Völlig unter Schock steht auch "AZ"-Chefredakteur Arno Makowsky. Er selbst hat erst am Mittwoch von der Eröffnung des Insolvenzverfahrens gehört – und zwar während seines Urlaubs in Ägypten. Auch wenn Makowsky "enttäuscht" sei, wie er gegenüber W&V Online sagt, sieht er auch die Chancen, die solch ein Verfahren eröffnen würde, wie man bei der "Frankfurter Rundschau" gesehen habe. "Was uns momentan noch fehlt, ist der weiße Ritter", sagt er. Natürlich sei ihm das Risiko bewusst gewesen, man habe die Zahlen ja auch nach außen offen kommuniziert. Und es sei "dem guten Willen des Verlegers zu verdanken", dass die "Abendzeitung" fast schon mäzenatenartig erhalten worden sei.

Laut Arno Makowsky sei es der "Abendzeitung" im letzten Jahr gelungen, die Zahlen endlich zu stabilisieren. Online sei man nach bild.de sogar die Nummer zwei geworden, das hat der Verlag just vor einer Woche kommuniziert. "Wir als Redaktion müssen uns keine Vorwürfe machen", sagt er. Sorgenkind ist wohl das Anzeigengeschäft, das einfach nicht richtig gekommen ist. Die Redaktion berichtet inzwischen in eigener Sache über die Insolvenz - ein trauriger Anblick.

Das Münchner Boulevardblatt hat eine Auflage von rund 100.000 Exemplaren. Zum Verlag Die Abendzeitung gehörte früher auch die "Abendzeitung Nürnberg", die 2010 vom Telefonbuch-Verleger Gunther Oschmann gekauft wurde und 2012 nach 93 Jahren eingestelltwurde. Das Blatt stand Pate für die TV-Serie "Kir Royal - Aus dem Leben eines Klatschreporters".

Als es der "AZ" nach der globalen Krise im Jahr 2008 schlecht ging, rückte das Haus über die Gesellschafter Friedmann näher an den Süddeutschen Verlag heran und greift seither nach Bedarf auf Dienstleistungen des SV zu. Ex-SV-Manager Dieter Schmitt ist seither Geschäftsführer bei der "AZ".  Ein Verkauf der "Münchner Abendzeitung", der bereits damals immer wieder kolportiert wurde, war damit vom Tisch. Der Verlag Werben & Verkaufen ist ein Tochterunternehmen des SV.

ps/jok



Petra Schwegler, Redakteurin
Autor: Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.