-Media-Storytelling im Einsatz.


Autor:

W&V Leserautor

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