Insgesamt sieht Lee China und die USA in einem Kopf-an-Kopf-Rennen um die Führungsrolle bei künstlicher Intelligenz. Er rechne fest damit, dass chinesische Unternehmen, die heute im Heimatmarkt dominieren, ihre Technologien auch international an den Markt bringen werden, sagte der 57-Jährige, der unter anderem für Apple, Microsoft und Google gearbeitet hatte und jetzt als Investor aktiv ist. Die Gefahr für Europa sei, dass es bei der Dominanz von zwei solch großen Playern, "keine Bronze-Medaille gibt". Dabei sei die KI-Forschung auf dem Kontinent sehr stark - aber wenn es zum Geldverdienen komme, landeten die europäischen Fachleute dann im Silicon Valley.

Lebenslanges Lernen hilft

Weitaus skeptischer ist der Deutsche-Post-Chef Frank Appel eingestellt, der auf derselben Veranstaltung zu Gast war. Arbeitnehmer müssen sich darauf einstellen, dass ihre Jobs in absehbarer Zeit von Maschinen übernommen werden könnten. "Ist man jung, gibt es unabhängig davon, welchen Beruf man sich aussucht, keine Garantie, dass er in zehn bis 15 Jahren noch existiert", sagte Appel. "Es ist definitiv nicht mehr möglich, dass man 50 Jahre lang in einem Unternehmen im selben Job bleiben kann." Ein Ausweg sei lebenslanges Lernen - dafür müsse aber das Bildungssystem grundlegend umgestaltet werden.

Vor allem Systeme auf Basis künstlicher Intelligenz können den Menschen in immer mehr Berufen ablösen. Das können zum Beispiel Chatbots statt Call-Center-Mitarbeitern sein, oder Software, die in Anwaltskanzleien automatisch Unterlagen prüft.

Die vom Medienkonzern Hubert Burda Media veranstaltete DLD-Konferenz (Digital Life Design) steht in diesem Jahr unter dem Motto "Optimism & Courage" (Optimismus und Mut). Damit wolle man ein Zeichen gegen den "grundsätzlichen Technik-Pessimismus" setzen, sagte Organisatorin Steffi Czerny.

Kai-Fu Lee im Gespräch mit Rebecca Blumenstein, NYT:

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am/dpa


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